Steiniger Weg zum Meistertitel
08.07.2007 | 23:37 Uhr 2007-07-08T23:37:01+0200Junge Chorgemeinschaft erreichte den Titel passend zum 50-jährigen Bestehen. Leiterin Gudrun Stumpf legt Wert auf anspruchsvolle Literatur. Gearbeitet wird zurzeit an der Krönungsmesse von Mozart
Im Wattenscheider Sängerkreis darf sich zur Zeit nur ein Chor mit dem Titel "Meisterchor" schmücken: die Junge Chorgemeinschaft Wattenscheid.
Passend zum 50-jährigen Bestehen hat der Chor im Jahr 2005 die Prüfung beim Deutschen Chorverband (DCV) abgelegt. "Das ist eine Art Leistungssingen. Dreimal mussten wir vor einer Jury singen, die aus Musikprofessoren und professionellen Sängern bestand", erklärt der Vorsitzende Rudolf Voigt. "Wer eine bestimmte Punktzahl erreicht hat, darf sich für fünf Jahre Meisterchor nennen. Danach muss man sich wieder für die Qualitätsbezeichnung des DCV prüfen lassen."
Der Weg zum Meisterchor ist steinig. In einem ungemütlichen Kellerraum des Jugendhofs St. Pius an der Stresemannstraße beginnt jede Probe mit einem ausgiebigen Einsingen. Chorleiterin Gudrun Stumpf lässt die 32 Sänger wie ein Pferd schnauben, mit der Zunge schnalzen, "a-e-i-o-u" mit verschiedenen Melodien singen, lässt die Schultern der Aktiven kreisen. Erst nach knapp 20 Minuten beginnt die Probe.
Rudolf Voigt ist begeisterter Sänger. Seit fast 15 Jahren wirkt er er nicht nur in der Jungen Chorgemeinschaft mit, sondern auch bei Singing Sound. "Für mich sind das zwei verschiedene Welten: Hier singen wir von Quer bis Beet alles durch. Auch sehr alte Stücke", beschreibt der 44-Jährige seine zwei musikalischen Seiten. "Bei Singing Sound machen wir nur moderne Sachen. Mir würde etwas fehlen, wenn ich aus einem der Chöre austreten würde."
Pro Jahr übt die junge Chorgemeinschaft, die 1955 aus dem Jugendsingekreis der Propstei hervorgegangen ist, je ein kirchliches und ein weltliches Programm ein. Zurzeit arbeitet sie, mit einem Chor aus Wanne-Eickel, an der Krönungsmesse von Mozart für einen Auftritt Anfang September. "Ich legen Wert auf anspruchsvolle Literatur", erklärt Gudrun Stumpf, die Musiklehrerin an der Pestalozzi-Realschule ist und zudem an der bischöflichen Kirchenmusikschule in Kinderchor-Leitung unterrichtet.
Wirklich jung ist die Junge Chorgemeinschaft jedoch nicht mehr: "Einige von uns sind seit der Gründung dabei", beschreibt Voigt. "Die meisten sind in den Vierzigern. Auch uns fehlt der Nachwuchs. Tomasz gehört zu den Jüngsten." Tomasz Goral ist 21 Jahre alt und singt im Tenor. Für den Instrumentalkreis des Chores hat er schon einige Stücke selbst komponiert, die bei dem letzten Konzert im Juni auch aufgeführt worden sind. "Wann ich mich an Stücke für den Chor wage, weiß ich noch nicht", sagt der junge Chemielaborant, der Klavier und Querflöte spielt.
"Hier singen wir von Quer bis Beet alles durch."
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