Steilmann-Fabrikverkauf in Wattenscheid schließt
22.12.2010 | 11:22 Uhr 2010-12-22T11:22:00+0100
Wattenscheid.Der Steilmann-Fabrikverkauf an der Berliner Straße in Wattenscheid wird Ende Januar endgültig schließen. Da die Stadt Bochum mit Zwangsgeldern gegen den Outlet-Verkauf vorgehe, sieht die Radici-Gruppe keine andere Lösung mehr.
Der Steilmann-Fabrikverkauf an der Berliner Straße wird Ende Januar seine Pforten schließen. Die Radici-Gruppe sieht keine andere Lösung mehr, da die Stadt mit Zwangsgeldern gegen den Outlet-Verkauf vorgehe. Mit dem Aus für den Fabrikverkauf kündigt die Radici-Gruppe zugleich an, dass weitere 120 Arbeitsplätze Wattenscheid verlassen könnten.
Die Schuld für diese Entwicklung gibt die Radici AG der Stadt Bochum, die jetzt mit Zwangsgeldern gegen den Fabrikverkauf vorgeht: Vor acht Wochen sollte das Unternehmen 20.000 Euro zahlen (was passiert sei); da keine Schließung erfolgte, kam vor einem Monat die Aufforderung, weitere 40.000 Euro zu zahlen.
Eigentlich seit 2006 keine Rechtsgrundlage mehr
Zum Hintergrund: Die Stadt hatte die Sondererlaubnis zum Fabrikverkauf vor rund sieben Jahren an Auflagen geknüpft (u.a. Mindestmitarbeiterzahl von 800 in WAT und Wattenscheid als Firmensitz), die mit dem Schrumpfen und Umzug der Firma Steilmann nicht mehr gegeben waren. Für das Outlet-Center dort war eigentlich seit 2006 keine Rechtsgrundlage mehr vorhanden. „Hier liegt ein klarer Tatbestand vor, eine Ausnahmegenehmigung war nicht mehr möglich. Auch die Politik hat beschlossen, dass es den Fabrikverkauf dort nicht mehr geben kann. Es gibt also ordnungsgemäße und rechtlich einwandfreie Grundlagen. Zudem kollidiert das Outlet-Center mit den Einzelhandelskonzeptionen des Masterplans“, betont Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch.
Die „Lex Steilmann” sah vor rund sieben Jahren vor, dass – gegen dem Protest von Innenstadt-Einzelhändlern und entgegen den Regelungen eines in Aufstellung befindlichen Bebauungsplans – dem Unternehmen erlaubt wurde, den Fabrikverkauf von Textilien im ehemaligen Götzen-Baumarkt im Gewerbegebiet West zu eröffnen. Die Sondererlaubnis war an Bedingungen geknüpft, u.a. eine Mindestmitarbeiterzahl von 800 in WAT und Wattenscheid als Firmensitz.
Mit dem Ende des Fabrikverkaufs, wo zehn Mitarbeiter beschäftigt sind, sieht die Radici-Gruppe auch den Wegzug von 120 Arbeitsplätzen aus der Logistik- und IT-Sparte aus Wattenscheid – betroffen wäre die Radici-Tochter IDS (50 Beschäftigte), außerdem die Firma Logwin (70 Mitarbeiter), die zwar keine Radicitochter ist, aber zum überwiegenden Teil von Radici-Aufträgen lebt. „Wir suchen dafür neue Standorte in Nachbarstädten“, so Radici-Sprecher Michael Grönebaum.
Sein Unternehmen habe der Stadt ein Ausgleichsangebot unterbreitet, nach dem im Juni erfolgten Umzug der 130 Steilmann-Mitarbeiter nach Bergkamen eine entsprechende Zahl neuer Arbeitsplätze in Wattenscheid anzusiedeln. „Logwin und IDS wären dann auf insgesamt 200 Beschäftigte gekommen, außerdem sollte die Radici-Tochter Nienhaus & Lotz aus Gelsenkirchen mit 25 bis 40 Mitarbeitern nach Wattenscheid umziehen.“ Darauf sei die Stadt nicht eingegangen, so Grönebaum, auch nicht auf die zeitliche Kompromisslösung, das Ende des bis Mitte 2012 laufenden Mietvertrags für das Outletcenter abzuwarten.
Zwangsgelder verhängt
Schreiben der betroffenen Betriebsräte, in dem sie ihre Sorgen ausdrücken, seien an Bochums Wirtschaftsdezernenten Paul Aschenbrenner geschickt worden.
Stadtbaurat Ernst Kratzsch erklärt: „Radici war seit Jahren bekannt, dass die Voraussetzungen für die Outletcenter-Sondererlaubnis nicht mehr bestanden. Wir mussten leider Zwangsgelder verhängen, um den Verkauf zu beenden. Jetzt plötzlich, in diesem Verfahren, mit dem Abzug von Arbeitsplätzen zu drohen, ist unseriös.“ Das sieht auch Stadtplanungsamtsleiter Eckart Kröck so. „Der Verkauf kann doch in Wattenscheids City weitergehen. Wir wollen niemanden vertreiben.“ Übrigens habe die Stadt auch die Schließung des benachbarten „Italia Mode“-Fabrikverkaufs an der Berliner Straße angeordnet.
11:22
Hier werden seit Jahren Bedingungen nicht erfüllt, die in einem städtebaulichen Vertrag festgelegt wurden. Glaube doch niemand, ein Firmensitz würde verlegt, um eine Stadtverwaltung zu ärgern. Es rechnet sich einfach, sonst würde man es nicht tun. Alles andere ist Theaterdonner. Nach Recht und Gesetz hätte eine selbständige Stadt Wattenscheid genauso entscheiden müssen.
13:38
@Inlet: Das ist nicht mehr als der längst fällige Verwaltungsakt, wenn ein Unternehmen Bedingungen nicht erfüllt. Die Polemik von Herrn Puller entbehrt jeder Grundlage.
11:53
Andere Städte bemühen sich, neue Arbeitsplätze zu fördern, Bochum macht genau das Gegenteil ... Aber wenn der Outlet in Bochum geständen hätte, wer weiß wie die Sache dann aussehen würde ...
Ich kaufe zuerst in WAT, dann in GE oder E. BO existiert für mich als Einkaufsstadt gar nicht ...
11:48
Es sollen weitere Stores geplant sein...
10:56
@ kostek...
dann fahr nach GE oder HER wenn Du meinst das diese Standorte auf längere Sicht bleiben.
Gute Fahrt !!!
09:49
Bravo. Als Bürger war für mich nicht zu verstehen warum hier für eine Firma, nicht die selben Gesetzte wie für alle anderen Menschen auch gelten sollen.
Die Drohung weitere Arbeitsplätze abzuziehen, entspricht dem bisherigen Still der Firma Radici. Bloß nicht unter Druck setzten lassen liebe Stadtverwaltung!
09:26
Den nächsten Fashion Factory Outlet Store der Radici-Gruppe findet man in GE - einen weiteren in HER.
Bei seinem Feldzug gegen die Stadt Bochum ist Herr Dr. Puller ganz klar übers Ziel hinausgeschossen. Es ist zu bezweifeln, dass die LOGWIN-Führungsriege mit seinen Absichten konform geht.
09:14
Warum sollte man dem Outlet weiter eine Genehmigung erteilen, wenn alles aus Wattenscheid abgezogen wird.
Wer weiter Klamotten kaufen will, kann in Zukunft nach Kamen fahren oder sich von den Pendlern etwas mitbringen lassen.
01:31
Zudem kollidiert das Outlet-Center mit den Einzelhandelskonzeptionen des Masterplans“, betont Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch.
Das bedeutet so viel wie wir fahren Wattenscheid jetzt gegen die Wand.
22:20
UlliWeber übernehmen Sie.
Sie sind doch über alles was mal mit Steilmann in Zusammenhang stand/steht informiert.
Was geht da ab?
Aber bitte beachten: Der Fabrikverkauf entbehrt seit 2006 jeder Rechtsgrundlage. Tatsächlich ist die Ausnahmegenehmigung, die der Firma Steilmann einst erteilt wurde, an Auflagen = Vertrag gebunden.
Erstens: Der Firmensitz muss in Wattenscheid sein= nicht Kamen. Zweitens: Das Unternehmen beschäftigt vor Ort mindestens 800 Menschen =keine 120.
Stimmt das alles oder ist das mal wieder nur Willkür der Nachfolgestadtverwaltung von Wattenscheid?