Statt Schmackis gibt’s Socken
14.02.2012 | 18:02 Uhr 2012-02-14T18:02:00+0100
Ein großer Kreis aus Freunden, Schwägern und Verwandten seien sie immer schon gewesen. Karnevalisten auch. „Wir waren bekannt für unsere chaotischen Feiern, bei denen aber immer was Gutes rauskam“, erklärt Helma Schulte. Vor 30 Jahren, als sie und ihre Cousine Inge Mengel, geborene Güttmann, 29 und 24 waren, sagten sie dann: „Nennen wir uns Chaotenclub Wattenscheid.“ Auf einer Familienfeier überredeten sie Mengels Vater, Inhaber der Stadtfleischerei Güttmann, ihnen einen Wagen zu organisieren.
Früher Metzger,heute Clowns
Am folgenden Rosenmontag standen sie in Metzgerkluft auf dem Wagen und bewarfen die Leute „kiloweise mit Brüh- Mettwürsten, die wir nach Feierabend in der Wurstküche selbst gemacht hatten: den Schmackis“, so erinnert sich Mengel. „Die Schmackis waren im Gespräch. Und das hat uns riesigen Spaß gemacht.“ „Am Anfang haben wir nicht an 30 Jahre gedacht“, sagt Schulte, „aber et hat gepasst. Wir sind jetzt 35 bis 40 Jahre lang ein enger Freundeskreis.“ Nun stellen sie den 15. Wagen.
Seit 1998, seit es die Metzgerei nicht mehr gibt, sind aus den Metzgern Clowns geworden; und statt Würsten werfen sie nun Socken. Die bekommen sie von einem gebürtigen Kölner gesponsert, der in Wattenscheid wohnt, der zufällig in der Textilbranche arbeitet und die Feierlaune des Chaotenclubs unterstützen will.
Was für die „Chaoten“ die Faszination an Karneval ist: „Wenn man da oben auf dem Wagen steht, schöne Musik, Stimmung, Sonnenschein, und unten diese Menschenmengen, die einem ‚Wattsche Helau’ zurufen, und bekannte Gesichter an den Fenstern sieht“, beschreibt Schulte, „das ist einfach nur schön.“ Das sei jedenfalls viel mehr als „bloßes Saufen“.
„Man ist in einer anderen Welt“, erklärt ihre Cousine Inge Mengel das rauschhafte Gefühl auf dem Umzugswagen, der dieses Jahr wieder rot eingepackt sein wird. Der Spaß stehe im Vordergrund, „zusammen schweißt uns aber auch dieses Machen vorher. Der Weg ist das Ziel.“
„Uns ist auch in diesen 30 Jahren nichts Schäbiges passiert“, betont Inge Mengel. Außer dass sie ein paar Mal mit Mehlsäckchen und Schnapsflaschen beworfen worden seien. Ihr Spaß an der Sache sei ungebrochen. Wie es weiter geht: „Sehen, wie et läuft und wie lange die Gesundheit das zulässt“, sagt Helga Schulte, „Wir gehören ja zu den Jüngeren.“ Mengels und Schultes Kinder – zwischen 22 und 31 – jubeln den Chaos-Gründern momentan noch lieber vom Straßenrand aus zu. Ist ja auch gar nicht so einfach, gegen eine so aktive Elterngeneration anzufeiern.
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