St. Vinzenz-Wohngruppe in Wattenscheid erhält Erlös aus Karnevals-Gala
08.02.2011 | 17:29 Uhr 2011-02-08T17:29:00+0100
Wattenscheid. Der Erlös der Karnevals-Benefiz-Gala der Kolpingsfamilie Höntrop kommt in diesem Jahr der Jugendwohngruppe des Vereins St. Vinzenz an der Weststraße zu Gute. Dort werden Jugendliche aus Problemfamilien fürs selbstständige Leben fit gemacht.
Wenn Karin Burghardt (45) etwas auf den Tod nicht ausstehen kann, dann sind es Eltern, die ihrem Nachwuchs mit dem Kinderheim drohen. Schließlich ist die St. Vinzenz-Jugendwohngruppe an der Weststraße, die von der Erzieherin stellvertretend geleitet wird, auch so eine Art Heim. Aber alles andere als ein Kinder-Knast, eher eine WG.
Natürlich gibt es Regeln. Leitlinien werden sie an der Weststraße 17 genannt: Es gibt sie beispielsweise für die Garten- oder Küchenarbeit. An der Pinnwand im Flur hängen Pläne, wann jeder der zehn Jugendlichen zuständig ist fürs Flurputzen, Wäschewaschen oder den Küchendienst. „Unser größtes Ziel ist, die Jugendlichen zu verselbstständigen“, sagt Karin Burghardt.
Die Jungen und Mädchen zwischen 14 bis 18 Jahren kommen aus Problemfamilien, in denen die Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr nachkommen können: wegen psychischer Erkrankungen oder Suchtproblemen. „Meist sind die Familien dem Jugendamt schon lange bekannt“, erzählt die Erzieherin. „Wenn ambulante Hilfen nicht greifen, wird zur stationären Unterbringung gegriffen.“
Krisenbewältigung steht an erster Stelle
Keine Frage, dass kaum einer der jungen Menschen gerne „ins Heim“ geht. „Wenn sie zu uns kommen, geht es erst einmal um Krisenbewältigung, um Krisenintervention“, sagt Karin Burghardt. „Gerade die Älteren sind oft schon lange nicht mehr zur Schule gegangen, haben ihren eigenen Rhythmus. Wir versuchen dann, sie wieder anzudocken, an regelmäßige Zeiten zu gewöhnen.“ Im Klartext bedeutet das oftmals: wochenlange Kämpfe. „Da braucht man schon eine Menge Überredungskunst und Fingerspitzengefühl.“
Strukturen aufzubrechen, die sich über viele Jahre entwickelt haben, ist dann die Aufgabe der vier hauptamtlichen Mitarbeiter der Jugendwohngruppe. Neben ganz lebenspraktischen Dingen wie Kochen oder Waschen ist Schule ein großes Thema. Karin Burghardt: „Ein ungeliebtes Thema, klar. Da geht es um Zukunftsperspektiven, darum, was man tun muss, um seine Ziele zu erreichen.“
Und manchmal geht es auch einfach darum, überhaupt Ziele zu haben: „Viele haben die Einstellung, dass man auch von Hartz IV gut leben kann. Da kämpfen wir oft gegen Windmühlenflügel.“ Oft sei es aber auch „das blanke Elend, was wir am Anfang mit den Jugendlichen erleben“. Oft seien Mädchen dabei, die sexuell missbraucht wurden. „Da ist es auch unsere Aufgabe, sie zur Therapie zu begleiten“, sagt Karin Burghardt und fügt hinzu: „Mitunter ist es unfassbar für einen selbst, welche Abgründe sich da auftun.“
Der Urlaub als Highlight
Die Jugendlichen leben an der Weststraße im eigenen Zimmer. Gemeinsam wird gekocht, gegessen – zu festen Zeiten, versteht sich. „Wir legen viel Wert auf den Gruppenzusammenhalt und unternehmen viel mit den Jugendlichen.“ Einmal im Jahr fahren sogar alle zusammen für zwei Wochen in den Urlaub. „Das sind unsere Highlights.“
Und die Erfolge? Sind spärlich, gibt Karin Burghardt zu. „Wenn wir Glück haben, dann kriegen dreißig Prozent der Jugendlichen ihr Leben später auf die Reihe.“ Das Salz in der Suppe seien da die Kandidaten, „von denen wir gedacht haben, die kriegen wir nie übern Berg – und gerade die packen’s dann auf einmal richtig gut.“ Das, sagt Karin Burghardt, sei der schönste Lohn.
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