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Podiumsdiskussion

Sicherheit steht im Blickpunkt

19.02.2016 | 08:44 Uhr
Sicherheit steht im Blickpunkt
Es diskutieren: Jugendrichter a.D. Gerd Richter, Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier, Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel (SPD), Polizeihauptkommissar und Gewerkschafter Uwe Danz und Moderator Jörg Steinkamp (v.l.). Foto:Ingo Otto

  Gesprächsrunde in der Friedenskirche zu „Menschen in Angst – Polizei in Not“.Sachlich bleiben, denn „nicht jeder Flüchtling, der kommt, ist kriminell“

Wie sicher fühlen sich die Bürger? Wie beschützt, etwa von der Polizei? Um das Thema „Menschen in Angst – Polizei in Not. Gerät unsere freie Gesellschaft aus den Fugen?“ ging es am Donnerstagabend in der Talkrunde „Gott und die Welt“ in der mit ca. 200 Zuhörern gut besuchten Friedenskirche.

Auf dem Podium vertreten: Bochums neue Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier, der Essener Jugendrichter a.D., Gerd Richter, der stv. Vorsitzende der Bochumer Polizeigewerkschaft (GdP) und Leiter der Polizeiwache Wattenscheid, Uwe Danz, sowie Serdar Yüksel (SPD), Wattenscheider Landtagsabgeordneter. Grund und Anlass dieser Diskussion gaben den Veranstaltern (siehe Info-Kasten) die Silvesterübergriffe in Köln.

Eingangsstatements: „Die Stimmung auf der Straße ist wie folgt: Viele Menschen fühlen sich bange, ängstlich“, so Danz (GdP und Wachleiter). Dieses Gefühl sei subjektiv. „Ich fühle mich nicht unsicher -- etwa auf Wattenscheids Straßen,“ so Danz.

Lokales
2000 Polizisten in Ausbildung

Ist die Polizei überfordert? Kerstin Wittmeier: „Wir haben rund 1900 Mitarbeiter in Bochum. Natürlich könne wir noch mehr Polizisten gebrauchen. Doch durch die sehr gute Ausbildung der jungen Polizisten wird viel aufgefangen.“ Serdar Yüksel (SPD/MdL) stellte heraus, dass in NRW jetzt zusätzlich rund 2000 Polizisten ausgebildet würden.

Zum Thema „Nordafrikaner“ sagte die Polizeipräsidentin: „Die Antänzer unter ihnen beobachten wir schon längere Zeit, etwa am Hauptbahnhof. Und auch hier können wir nicht alle Nordafrikaner über einen Kamm scheren. Es gibt viele, die gut integriert sind.“

Gewalt in den Asylbewerberheimen? In Wattenscheid könne Wachleiter Uwe Danz nur wenige Gewalt-, sondern vielmehr Alkoholprobleme feststellen. „Und wenn wir von ausländischen Kriminellen sprechen, sind dies oftmals welche, die schon länger hier sind. Kriminelles geht nicht von den Menschen in den Heimen aus.“ Kerstin Wittmeier: „Aus den Flüchtlingsheimen ist uns eher der Diebstahl untereinander bekannt. Sie stellte klar, „dass wir als Polizei aber auch die Heime zu schützen haben, etwa vor Anschlägen. Wir fahren dort regelmäßig Streife.“

Auf die Publikumsfragen, ob die Polizei überfordert ist, sagt Wittmeier: „Wir haben in Bochum die ganz normalen Probleme, nicht vergleichbar mit dem Dortmunder Norden oder unlängst Köln.“ Wachleiter Danz: „Pro Jahr haben wir in Wattenscheid zwei bis drei verletzte Kollegen, meist verursacht durch einen Sturz bei der Täterverfolgung.“ Er warnt vor Hysterie. „Wir wissen, dass das Gefühl der Unsicherheit gestiegen ist, auch wenn in Wattenscheid dazu kein Anlass besteht.“

Jugendrichter a.D. Richter ärgert sich darüber, dass derzeit keine sachliche Diskussion stattfinde, sondern die Menschen verunsichert würden – auch verursacht durch die Medien. Die schwierige Problematik, die sich durch die Zuwanderung ergebe, müsse sachlich diskutiert werden. Er sagt: „Nicht jeder Flüchtling, der zu uns kommt, ist kriminell.“ Und: „Doch hat der Auslöser Köln die Diskussion in der Öffentlichkeit verändert.“ Polizeipräsidentin Wittmeier: „Bochum hatte in der Silvesternacht kaum Überiffe. Die kann man an einer Hand abzählen.“

Lokales
980 Anträge auf „kleinen Waffenschein“ seit Jahresbeginn

Die Gesprächsreihe „Gott und die Welt“ wird seit vielen Jahren zu aktuellen Themen in der Friedenskirche durchgeführt. Veranstalter sind die ev. Kirchengemeinde Wattenscheid, die Bezirksvertretung und die Werbegemeinschaft. Gesponsert haben hier die Stadtwerke.

Die Beantragung des „kleinen Waffenscheins“ sei nach Köln drastisch gestiegen. Wittmeier: „In Bochum gab es sonst 200 Anträge pro Jahr. Seit Anfang des Jahres haben wir im Polizeibezirk Bochum 980 Anträge erhalten.“

Sie nennt Fakten: „3,5 Prozent aller Straftaten in Bochum sind Gewalttaten, Körperverletzung, 23 Prozent sind Straßenraub.“ Vielmehr würden Polizeikollegen Respektlosigkeit beklagen. Uwe Danz: „Wir haben in Wattenscheid, etwa durch eine teils abgehängte Gesellschaft, das (verbale) Niedermachen schon bei Zwölf- und 13-Jährigen.“ Richter: „Eltern sind kein Vorbild mehr. Die Kinder lernen keine Konsequenzen kennen. Erst wenn sie als Strafmündige vor dem Gericht stehen und Jugendarrest bekommen.“ Diese Respektlosigkeit habe er bei deutschstämmigen und auch bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund erlebt.

Ellen Wiederstein

Kommentare
20.02.2016
07:53
Sicherheit steht im Blickpunkt
von riot | #1

"„Wir wissen, dass das Gefühl der Unsicherheit gestiegen ist, auch wenn in Wattenscheid dazu kein Anlass besteht.“

Dabei lese ich hier in der WAZ...
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http://www.derwesten.de/staedte/wattenscheid/sicherheit-steht-im-blickpunkt-id11581386.html
2016-02-19 08:44
Wattenscheid