Shoppen bis zur Geisterstunde
08.04.2009 | 17:32 Uhr 2009-04-08T17:32:00+0200
Die Stadt Bochum wird die Öffnungszeiten, die das „Kaufland” im Gertrudiscenter für Gründonnerstag und Ostersamstag plant, nicht verhindern.
Wie berichtet, sollen der Kundschaft die Geschäftsräume samt Parkdecks jeweils bis 24 Uhr zur Verfügung stehen. Walter Thiel, der in unmittelbarer Nachbarschaft eine Immobilie besitzt, hatte versucht, die Kommune zur Einhaltung der Nachtruhe zu bewegen. Vergeblich: „Das fällt in die Zuständigkeit der gemeinsamen Unteren Umweltschutzbehörde in Hagen”, erklärte Stadtsprecherin Annika Pöttner gestern Nachmittag.
Das Thema „längere Öffnungszeiten” beschäftigt auch die Gewerkschaft „Verdi”, Werbegemeinschaft und die Konkurrenz von „Kaufland”. Helmut Süllwold (57) , bei „Verdi” Sekretär für den Fachbereich Handel, poltert laut los: „Die spinnen – die, die das anbieten und die, die da hingehen. Kein Mensch muss nach 21 oder 22 Uhr einkaufen. Für die Belegschaft ist das menschenunwürdig. Außerdem ist Nachtarbeit gefährlich. Aber die Beschäftigen sind total verängstigt. Ich würde gerne was gegen solche Öffnungsaktionen machen, aber ohne Belegschaft?” Einen Betriebsrat habe die „Kaufland”-Filiale am Alten Markt nicht.
Der Markt ist da - aber nicht für die große Masse
„Der Markt ist sicherlich da – aber nicht für die große Masse”, kommentiert Reinhard Mokanski das Thema erweiterter Ladenschluss. „Es gibt beispielsweise in Münster einen Rewe-Laden in einem Studentenviertel, der an zwei Tagen in der Woche bis 24 Uhr geöffnet hat – das läuft super.” Das seien aber Ausnahmen: „Wenn alle Geschäfte das machen würden, würde keiner mehr davon profitieren.”
Eine Personalfrage ist die verlängerte Öffnungszeit für Mokanski nicht: „Es gibt immer Leute, die um diese Zeit arbeiten wollen wie Schüler oder Studenten.” Zu Lasten der Verkäuferinnen und ihrer Kernarbeitszeiten gehe ein Ladenschluss zur Geisterstunde deshalb nicht. Für seine Geschäfte in Wattenscheid käme eine Öffnung bis Mitternacht aber nicht in Frage: „In Wohngebieten bekommt man dafür keine Genehmigung.”
Abstimmung mit den Füßen
Gelassen sieht Wolfgang Dressler die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten. „Jedes Geschäft kann das im Rahmen der geltenden Gesetze selbst entscheiden”, erklärt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. „Wir haben unter den Geschäftsleuten eine Vereinbarung zu Kernöffnungszeiten. Wenn einzelne Sonderaktionen gefahren werden, sind das persönliche unternehmerische Entscheidungen.”
In kleineren Zentren wie Wattenscheid gebe es ohnehin natürliche Grenzen beim Ladenschluss: „Nicht jeder Laden ist so zu organisieren, dass er mehrere Schichten fahren kann.” Über eines ist sich Dressler aber auch im Klaren: „Die Abstimmung erfolgt natürlich mit den Füßen.”
00:41
Helmut Süllwold ist und bleibt ein Fossil ... menschenunwürdig ... ist es auch menschenunwürdig wenn Krankenschwestern, Busfahrer, Taxifahrer oder Stahlwerker Nachtdienst haben? Wohl kaum ... es ist normal. Der Handel muss sich, wie Herr Mokanski richtig sagt, seinem Klientel anpassen und das muss auch die Gewerkschaft und ein Helmut Süllwold endlich verstehen, wenn sie sich nicht weiter der Lächerlichkeit preisgeben wollen. Es gibt genug Arbeitnehmer, die gerne Nachts arbeiten wollen, aber oft genug die Gelegenheit durch die Gewerkschaften genommen bekommen.
Im Falle von Kaufland reden wir ja auch hier nicht von einem Dauerzustand sondern von einer Aktion ... und auch hier wird es genug interessierte Kunden geben, die diese Einkaufschance nutzen werden.
Über diese Menschen hat ein Helmut Süllwold nicht in der Art zu sprechen, wie er es tut. Sonst sollte man ihn das nächste Mal dran erinnern, wenn er Nachts Bus, Bahn oder Taxi fährt oder mal einen Arzt benötigt, dass er spinnt und menschenunwürdiges verlangt.