Sein Bad in der Menge fiel aus
16.05.2008 | 16:13 Uhr 2008-05-16T04:13+0200Zum Schluss sind sie alle ein wenig enttäuscht. Ein Bad in der Menge hatte der Dalai Lama vor der Kirche St. Nikolaus nehmen wollen – und war dann doch von seinen Leibwächtern in die wartende Limousine eskortiert worden.
„Schade, dass er nicht so durfte, wie er wollte”, sagt Susanne Klebowski, die über eine Stunde auf dem Kirchplatz ausgeharrt hatte, um das religiöse Oberhaupt der Tibeter von Nahem zu sehen. „Ich glaube schon, dass er ein Mann der Nähe ist.” Pure Neugierde hat die Bochumerin an die Westenfelder Straße getrieben: „Es war eine ganz spontane Entscheidung – ich wollte einmal den Menschen sehen, der für so viel Unruhe sorgt, weil's ja in der heutigen Zeit offenbar nicht politisch korrekt ist, ihn zu treffen.” Gemeinsam mit Kathrin Hoffmann hat Susanne Klebowski sich einen Platz auf einem der Absperrgitter vor dem Kirchplatz gesichert und somit einen guten Blick auf den Dalai Lama, der unter dem Beifall der Menge die Kirche betritt: „Er ist sehr, sehr sympathisch und macht einen friedvollen Eindruck.” Kathrin Hoffmann ergänzt: „Ich finde, er hat eine sehr intensive Ausstrahlung.” Mit einer ganzen Gruppe ist Andrea Beckmann angereist: „Wir sind Buddhisten und verehren Seine Heiligkeit wegen seiner humanitären Einstellung”, sagt sie. „Der Dalai Lama kämpft unermüdlich für die Menschenrechte in Tibet – dadurch, dass wir hier sind, zeigen wir, dass wir auf seiner Seite stehen.” Davon lasse sie sich durch nichts abhalten – schon gar nicht durch die Wettervorhersage: „Es könnte auch stürmen und schneien.” Norbu Tzering, der aus Tibet stammt, macht weniger Worte: „Ich bin dankbar für alle, die es ermöglicht haben, dass wir ihn hier sehen dürfen.” Viele Tibeter haben sich unter die Wartenden gemischt – viele mit Tibet-Flaggen, einige in traditioneller Tracht. Giovanna de Maria strahlt übers ganze Gesicht: „Der Dalai Lama hat eine große Bedeutung für mich, weil ich mich viel mit dem Buddhismus auseinandergesetzt habe. Ich selbst bin Christin, beschäftige mich aber viel mit Meditation und dem buddhistischen Glauben.” Letztlich habe jede Religion den Sinn, Liebe zu praktizieren: „Der Dalai Lama strahlt für mich Mitgefühl und Liebe aus”, sagt die Gelsenkirchenerin. „Und ich freue mich total, ihn mal zu sehen.” Uta Bergstedt hat das Oberhaupt der Tibeter bereits am Vormittag vor dem Bochumer Rathaus gesehen – und „ein kleines Tränchen” verdrückt: „Ich kann das gar nicht beschreiben, es ist ein total unwirkliches Gefühl, dass er so nah ist.” Erst vor kurzem ist die Professorin für Bioverfahrenstechnik in die Tibet-Initiative eingetreten, „weil mich das Schicksal der Menschen dort sehr bewegt”. Im Himalaya habe sie einige Klöster besucht und sei immer wieder beeindruckt von der Friedfertigkeit der Menschen gewesen. „Ich finde, dass der Dalai Lama eine faszinierende Persönlichkeit ist – und es ist wichtig, ihn zu unterstützen.” Auch Michael aus Bochum sagt: „Ich bin überzeugt, dass ich Präsenz zeigen sollte und dass es Tibet nützt.” Für den Besuch des Dalai Lama hat er sich extra einen freien Tag genommen: „Ich finde, er ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit – und ich finde ihn sehr erfrischend und lustig, auch wenn manche Menschen seinen Humor als Gekasper abtun.” Rolf und Ilse Kleine aus Wattenscheid hingegen sind einfach aus Neugier gekommen: „Wir haben ja viel Zeit”, sagt er und schmunzelt. „Und es wird ja jetzt viel über den Dalai Lama geredet im Fernsehen.” Einen der besten Plätze haben sich Nils, Marvin und Florian gesichert: Die drei 15-Jährigen sind kurzerhand auf einen Baum geklettert, um den besten Blick auf den Dalai Lama zu haben. „Das ist ja eine sehr wichtige Persönlichkeit – und das in so einer kleinen Stadt wie Wattenscheid”, sagt Florian. Dafür nehmen die drei sogar einigen Ärger in Kauf: Sie schwänzen nämlich gerade ihren Chemieunterricht. Aber vielleicht drücken die Lehrer ja ein Auge zu. . .