Schwarm soll Scheintod stemmen

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Wattenscheid..  Die Zwischenbilanz am Dienstag: 37 Unterstützer, 1.539,46 Euro – und die Uhr tickt unbarmherzig runter. Knapp acht Tage bleiben Thorsten Schade noch, um „Apparent Death“ den entscheidenden Schritt näher zu kommen. So soll sein Kurzfilm heißen. Ein 15-Minuten-Werk. Genre: Psycho-Thriller.

Die Grundidee: Nach dem Unfalltod der Tochter entwickelt ein Rechtsmediziner aus Verzweiflung kriminelle Energie. Er entwickelt den Plan, eine junge Frau (Mina) zu entführen, die große Ähnlichkeit mit der Verstorbenen hat, und sie als Ersatztochter gefangen zu halten.

Ein Internet-Trailer wirbt bereits für das Filmprojekt (übrigens von und mit Schade in der Essener Rechtsmedizin gedreht), das Drehbuch steht, Drehplätze sind ausgesucht, die Crew ist beinahe beisammen: Mit Peter Espeloer (Tatort Ludwigshafen) oder Bernd Grawert (Thalia Theater, Hamburg) stehen Autor Schade renommierte Schauspielekollegen zur Seite. Ohne Gage, versteht sich. Was fehlt, ist das Geld, um den Stoff umzusetzen. Nicht viel Geld. Mit unter 9000 Euro rechnet der gebürtige Horster, der bei der Finanzierung auf Crowdfunding, also Unterstützung durch einen Schwarm Geldgeber setzt.

Der Countdown läuft auf der Internet-Plattform „Vision Bakery“. Ab 7,77 Euro ist der Einstieg möglich, ab 32,23 Euro gibt es für Finanziers später eine DVD samt Filmplakat, wer 88,80 Euro investiert, ist bei der Premiere sogar backstage dabei, ab 389,90 Euro ist eine Statisten-Rolle zu haben. Auch Unternehmen können als Sponsoren auftreten und etwa im Vor- und Abspann Erwähnung finden.

Schade, Schauspieler mit Nebenrollen-Erfahrung in TV-Produktionen wie „Balko“, „Unter uns“ oder „Der Schattenmann“ und aktuell Akteur bei Dinner-Theaterproduktionen, wird Regie führen. Mit „Showtime“ hat der 48-Jährige vor einiger Zeit einen ersten Kurzfilm vorgelegt, der bei der Kurzfilmschau in Münster mit einem Preis bedacht wurde. Auch eine absolute Low-Budget- Produktion: für exakt 3096 Euro.

Schauplatz für den aktuellen Streifen wird auch das Hotel-Restaurant Beckmannshof sein. Nach einer Lesung kehren die Protagonisten dort ein, feiern den Erfolg der Veranstaltung. „Hier wird die Geschichte gesettet, Mina vergiftet“, schildert Schade, der das Lokal an der Berliner Straße übers Tatort-Dinner kennt. „Der Saal ist klasse, mit den runden Tischen lassen sich tolle Kamerafahrten gestalten.“ Chefin Astrid Mucha weiß nicht zum ersten Mal Schauspieler im Haus. „Die Proben fürs Dinner-Theater dauern meist auch eine Woche, bevor es losgeht. Ich genieße dann diese besondere Atmosphäre, das fantastische Flair, wenn so viel los ist, weil die Akteure vor Ort sind.“

Nun muss nur noch der Schwarm mitziehen und „Apparent Death“, also „Scheintod“ finanzieren. Worauf es dann ankommt, damit die Produktion gelingt? Klar, Schauspieler, Kameramann, Licht, Regie. Aber entscheidend, um die Leute bei Laune zu halten, lacht Schade, „wird ein gutes Catering“.