Schüler führen ,Überraschung’ auf

Seyed Roueyn Ismaili und Yvonne Ritscher wollen wissen, was „Glück“ bedeutet.Foto:INGO OTTO
Seyed Roueyn Ismaili und Yvonne Ritscher wollen wissen, was „Glück“ bedeutet.Foto:INGO OTTO
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Theaterprojekt hofft auf weitere jugendliche Mitstreiter. X-Vision und eSw Hagen kooperieren. Nächster Schritt soll Schauspiel, Theater und Musik verbinden

Einen Vorhang brauchten Yvonne (14) und Roueyn (15) nicht. Ihr Theaterstück „Überraschung“ startete am Sonntagnachmittag ohne großes Aufsehen in der Aula der Musikschule Wattenscheid. Die Aufmerksamkeit der knapp 20 Besucher konzentrierte sich dabei auch auf Videoaufnahmen, die über eine Leinwand eingespielt wurden. Ziel war und ist es, weitere Jugendliche für ein kommendes (Musik-)Theaterprojekt zu gewinnen. Konzeption und Inszenierung des Stücks stammen von Theaterpädagogin Günfer Cölgecen: „Die Jugendlichen haben allerdings die Inhalte geprägt. Sie sind in alle Entscheidungen mit einbezogen und in größtem Maße selbstständig.“

Das ist der Anspruch des Modellprojektes „Auf Augenhöhe“ der eSw (ev. Schüler/innenarbeit in Westfalen) Hagen. Cölgecen stellte den Teilnehmern zunächst einige Fragen, u.a. was „Glück“ für sie bedeute. „Zunehmend haben die beiden dann eigene Ansätze gefunden und mitbestimmt, welche Fragen und Antworten es letztlich in die Aufführung schafften.“ Waren sie anfangs „noch recht unbedarft“, seien sie mit der Zeit vertrauter mit der Materie geworden. Dabei halfen Übungen zur Wahrnehmung von Stimme und Körper sowie Improvisationen. Die Inszenierung wurde in zwei Proben festgelegt und 2014 erstmals in der Jugendbildungsstätte Berchum präsentiert.

Verstärkung zum Thema Identität

Die Höntroperin Yvonne und der Wattenscheider Roueyn, der erst vor zwei Jahren von Afghanistan nach Deutschland einwanderte, brachten das Stück in ihre Heimat. Große Schilder stellten essenzielle Fragen, die Antworten der Darsteller kamen erneut per Videobotschaft. So erzählte Yvonne, dass für sie die beste Freundin zur Familie gehöre. Roueyns Antwort auf die Frage, was er liebe, ist zunächst naheliegend: „Meine Eltern, Familie und Freunde.“ Gemäß dem Theatertitel überraschte er mit der Ergänzung: „Meine Lehrer und die Schule.“ Streitgespräche zwischen den beiden Schülern der Realschule Höntrop waren ebenso Bestandteil wie die Beschäftigung mit familiären und zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch der Zukunft stellten sie sich, sinnierten über ihr Leben in 20 Jahren.

Interessierte Jugendliche können sich noch melden

Möglicherweise hat die Aufführung darauf entscheidenden Einfluss. Beatrice Röglin, Co-Leiterin des Jugendprojekts X-Vision, benennt die Pläne: „Wir beginnen nun die Kooperation, um eine Art Musiktheater zum Thema ‚Identität‘ auf die Beine zu stellen. Dafür benötigen wir noch Verstärkung.“ Wie genau das nächste Stück aussehen wird, entscheiden erneut die Teilnehmer: „Die bisherigen Ergebnisse können als Grundlage dienen, oder sie konzipieren etwas komplett anderes“, lässt Cölgecen alle Möglichkeiten offen. Sicher ist: Die Erstaufführung wird im Oktober im Kultopia (Hagen) sein.