Schüler blicken hinter Kino-Kulissen

Günther Kinstler (l.) moderierte die Veranstaltung im Märkischen Kino. Darsteller Neil Malik Abdullah (r.) sprach mit den Schülern in der Stadthalle Wattenscheid u.a. über die Dreharbeiten zum Film „Kaddisch für einen Freund“
Günther Kinstler (l.) moderierte die Veranstaltung im Märkischen Kino. Darsteller Neil Malik Abdullah (r.) sprach mit den Schülern in der Stadthalle Wattenscheid u.a. über die Dreharbeiten zum Film „Kaddisch für einen Freund“
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Darsteller Neil Malik Abdullah (37) besuchte Märkisches Kino in Wattenscheid, um im Rahmen der SchulKinoWochen NRW über „Kaddisch für einen Freund“ und die Filmindustrie zu diskutieren.

Wattenscheid..  Wie begeistert man Jugendliche für eine sensible Thematik und schult gleichzeitig (Medien-)Kompetenzen? Jahr für Jahr stellt sich das Märkische Kino dieser Aufgabe und nimmt an den landesweiten Schulkino-Wochen NRW teil. Neben Vor- und Nachbesprechungen im Klassenverband, begleiten Medienpädagogen und Filmschaffende die Veranstaltungen des Gymnasiums und suchen den Dialog mit Kindern und Jugendlichen.

Heute flimmerte „Kaddisch für einen Freund“ über die Leinwand. Christian Gode (38), Leiter der Kino-AG und Lehrer, durfte sich über besonderen Besuch in der Stadthalle freuen: Der Schauspieler Neil Malik Abdullah (37), der im preisgekrönten Film die Nebenrolle des Walid spielt, war persönlich zum Gespräch vor Ort.

„Regisseure sind wie Lehrer“

Abdullah eröffnete den Schüler einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäftes: „Von der Idee bis zum ersten Drehtag des Films sind fünf Jahre vergangen. Regisseur Leo Khasin musste das nötige Geld aufbringen, casten und das Drehbuch immer wieder überarbeiten“, berichtet er über Hürden. Anklang fand Abdullahs treffender Vergleich: „Regisseure sind am Set wie Lehrer. Je mehr Freiheit sie uns Schauspielern geben, umso mehr können wir uns entfalten.“ Kein Einspruch.

Zudem versuchte er durch direkte Fragen, die Schüler einzubeziehen: „Was glaubt ihr, wie viele Drehtage man hat?“ Die Schätzungen variierten stark, die Überraschung war spürbar, als er auflöste: „Heutzutage bleiben einem meist nur 20, jeder einzelne davon kostet zwischen 20 000 und 40 000 Euro.“

Das sei u.a. einem 30- bis 100-köpfigem Team am Set geschuldet, ergänzt Günther Kinstler. Der 57-jährige Medienreferent moderierte die gestrige Vorführung. „Es ist nie einfach, die Schüler zu begeistern, da es nicht nach einem bestimmten Schema läuft. Manchmal trifft man den richtigen Punkt, heute verlief es etwas schleppender.“

Eine Ansicht, die auch Abdullah teilt: „Es hat mit dem Ort der Rezeption zu tun. Die Schüler hier waren teils auf dem Sprung in den Unterricht. Ebenso kommt es darauf an, wie hoch der Migrationsanteil der Stadt ist, in der man die Problematik des Films anspricht.“

Filmproblematik auf Alltag übertragen

„Kaddisch“ behandelt die Freundschaft eines jungen Palästinensers und eines alten russischen Juden. Keine leichte Kost, die dennoch ankommt, ist sich Abdullah - geboren in Österreich, aufgewachsen in Deutschland mit arabisch-türkischen und griechischen Wurzeln – sicher: „Die Wirkung entfaltet sich häufig im Nachhinein. Mit 14, 15 Jahren möchte man erstmal ‚cool’ wirken und hat Hemmungen, sich an der Diskussion zu beteiligen.“ Daher übertrug er die Geschichte auf den Alltag der Schüler: „Habt ihr Freunde anderer Nationalitäten oder Glaubensrichtungen? Ist das manchmal problematisch oder für euch ganz normal?“, fragte er in die Runde. Einstimmiges Votum des Publikums per Handzeichen: völlig normal.

Gode, der nach der Pensionierung von Kinogründer Manfred Gersemann 2014 erstmals allein in der Verantwortung steht, bestätigte: „Der heutige Film oder auch ‚Das weiße Band’ entwickeln eine Nachhaltigkeit, die ich im Unterricht zu meiner Freude häufig erlebe. Schüler ziehen ein Jahr später Rückschlüsse auf gesehene Filme und vergleichen z.B. pädagogische Ansätze mit deren Inhalten.“