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Eppendorfer Drachentanz

„Schneeflocke“ tanzt in der Hitze

19.08.2012 | 18:55 Uhr
„Schneeflocke“ tanzt in der Hitze
Ein oktopusartiges Exemplar gestern auf dem Eppendorfer Drachentanz.Foto: Ingo Otto

  Thorpe-Heimatverein feierte 17. Drachentanz. Abends voll, tagsüber leer.

Sonntagmittag – bei 37 Grad. Ganz Eppendorf versteckt sich vor dem heißesten Wochenende des Jahres . . . ganz Eppendorf? Nein! Eine von unbeugsamen Drachenfans bevölkerte Wiese an der Engelsburger Straße trotzt der Hitze. Zwei Einleiner und ein grauer Genki-Drachen mit pinken Blumenranken bevölkern den Himmel und lassen den Drachenflugplatz von weither erkennen. Aber die drei laufen auf Autopilot. Ihre Besitzer haben sie an Zeltstangen oder Autos festgemacht und haben selbst Zuflucht im Wohnmobil oder am Bierwagen gesucht.

Der leichte gleichmäßige Wind und die Trockenheit sind für Flachdrachen eigentlich ideal, erkärt Nicole Badenhorst. Sie ist mit Mann und Kind da, alle Mitglieder im Drachenverein „Höhenwahn“, der dem Eppendorfer Heimatverein (EHV) organisatorisch unter die Arme greift. „Am Samstag war der Wind teilweise ruppig“, sagt Badenhorst. „2011 mussten wir viel rennen, um den Windmangel auszugleichen. Das müssen wir diesmal nicht. Aber zehn Grad kühler wäre schon schön.“ Besucher trauen sich bei knapp 40 Grad im Schatten kaum aufs Drachenfeld, denn: welcher Schatten? Ein Mädchen lässt zwischen den Großen ein kleines Pacman-Gespenst fliegen. Zum Höhepunkt am Samstagabend sei es voll gewesen, berichtet Jochen Fuhrmann-Randau vom EHV. Er ist seit Donnerstag im Einsatz. „Ab 17 Uhr haben sich die ersten Leute rausgetraut. Zum Nachtfliegen und Feuerwerk waren dann alle Bierbänke voll: 300 bis 400 Leute“, schätzt Fuhrmann-Randau, „und alles voller Schnüre. Aber man hat gemerkt, dass die Drachenbesitzer durch das In-der-Hitze-Stehen ausgepowert waren.“

Riesendrachen blieben drin

Die richtig großen Exemplare, etwa der sieben Meter große Shrek, würden heuer verpackt bleiben, sagt Nicole Badenhorst. Ihr Vereinskollege habe 200 Arbeitsstunden in den grünen Oger gesteckt: „Ein Shrek-Stofftier auseinander trennen, die Stücke vergrößert in Nylontuch nachschneiden, zusammennähen, Leinen anbringen.“

Ausgepackt werden dagegen die mittelgroßen Facettendrachen. Etwa eine rot-gelb-weiße Blumenform, die Achim Weisenburger an der kurzen Leine steigen lässt. Die Blume mit gut einem Meter Durchmesser, die man nicht gegen den Wind hält, sondern wie ein Bootssegel auf den Wind setzt, strauchelt etwas – zu wenig Wind.

Eppendorfer Heimatverein
Eppendorfer Heimatverein: nächste Aktionen

Am 1. September findet rund ums Heimatmuseum, Engelsburger Straße 9, wieder das traditionelle Ernte- und Schlachtfest statt.

Im Oktober wird in der Scheune „Das Miststück. Ein ländliches Lustspiel von Arno Boas“ aufgeführt. Termine: 12. und 13., 19. und 20., 26. bis 28. je einmal. Beginn freitags um 20, samstags um 19 und sonntags um 17 Uhr.

Weisenburger zeigt ein ähnliches Modell in Weiß: die „Schneeflocke“. Er ist 1992 durch seinen Sohn und einen Plastikdrachen zu seinem Hobby gekommen. Bald wurde alles selber gebaut, „weil die Selbstgebauten nicht jeder hat.“ Drachen seien für jeden von vier bis 80 Jahren, für Gehörlose, Einhändige, sagt Weisenburger begeistert. „Und wenn man mal mit dem Tüfteln und Fliegen angefangen hat, ist es wie ‘ne Sucht.“

Fabian May


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