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Schmackhaft und tödlich

17.08.2012 | 18:10 Uhr
Schmackhaft und tödlich
Foto: Gero Helm

Wattenscheid. Wenn Edith Witte und Roman Weller vorfahren, freuen sich ihre Kunden – einerseits. Andererseits möchten die beiden doch bitte so diskret wie möglich vorgehen. Die Schädlingsbekämpfer wandeln in der Gefühlswelt ihrer Kunden zwischen Scham und Dankbarkeit. Dabei ist Peinlichkeit fehl am Platz: „Ratten können überall vorkommen, in Privathaushalten genauso wie in der Gastronomie. Da muss nur ein Kellerfenster offenstehen, schon ist es passiert“, schildert Edith Witte.

Die Schädlingsbekämpferin aus Eppendorf hat sich vor 24 Jahren für einen Job entschieden, den man Frauen nicht auf den ersten Blick zutraut. „Alles Klischee“, sagt jedoch die 57-Jährige, „Männer finden Ratten oftmals genauso ekelig wie Frauen und schreien los.“ Witte kennt solche Berührungsängste nicht. Ihre Selbstständigkeit begann mit einem Wespennest im eigenen Garten. „Wir haben es ausgegraben und woanders wieder ausgesetzt. Das war damals noch ein einzigartiges Verfahren. Irgendwann haben wir auf Mäuse und Ratten erweitert“, erinnert sie sich an die Anfangszeit. Das war auch gut so, denn vor allem Ratten sind zum großen Thema geworden. „Ich will jetzt nicht sagen, dass es in Wattenscheid ein gravierendes Problem gibt“, meint Witte. Aber die Aufträge sind doch zahlreich.

So wie an diesem Morgen an der Lohackerstraße: Edith Witte rückt samt Mitarbeiter Roman Weller aus, Bewohner eines Zwölf-Parteien-Hauses meldeten bereits vor vier Wochen einen Rattenbefall. „Zugewachsene Hecken am Hauseingang, Müll im Nachbargarten, ideale Bedingungen für Ratten“, so die Bestandsaufnahme. Die Schädlingsbekämpfer stellten „Nagersicherheitsboxen“ – die für Kinder und Haustiere unzugänglich sind – mit Ködern auf. Jetzt wird geprüft, wie viele Ratten sich daran zu schaffen gemacht haben. „Mittlerer Befall“, sieht Weller anhand der Köder-Reste.

Der Getreide-Gift-Mix in der Vorrichtung ist halb aufgebraucht, die Kammerjäger tauschen das, was noch da ist, gegen eine neue Sorte aus. „Schließlich dürfen keine Resistenzen entstehen“, erklärt die Chefin. Das Vorgehen will generell wohl überlegt sein, denn auch die Nager sind nicht dumm: „Das Tier stirbt nicht sofort, sondern kann die Box zunächst wieder verlassen, damit auch andere Rudel-Mitglieder noch an den Köder gehen. Außerdem darf die Vorrichtung nicht versetzt werden, Ratten sind äußerst misstrauisch“, betonen die Experten. Und auch der Geschmack muss stimmen. Mäuse stehen eher auf Schokoladenaromen, Ratten sind heiß auf Vanille.

Normalerweise schließt sich für Edith Witte im Sommer der Kreis, doch aufgrund des bislang schlechten Wetters sind Wespennester zur eigentlichen Hochsaison eher Mangelware. Schaben gibt es dagegen reichlich, auch die gehören zu ihren Klienten. „Ich kann mich an einen Vorfall in einem Düsseldorfer Schwimmbad erinnern. Nur wenige wurden gemeldet, am Ende war das ganze Becken voll.“

Höhepunkte aus dem Leben der Schädlingsbekämpfer.

Christopher Becker



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