Schauspieler zum Anfassen
22.01.2010 | 17:07 Uhr 2010-01-22T17:07:00+0100
Wattenscheid. Mächtig stolz ist das Märkische Schulkino darauf, mehrere Filme im Rahmen der Schulkinowochen NRW zeigen zu können. Zum Auftakt flimmerte am Freitag „Das weiße Band” über die Leinwand in der Stadthalle.
Und als Sahnehäubchen konnten die Kino-Macher den Hauptdarsteller präsentieren: Christian Friedel stand den Schülern nach der Vorführung Rede und Antwort.
Was die Jugendlichen ziemlich beeindruckte: Der Schauspieler präsentierte sich locker, bodenständig, als Typ zum Anfassen. Dies war zugleich die erste große Filmrolle für den 30-Jährigen, der sonst auf der Theaterbühne steht. Extra aus Dresden war er nach Wattenscheid gereist, um direkt mit den Oberstufenschülern diskutieren zu können. Und die Jugendlichen hatten mehrere Fragen auf dem Herzen, schließlich ist der Arthouse-Film eine echte Herausforderung für diese Altersgruppe: zweieinhalb Stunden lang, Schwarzweiß, und er endet ohne Auflösung.
Zwar wurde in Farbe gedreht, doch Regisseur Michael Haneke habe sich von vornherein für die Schwarzweiß-Fassung entschieden, um Thema und historischen Kontext besser herüberzubringen, wie Christian Friedel erläuterte. Der Film, angelegt wie ein Krimi, liefere am Ende keine Auflösung, um dem Zuschauer Spielraum für eigene Deutungen zu geben. „Er will am Schluss eher Fragen stellen als Antworten geben.”
Es geht um die spannend-unheimliche Geschichte eines deutschen Dorfes am Vorabend des Ersten Weltkriegs, Menschen werden ermordet oder verschwinden. Drei europäische Filmpreise, die Goldene Palme von Cannes und den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film hat „Das weiße Band” gewonnen. Der 14 Mio Euro teure Streifen rangiert in den Top 10 der Arthouse-Filme und hatte seit Oktober schon 400 000 Besucher. „Ein großer Erfolg”, so Schulkino-Leiter Manfred Gersemann (61), der das Kino der Märkischen Schule seit 1992 leitet.
Info: www.filmundschule.nrw.de
0mitdiskutieren