Respekt ist generell hoch
13.10.2010 | 17:02 Uhr 2010-10-13T17:02:00+0200
Wattenscheid. Straftaten gegen Amtsträger betreffen nicht nur die Polizei, sondern auch Feuerwehr und Rettungskräfte.
„Uns erreichen im Innenausschuss Berichte darüber, dass Rettungskräfte daran gehindert werden, ihre Einsätze zu fahren und deshalb mitunter die Polizei zu Hilfe rufen müssen“, erklärt der Wattenscheider SPD-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel.
Der SPD-Politiker führt solche Vorkommnisse auf eine zunehmende Sensationsgier in unserer Gesellschaft zurück: „Gaffer begreifen es als Event, wenn es irgendwo brennt und zeigen kein Verständnis dafür, wenn sie nicht dabei sein dürfen.“ Der stellvertretende Amtsleiter der Berufsfeuerwehr, Gottfried Wingler-Scholz, hat solche krassen Situationen noch nicht erlebt. „An Einsatzstellen mit Brandszenarien passiert sowas weniger“, erklärt er auf WAZ-Anfrage. „Was wir schon haben: Im Rettungsdienst finden manchmal Angriffe statt.“
Bei den Tätern handle es sich meist um „Alkoholisierte, die nicht einsehen wollen, dass sie in die Klinik müssen“. Da müsse man oft die Polizei zu Hilfe rufen. Mit Gaffern hingegen gebe es keine größeren Probleme. Wingler-Scholz: „Wenn man mit denen vernünftig redet, gehen die auch weg.“ Allerdings gebe es immer mehr Schaulustige: „Heute hat jeder ein Handy, ist motorisiert, findet per Navi schnell zum Brandort.“
Auch Thorsten Junker vom Roten Kreuz in Wattenscheid kennt Probleme mit Alkoholisierten – vor allem bei Großveranstaltungen wie Karneval: „Da werden unsere Helfer öfter angemacht, und meist ist Alkohol im Spiel. Alkohol und Gruppendynamik – das ist das Schlimmste, was uns da passiert.“ Da werde dann beispielsweise der Rettungswagen durchgeschüttelt oder durchs Fenster gegafft.
Auch dass Gaffer Rettungskräften auf die Pelle rücken hat Junker schon erlebt: „Da bin ich mir aber nicht sicher, ob denen überhaupt bewusst ist, dass sie stören.“ Im Tagesgeschäft hingegen hätten die Einsatzkräfte kaum Probleme: „Da sind die Leute in der Regel froh und dankbar, wenn ihnen jemand hilft.“ Der Respekt gegenüber den Rettungskräften sei generell hoch, freut sich Junker: „Den Leuten ist bewusst: Da kommen Fachleute, die sich kümmern – denn der Normalbürger kann das im Regelfall leider nicht.“
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