Psychiatrie ohne Angsträume
07.02.2012 | 17:42 Uhr 2012-02-07T17:42:00+0100
Wattenscheid.Die Flure sind hell, freundlich. Durch zahlreiche Fenster dringt das Sonnenlicht ein und lässt die frisch gestrichenen Wände erstrahlen. Nicht anders die Atmosphäre in den neuen Zimmern: Mit Liebe zum Detail eingerichtet, erzeugen die Räume ein Gefühl von Wärme und Gemütlichkeit. Doch dort einziehen kann und will nicht jeder. Das Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) feiert heute die Eröffnung des Neubaus der Abteilung für Psychiatrie an der Voedestraße.
Rund ein Jahr lang wurde gebaggert und gearbeitet, jetzt ist der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Für Chefarzt Dr. Jürgen Höffler und seine Kollegen ein großer Schritt in die Zukunft: „Die räumlichen Gegebenheiten haben in der Psychiatrie eine wichtige therapeutische Funktion. Es geht um mehr als nur eine komfortable Unterbringung der Patienten. Die psychiatrische Station ist dabei wie der OP der gesamten Einrichtung“, schildert der Experte.
Damit meint Dr. Höffler vor allem, das Zusammenspiel zwischen einer offenen Station und einer Fürsorgepflicht zu perfektionieren. „Keiner soll das Gefühl haben, eingesperrt zu sein. Aber wir haben auch Patienten mit einer dementiellen Erkrankung. Das gilt es zu bündeln, die bauliche Umsetzung ist in der Hinsicht exzellent gelungen.“
Die Vorstellungen der Ärzte flossen von Anfang an in die Planungen mit ein, für die Realisierung des Projekts waren die Architekten Ulrich Krampe und Jürgen Schmidt zuständig. „Ziel ist es gewesen, ein einfaches, stabiles Haus zu bauen, das sich förderlich auf die Heilung auswirkt. Ohne Ecken und Kanten, die wiederum Platz für Angsträume geschaffen hätten“, erklärt Krampe. Zu diesem wohn-freundlichen Gesamtkonzept gehört daher auch ein Innenhof, der begrünt im Sommer frei zugänglich sein wird. „Fast italienisch anmutend“, formuliert es der Architekt.
Doch nicht nur der zentrale Platz des Atriumhauses soll die Chance bieten, dem Alltag eine entspannende Note zuzuführen. Wohlfühlbäder gehören genauso zur Einrichtung wie eine Zimmerkonzeption, die Platz für Privatsphäre lässt, aber gleichzeitig zur Kommunikation einlädt.
Jene Kombination sei genau das, was das neue Haus in seiner Gesamtheit ausmache: „Die Umsetzung unserer Therapien kann so wesentlich besser gelingen. Es gibt Räume zum gemeinsamen Kochen und Essen, aber wir haben eben zusätzlich noch separate Therapieräume und Rückzugsmöglichkeiten“, führt Dr. Höffler aus.
Eng, ungemütlich und zweckgebunden war das alte Schwesternwohnheim im Gegensatz dazu. Seit 1982 diente es als Abteilung für die Behandlung psychisch Kranker. Der eigentliche Umzug erfolgt nach der heutigen Feierstunde am kommenden Dienstag, eine gerontopsychiatrische Station sowie zwei Stationen der Allgemeinpsychiatrie sind dann im Neubau untergebracht. Von insgesamt rund 100 Patienten in psychiatrischer Behandlung im MLK sind es jeweils 40 Personen, die von der neuen Einrichtung profitieren und dort zwischenzeitlich leben können.
Die Kosten von etwas über 4,3 Millionen Euro für den dreigeschossigen Bau mit 2800 Quadratmetern Nutzfläche musste das MLK nahezu allein tragen. Daher lässt der folgende, zweite Bauabschnitt noch auf sich warten und soll im nächsten Jahr beginnen. Die in Kürze leerstehenden Räume im Schwesternhaus werden laut Auskunft von Geschäftsführer Dietmar Ewerling durch weitere Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten aus der Hellwegstadt weiter genutzt.
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