Patinnen geben Familien Halt

Durchschnittlich sechs Monate greift Familienpatin Jihan Khodr den Familien strukturell unter die Arme.
Durchschnittlich sechs Monate greift Familienpatin Jihan Khodr den Familien strukturell unter die Arme.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv

Wattenscheid..  Jungen Familien lebenspraktische Unterstützung bei der Versorgung eines Kleinkindes geben, Alltagsfähigkeiten mobilisieren und trainieren, auf Beratungs- und Bildungsangebote hinweisen: Darum drehte sich das Projekt „Familienpatinnen“ in den vergangenen zwei Jahren, so soll es auch zukünftig weitergehen.

Dafür sorgt finanziell die „BKK vor Ort“. Verantwortlicher Träger war bis Ende 2014 der Progressive Eltern- und Erzieherverband (PEV), der mit fachlicher Begleitung des Sozialen Dienstes der Stadt Bochum, des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) Wattenscheid und in Kooperation mit dem Gesundheitsamt (Familienhebamme im Bezirk Wattenscheid) ein gemeinsames Konzept zur Begleitung und Beratung von Eltern und ihren Neugeborenen und Kindern entwickelte. Die Notwendigkeit hatte seinerzeit die Sozialraumkonferenz erkannt, mit dem Auslaufen des dazugehörigen Netzwerks „Hat Watt“ übernahm der SKFM Anfang des Jahres die Betreuung der Familienpatinnen. Die Krankenkasse schließt die Finanzierungslücke von rund 6000 Euro für 2015.

6000 Euro für 2015

Gefördert wird das Projekt aus Mitteln der „BKK vor Ort“, die ausschließlich für Prävention in so genannten Lebenswelten vorgesehen sind. „Leider fehlen oft die Mittel, sinnvolle und wirksame Projekte nachhaltig zu finanzieren. Die Familienpatinnen leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung in den Familien. Es geht um Ernährung, Hygiene, Überforderungsprophylaxe und Vorsorge, aber auch um Suchtprävention“, betont Michael Mehlkopf, der den Bochumer Kundenservice der Kasse leitet.

Über die Schwangerenberatung im SKFM finden schwangere Frauen und ihre Familien Zugang zu diesem Hilfsangebot. „Unsere Beratungsstelle bemüht sich, möglichst passgenaue flankierende Unterstützung anzubieten, dazu gehören etwa auch ein Second-Hand-Laden oder die Geburtsvorbereitung für schwangere Jugendliche“, schildert Beraterin Petra Keuthage, die für die Familienpatinnen auch die Erstgespräche führt.

Jihan Khodr ist dann für die praktische Umsetzung zuständig, geht in die Familien. Eine „Zielgruppe“ lasse sich dabei nur schwer definieren, von sozial schwachen bis zu Akademikerfamilien benötigen viele junge Väter und Mütter Hilfe. Menschen, die bislang nur das Nachtleben kannten, müssen auf einmal einen Haushalt führen, müssen von Fast-Food auf gesunde Ernährung umstellen, Beruf und Kind in Einklang bringen, sich aus einer sozialen Isolation befreien. Durchschnittlich sechs Monate greift Khodr den Familien dabei unter die Arme. „Die Personen verlieren die Übersicht und damit auch den Blick für die Gesundheit des Kindes. Da gilt es, anzusetzen“, berichtet die Pädagogin aus dem Alltag.

Bis Ende des Jahres kann sie ihre Arbeit nun in Ruhe fortsetzen. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest. „Wir wollen versuchen, die Finanzierung des Projektes nachhaltig für die kommenden Jahre zu sichern. Deshalb haben wir die anderen Bochumer Krankenkassen eingeladen, sich zu beteiligen“, sagt Mehlkopf.