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Jugendarbeit

NPD-Mann trainierte Mini-Kicker in Wattenscheid

01.09.2010 | 15:32 Uhr
NPD-Mann trainierte Mini-Kicker in Wattenscheid
Die Jugendarbeit genießt bei der 800 Mitglieder zählenden DJK Wattenscheid einen hohen Stellenwert. Hier eine Szene von der Vorrunde zur Stadtmeisterschaft: SV Langendreer (grün) gegen DJK Wattenscheid (schwarz-rot) Foto: Karl Gatzmanga / WAZ

Wattenscheid.Die DJK Wattenscheid hat den NPD-Landesvorsitzenden und Bochumer Stadtverordneten Claus Cremer mit der Betreuung seiner Mini-Kicker betraut. Auf öffentlichen Druck wurde Cremer jetzt von seiner Funktion entbunden.

Die DJK Wattenscheid hat den NPD-Landesvorsitzenden und Bochumer Stadtverordneten Claus Cremer mit der Betreuung seiner Mini-Kicker betraut. Dass es dazu kommen konnte, klingt wie eine Geschichte aus dem Tollhaus. Gestützt auf anonyme Hinweise wurde der geschilderte Sachverhalt am Mittwoch publik gemacht. Cremer wurde daraufhin von der Jugendabteilung mit „sofortiger Wirkung“ seiner Funktion enthoben.

Zur Vorgeschichte: Bereits vor drei Monaten wurde die WAZ-Redaktion anonym über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Die Recherchen führten zu einem kommunalpolitisch engagierten Vater, dessen Sohn bei der DJK trainiert, und der die Dinge vereinsintern zur Sprache gebracht hatte. Jener Mann erklärte seinerzeit auf Anfrage, die Dinge seien einvernehmlich beigelegt worden, Claus Cremer fungiere nicht mehr als Betreuer der Mini-Kicker.

Furcht vor Repressalien und Bedrohung der Familie

Aus Furcht vor Repressalien und Bedrohung seiner Familie sowie im Interesse des Ansehens der DJK bat der Bezirkspolitiker, der nach wie vor seinen Namen nicht zitiert wissen will, ihn da heraus zu halten. Im Zuge weiterer Recherchen war niemand bereit, haltbare Stellungnahmen abzugeben oder sich zitieren zu lassen. Allgemeiner Tenor: Die Dinge seien erledigt. Das bestätigte damals auch Ibrahim Kulin, Geschäftsführer der DJK, der kein weiteres Statement abgeben wollte.

Kinder aus zahlreichen Nationen trainieren und spielen bei der DJK. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ

Der bereits erwähnte Bezirkspolitiker, der nun erneut von der Redaktion zum Sachverhalt befragt wurde, fiel aus allen Wolken. Ihm sei völlig schleierhaft und auch nicht bekannt, dass Claus Cremer zwischenzeitlich wieder mit der Betreuung der Mini-Kicker betraut worden sei. Das könne er sich nicht vorstellen. Auch Ibrahim Kulin war völlig konsterniert: „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie der Mann wieder in Funktion kommen konnte. Das ist für uns ein unerträglicher Zustand. Es geht nicht an, dass ein Mensch, der wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilt worden ist, auf unsere Kinder losgelassen wird. Daraus werden wir vereinsintern Konsequenzen ziehen.“

Cremer wurde von seinen Funktionen entbunden

Darauf angesprochen, dass es offensichtlich gravierende Kommunikationsprobleme und Informationsdefizite bei der DJK Wattenscheid gebe, meinte Kulin: „Ich habe die Schnauze voll. Was bei uns geschehen ist, darf einfach nicht passieren. Das schadet dem Ansehen unseres Vereins.“

Maik Posmyk, Leiter und stellvertretender Geschäftsführer der Jugendabteilung der DJK Wattenscheid, bezog wie folgt Stellung zum Sachberhalt: Die Satzung des Vereins verlange ausdrücklich politische Neutralität. Niemand dürfe wegen seiner Parteizugehörigkeit von Ämtern oder Funktionen ausgeschlossen werden. Der 39-jährige Vater von zwei Kindern erklärt: „Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist, dass jemand, der politisch agitiert, für uns nicht tragbar ist. Das hat aber Claus Cremer, der einer demokratisch legitimierten Partei angehört, zu keinem Zeitpunkt getan. Es gab auch keinerlei Verfehlungen oder Diskriminierungen gegenüber Kindern mit Migrationshintergrund. Somit haben wir uns satzungskonform verhalten.“

Die am Mittwoch erfolgte Entbindung des NPD-Landesvorsitzenden von seiner Funktion führt Posmyk auf „öffentlichen Druck“ zurück. Seinerseits gebe es kein Fehlverhalten. Auf dem Jugendtag des Fußballkreises werde er berichten und das weitere Vorgehen abstimmen.

Ferdi Dick

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