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Noch immer gut in Schuss

27.08.2009 | 17:55 Uhr
Noch immer gut in Schuss

Der Bürgerschützenverein 1884 Höntrop feiert am Samstag sein 125-jähriges Bestehen. Zeit für Rückblicke

Als sich 1884 eine Gruppe junger Männer in der Gaststätte Fürstenau traf, um den Bürgerschützenverein Höntrop zu gründen, war noch einiges anders als heute. So gingen die Schützen in den ersten Jahrzehnten statt an den Schießstand in das kleine Waldgebiet Spelbergsbusch, um dort ihre Schießübungen zu machen – und sie mussten sich um neue Mitglieder keine Sorgen machen.

Die Schützenkette gibt es seit 1898. Zu sehen ist hier das Emblem des ersten Königs. Fotos: Karl Gatzmanga

„Dank der tatkräftigen Mitarbeit von Hugo Zissing, Willi Schwartmann, der Gebrüder Brandhoff, Franz Kupitz, Bartolomäus Weyers und anderer mehr, nahm der Verein in den ersten Jahrzehnten einen guten Aufschwung”, heißt es in der Chronik des Bürgerschützenvereins, der am Samstag sein 125-jähriges Bestehen feiert (siehe Kasten) und auf eine bewegte Geschichte zurückblickt.

1899 erstes Schützenfest

Der Verein feierte 1899 sein erstes großes Schützenfest – und nutzte die Gelegenheit, seine ein Jahr zuvor gestiftete Schützenkette feierlich an den neuen König Hugo Zissing zu verleihen. Nach Zissing haben 30 weitere Schützenkönige in Höntrop die Kette getragen. Alle zwei Jahre ist der Regent durch ein großes Schießen neu ermittelt worden. Nur in der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg, wo Schützenvereine verboten wurden und es bis in die 1950er Jahre hinein blieben, gab es kein Schießen.

Jeder König hat sich mit einem Medaillon an der Schützenkette verewigt. Die meisten sind erhalten geblieben. Selbst das Emblem des ersten Königs ist noch zu sehen. Ein Kreuz samt Plakette aus echtem Silber. Die Kette, ein Schmückstück – aber ein schweres. „Wenn man die Kette den ganzen Abend getragen hat, dann merkt man das”, sagt Wilhelm Böhmer, und er muss es wissen. Er hatte die Kette sechs Jahre lang zu allen offiziellen Anlässen des Vereins um. Drei Amtszeiten war er der Schützenkönig der Höntroper – und bislang der letzte. Im Jahr 2001 trat er beim Königsschießen nicht wieder an. „Wir hatten seitdem keinen Schützenkönig”, erklärt Böhmer, der heute der Vorsitzende des BSV ist.

Zu jedem Anlass ein neues Kleid

Die Zeiten wie das Jahr 1923 sind vorbei, als gleich mehrere Königsanwärter verbissen auf den Vogel schossen und tödlich beleidigt waren, als sich am Ende ein weiterer Kandidat einschaltete und den Vogel mit einem Schuss vom Balken holte.

Schützenkönig zu sein, ist vielen einfach zu kostspielig. Das beginnt schon bei der Inthronisierung samt Krönungsball, Frühschoppen und allem, was so dazu gehört. Das nämlich zahlt der König aus eigener Tasche. Ebenso wie die Kleider seiner Königin, von denen sie nach Möglichkeit zu jedem Anlass ein Neues tragen muss.

Derzeit 42 Mitglieder

DIE JUBILÄUMS-FEIER
Im Kolpinghaus Höntrop am Hellweg

Das 125-jährige Bestehen feiert der Bürgerschützenverein Höntrop am Samstag, 29. August, im Kolpinghaus in Höntrop am Hellweg. Der Verein hat rund 200 Gäste eingeladen.

Die Gäste kommen von zehn befreundeten Schützenvereinen aus der Umgebung, von den Sportvereinen in Höntrop, von der Freiwilligen Feuerwehr, vom Hamster-Club sowie von den Gänsereitern in Höntrop und Sevinghausen und von den Kolpingsfamilien aus dem Viertel.

Beginn des Festes wird um 19 Uhr sein. Neben Musik und Tanz erwarten die Gäste eine Tombola und Überraschungsgäste, die für ein wenig Unterhaltung sorgen. Mehr Informationen zum Bürgerschützenverein Höntrop gibt es im Internet unter

www.bsv-hoentrop.npage.de

Dass es keinen König mehr gibt, bedauere man im Verein sehr, erklärt Böhmer. „Die Tradition geht den Bach runter.” Zwar sei das Vereinsleben im Kern immer noch sehr rege. Nahezu alle der 42 Mitglieder des Vereins sind aktive Sportschützen, zwei Mal in der Woche ist an der 1986 in Betrieb genommenen eigenen Schießanlage am Hellweg Training. Aber auf lange Sicht fehlt es an Nachwuchs. Schon jetzt liegt der Altersdurchschnitt der Höntroper Schützen bei 66 Jahren.

Umso wichtiger sei es, große Feste wie das 125-jährige Bestehen zu feiern, findet Böhmer – denn so lange es den Verein gebe, wolle man Traditionen hochhalten.

Julia Seifert

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