Nicht über Abschuss informiert
02.12.2011 | 17:31 Uhr 2011-12-02T17:31:00+0100
Wattenscheid. Sechs Damwild-Tiere sind im Tiergehege im Südpark abgeschossen worden. Dem Verein „Tiergehege Südpark e.V.“ ist, so teilt es Vorstandsmitglied Pfarrer Holger Dirks mit, „durch das Grünflächenamt der Stadt Bochum bestätigt worden, dass vor drei Wochen der Abschuss der Tiere erfolgt ist.“ Er kommentiert: „Der Verein, der sich um die Übernahme des Tiergeheges bemüht, zeigt sich entsetzt über das Vorgehen und die schlechte Kommunikation.“
Das Presseamt der Stadt Bochum bestätigt: „Es sind sechs Tiere abgeschossen worden.“ Sprecherin Tanja Wißing weiter: „Ein Gehege ist ein künstlicher Lebensraum. Der Bestand wächst, weil keine natürlichen Fressfeinde im Gehege sind. Da ist dann der Jäger das Regulativ.“ Die Maßnahme sei mit polizeilicher Genehmigung erfolgt.
Nach Wissen des Vereins „Tiergehege Südpark“ sollen sich jetzt noch ein Hirsch, zwei junge Kühe und drei Kitze im Gelände befinden. „Nach unserer Information haben die Kitze einen Bestandsschutz. Dass die Stadt möglicherweise aus Platzgründen zum gegenwärtigen Zeitpunkt gleich fünf oder sechs der älteren Tiere schießen lässt, finden wir traurig und nicht nachvollziehbar“, so Dirks gegenüber der WAZ. „Noch im Sommer haben einige der Muttertiere Nachwuchs bekommen“, erläutert er.
Der Verein kritisiert aber vor allem die mangelnde Kommunikation in Sachen Abschuss als „schlechten Stil“. Seit geraumer Zeit bemühe sich der Verein um einen Pachtvertrag über das Ziegen- und das Wildgehege – zusammen etwa 9700 qm groß. Der sollte zunächst im August, dann im Herbst zustande kommen und unterzeichnet werden. „Jetzt wird es wohl Februar werden“, meint Vorstandsmitglied Dirks.
Bisher habe man gut mit der Stadt Bochum zusammengearbeitet. „Die Stadt hat uns an vielen Stellen unterstützt“, lobt Dirks. Container als Futter-Depot seien aufgestellt worden. Und meint fast verständnisvoll: „Es kann ja sein, dass die Population in einem Gehege reduziert werden muss. Aber darüber kann man doch vorher sprechen.“ Und: „Eigentlich waren die Verantwortlichen in den Ämtern dem Verein gegenüber immer ausgesprochen zugewandt“, so die Vorstandsvorsitzende Jennyfer Kordak. „Der Abschuss trübt allerdings dieses Bild. Wir können auch das Entsetzen der Anwohner gut nachvollziehen.“
Tatsächlich habe die Stadt bislang noch die uneingeschränkte Verantwortung für die Tiere und das Gelände. Der Verein wisse, dass der künftige Pachtvertrag den Passus beinhalten wird, wonach die „Veränderung der Anzahl der Tiere mit der Verpächterin, also der Stadt Bochum, abzustimmen sein wird.“ Dirks: „Aber umgekehrt müsste dann auch das gleiche gelten.“
Das Thema „Pachtvertrag Tiergehege“ geht jetzt in die parlamentarischen Gremien, zunächst am kommenden Dienstag, 6. Dezember, in die Bezirksvertretung, dann in den Umwelt- und im Januar in den Hauptausschuss. In der Verwaltungsvorlage heißt es: „Aufgrund des bürgerschaftlichen Engagements für den Erhalt der Tiergehege wurde die geplante Schließung zurückgestellt. Für das 1. Halbjahr stellte die Bezirksvertretung aus ihren Mitteln 12 500 Euro als Zuschuss für die Unterhaltungskosten zur Verfügung.“
17:23
Presseamt der Stadt Bochum: „Ein Gehege ist ein künstlicher Lebensraum. Der Bestand wächst, weil keine natürlichen Fressfeinde im Gehege sind. Da ist dann der Jäger das Regulativ.“
Mal überlegen, wer ist denn eigentlich der natürliche Fressfeind von Damwild, abgesehen vom Feinschmecker, der schon am Preiselbeerglas rumschraubt. Antwort (die Wiki hat immer Recht):
Todesursache Nr. 1 des Damwildes ist die Stoßstange, 50% des Bestandes sterben auf Autobahn und Landstraßen. Aber, der rasende Bundesbürger in seinem Vehikel ist, auch wenn er dem Wildverzehr nicht abgeneigt ist, kein natürlicher Fressfeind.
Wildernde Haushunde sollen für 4-11% der Todesursachen verantwortlich sein. Auch die NACHLÄSSIGKEIT der Hundehalter, ihre Hunde im Wald nicht angeleint zu belassen, kann nicht als natürliche Fressfeindregulierung des Bestandes gegolten werden, da die Hunde ihre Beute nur reißen, sie jedoch nicht verzehren.
Der Wolf gilt als der effektivste natürliche Fressfeind des Damwildes. Der Wolf, soso. Dazu passt eine Zeile von Rainald Grebes Lied Brandenburg: "[...]In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben[...]". Was soviel bedeutet wie, die scheuen Wölfe, die Städte meiden und sich weite unbewohnte Gegenden als Revier suchen, kommen langsam von Osteuropa zurück. Wölfe in Bochum? (Solange der VfL zweitklassig ist, kommen nicht einmal Fußballwölfe.) Wölfe scheiden HIER also auch aus.
Weitere natürliche Fressfeinde sind Rotfuchs, Wildschwein, Luchs und der Kolkrabe. Luchse sollen ähnlich effektiv wie der Wolf sein, sind jedoch zu gering verbreitet. Die übrigen genannten Tiere haben keinen wesentlich Einfluss auf den Bestand.
ALSO: Es gibt in Bochum keinen natürlichen Fressfeind für Damwild. Die Tatsache, dass sich das hier abgeschossen Wild in einem Gehege befindet, begründet nicht die Aussage des Presseamtes, damit sei der natürlichen Regulierung durch Fressfeinde die Grundlage der Bestandskontrolle entzogen.Diese Prämisse ist dahingehend falsch, da es, wie ich oben darlegte, in dieser Gegend gar keine natürlichen Fressfeinde gibt, die in ausreichender Weise den Bestand reduzieren könnten. Die letzte Aussage, der Jäger ist das letzte Verbleibende Regulativ ist dagegen wiederrum richtig. Was der Autofahrer nicht frontal erwischt, nimmt sich der Jäger vor Kimme und Korn.
*Halali*
14:08
Solches Tun vor Vertragsabschluss verwundert schon. Stimmt denn die Vertragsgrundlage (z.B. Anzahl der Tiere) noch? So sollte man nicht mit engagierten Bürgern (w/m) umgehen. Fast könnte man meinen, die Stadt will es garnicht!
09:08
Wildbrät zu Weihnachten und Brennholz von den zahlreichen Bäumen die in Bochum merkwürdigerweise immer mehr abgeholzt werden als früher. Na Kamine werden sie wohl alle von den Stadt Oberen in Ihren Häusern haben. Das sind sicher die üppigen Sozialleistungen.
Ja ja so ist das hier . Zum Wohle der kleinen Bürger wird hier nix gemacht, im Gegenteil, Die Gebühren werden erhöht man wird von Großspeditionen terroriessiert die die Stadt in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung ansiedelt und nun die Anwohner Tag und Nacht von 7,5 Tonner bis 40 Tonner LKW aus dem Schlaf gerissen werden.
Nur so mal als Beispiel Tante Otti.
07:09
Das ist ein Skandal, hoffentlich ersticken Frau Scholz und Konsorten an ihrem Weihnachtsbraten. Wenn die Population im Gehege zu groß wird, soll man ganz einfach die medikamentöse Sterilisation einsetzen. Dann gibt es auch keinen Nachwuchs, aber dafür fehlt den armen, armen Bochumern wohl das Geld!!
Apropos, wann wird eigentlich die ,,Fidelbude" gebaut, Herr Townsend??
23:13
Unglaublich sowas! Dann bekommen die Verantwortlichen in den Ämtern wohl zu Weihnachten Wild aus eigener Herstellung!
Und wieder zeigt sich das man mit Wattenscheid alles machen kann. Traurig!