Neue Richtlinien für Erste Hilfe

Christian Lange (l.) und Werner Rautenberg
Christian Lange (l.) und Werner Rautenberg
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wenn es um das Auffrischen der eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse geht, ist zwar vielen bewusst, dass ein Kurs nicht schaden könnte. Bisher dauerte solch ein Kurs 16 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten und erstreckte sich in der Regel über ein ganzes Wochenende. Ab April sieht das anders aus: Dann werden auch in Deutschland die Bestimmungen für die Erste-Hilfe-Ausbildung an europaweite Standards angepasst und die Kurszeiten verkürzt.

„Bislang gab es zwei verschiedene Kursarten: einmal die Lebensrettenden Sofortmaßnahmen, die acht Unterrichtseinheiten umfassten. Solch ein Kurs war notwendig, um einen Pkw-Führerschein machen zu können. Daneben gab es den zweitägigen Erste-Hilfe-Kurs“, berichtet Thorsten Junker, Präsident des DRK-Ortsverbandes. Das ist in Zukunft anders: „Die Erste-Hilfe-Kurse werden auf neun Unterrichtseinheiten reduziert, das heißt der Führerscheinbewerber muss zwar einen etwas längeren Kurs absolvieren, aber für diejenigen, die einen Erste-Hilfe-Schein benötigen, verdichtet sich die Unterrichtszeit enorm.

Kann denn in so verkürzter Zeit immer noch eine fundierte Ausbildung sichergestellt werden? Das DRK-Team ist sich einig: „Ja, das geht.“ „Die Reduktion des zeitlichen Umfangs geht mit einer strukturellen Erneuerung einher. Während bisher sehr viel theoretisches Wissen vermittelt wurde, stehen in Zukunft praktische Übungen im Vordergrund. Die Menschen sollen lernen, was sie im Notfall genau machen müssen und bekommen Gelegenheit, das mehrfach konkret einzuüben. Das ist effektiver als viel theoretischer Input des Kursleitenden, der aus medizinischer Sicher erklärt, warum in einer bestimmten Notfallsituation genau so und nicht anders gehandelt werden muss“, erklärt der Erste-Hilfe-Beauftragte des DRK-Kreisverbandes, Werner Rautenberg.

Für die Teilnehmer sollen die Kurse dadurch angenehmer werden: „Dadurch, dass die Theorie wegfällt, werden die Kurse weniger anstrengend sein. Außerdem ist die Hemmschwelle, einen Kurs einfach so zu belegen, ohne dass man die Bescheinigung konkret braucht, hoffentlich geringer, wenn er nur noch einen Tag dauert“, meint Thorsten Junker. „In erster Linie geht es um die Vermittlung von einfachen Kenntnissen, die im Zweifel aber lebensrettend sein können. Es ist also eine Ausbildung für Laien, von denen niemand erwartet, dass sie im Notfall eine medizinische Versorgung leisten, sondern die den Verletzten nur in der Zeit bis der Notarzt kommt betreuen sollen“, fügt DRK-Pressesprecher Christian Lange hinzu. Bislang hatten die Wattenscheider Ausbilder immer rund 90 Prozent Pflichtteilnehmer in ihren Kursen und nur sehr vereinzelt Teilnehmer, die freiwillig ihre Kenntnisse auffrischen wollten.

Vereinzelt noch 16-stündiger Kurs

Während sich die Kurszeit für den Großteil der Teilnehmer ab April reduziert, gibt es aber vereinzelt immer noch die Anforderung, einen 16-stündigen Kurs zu belegen – z.B. beim Lkw-Führerschein, Übungsleitern in Sportvereinen oder Medizinstudenten. Deshalb hat das DRK auch künftig solche Kurse im Programm: „Zunächst werden wir es so beibehalten, dass wir einmal im Monat einen solchen Kurs anbieten“, sagt Junker.