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Wenn man erblindet, weiß...

Neue Beratungsstelle will konkrete Hilfen vermitteln

13.01.2009 | 11:07 Uhr

„Die Zahl derjenigen, die im Alter erblinden, steigt an”, weiß Walter Menzen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Wattenscheid. Die altersbedingte Makula-Degeneration, auch Altersblindheit genannt, oder Schädigungen der Netzhaut durch Diabetes sind maßgebliche Ursachen.

„Wenn man erblindet, weiß man oft nicht, wie es weitergeht”, sagt Menzen, der selbst bereits als Kind das Augenlicht verlor. Viele Spät-Erblindete würden sich erst einmal verstecken und ihr Leben ein stückweit aufgeben. Hier möchte der Blindenverein entgegenwirken und eröffnet am Dienstag, 20. Januar, eine Beratungsstelle in der Innenstadt.

Zur Eröffnung des Ladenlokals an der Voedestraße 5 hat der Verein eine Hilfsmittelausstellung organisiert. Vorgestellt werden unterschiedliche Hilfsmittel wie spezielle Computer, sprechende Waagen, taktile Uhren oder Geräte zur Farberkennung, „alles, was Blinde und Sehbehinderte brauchen, die ihr Leben möglichst selbstbestimmt leben möchten”, sagt Menzen.

Darum wird es auch in der späteren Arbeit der Beratungsstelle gehen. Betroffenen sollen „Wege aufgezeigt werden, die ihnen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen”, so Menzen. „Da gibt es viele Angebote”, weiß der 69-Jährige.

Rehabilitationslehrer zum Beispiel. Sie helfen den Alltag so zu organisieren, dass er auch ohne oder mit wenig Sehkraft gemeistert werden kann. Dabei sind es vermeintlich einfache Dinge, wie die Waschmaschine bedienen oder Kaffee kochen, die wieder erlernt werden. In der Beratungsstelle können Betroffene Kontakt zu Rehabilitationshelfern in der Umgebung bekommen.

Der Blindenverein vermittelt aber auch in der Kommunikation mit Behörden, etwa wenn es um den Antrag fürs Blindengeld geht, oder darum, welche Rechte der Betroffene als Behinderter hat. „Wir wollen ein Ansprechpartner sein”, sagt Menzen. Übrigens auch für die Angehörigen. Denn für sie ist die Erblindung des Partners oftmals ebenfalls sehr schwer. Wann zum Beispiel braucht ein Blinder Hilfe und wann braucht er sie nicht? Und wie kann man ihm überhupt zu Hand gehen? Fragen auf die die Beratungsstelle vielleicht nicht alle Antworten hat, aber für die sie kompetente Ansprechpartner vermittelt.

Immer dienstags und freitags von 10 bis 12.30 Uhr ist die Beratungsstelle besetzt. Walter Menzen wird einmal im Monat die Beratungsstunden übernehmen. Der Großteil der Beratungszeit wird aber durch Elfi Zirkel, der Vorsitzenden des Blindenvereins und durch Bernhard Schröder abgedeckt. Die beiden haben sich im vergangenen Jahr zu „ehrenamtlichen Beratern” schulen lassen. Finanziert wurden diese Qualifizierungsmaßnahme, die Teil des NRW–Projekts „Wir sehen weiter” ist, vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Am Samstag, 17. Januar, erhalten die beiden Berater ihre Urkunde von Minister Karl-Josef Laumann – und wollen dann endlich mit der Beratungsarbeit beginnen.

In Gelsenkirchen gibt es bereits eine Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte. „Da wird es ganz gut angenommen”, sagt Walter Menzen. Trotzdem ist der Wattenscheider Blindenverein froh, mit der Vermieterin ausgehandelt zu haben, den Pachtvertrag auch kurzfristig kündigen zu können – für den Fall, dass gegen alle Erwartungen doch keiner zur Beratung kommt.

Julia Seifert

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