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Serie: Im Bulli durch...

Natur und Gastfreundschaft

05.11.2010 | 16:36 Uhr
Natur und Gastfreundschaft
Problemlos finden sich Rastplätze.

Wattenscheid. Diesmal fahren Angela Feller und Hermann Hülder mit dem VW Bulli durch Griechenland und Bulgarien.

Endlich sehen wir die Gegend, in der wir in stockschwarzer Nacht angekommen sind, bei Sonnenschein. Mit 35 Grad ist mal Baden und Rumhängen angesagt. Am Abend auf der Terrasse gibt’s wieder Fußball-EM und gutes Essen. Wir werden erst jetzt darauf aufmerksam, dass in Griechenland die Zeit eine Stunde weiter ist. Wir sind nun 2362 km gefahren, müssen wieder nach Norden Richtung Heimat. Athen zu erreichen, bleibt ein Traum. Am Mittag noch kommen wir an die bulgarische Grenze. Zwei Euro für die Fahrt durch den Desinfektionsgraben, zwei Euro Straßenbenutzungsgebühr.

Wir queren die Ausläufer der Rodopen, folgen dem Fluss Struma durchs grüne Tal, sind in der Ebene, die uns auch nach Sofia führen soll. Aus dem Lexikon haben wir gelernt: Bulgaren sagen mit Kopfschütteln ja, verneinen mit zweimaligem Nicken und unterstreichen dieses Nein mit Beugen des Zeigefingers. Der Begriff Balkan rührt von der türkischen Bezeichnung aus der langen Besatzungszeit für das bedeutendste bulgarische Gebirge her, bedeutet bewaldetes Gebirge. Die Bulgaren nennen es Stara Planina, altes Gebirge, hören den Begriff Balkan wegen des negativen Geschmacks im westlichen Sprachgebrauch nicht gern.

Die Straße von Süden bringt uns mitten in die Hauptstadt. Seit byzantinischer Zeit heißt sie Sofia, Weisheit, nach der bedeutendsten Kirche der Stadt. Wieder gibt es keine Wegweiser. Zum Zentrum weist uns eine junge Frau, indem sie auf Französisch (!) unsere Frage erwidert. Umschalten. Es geht doch wirklich immer und so vielfältig mit der Verständigung. Damit wir den Bulli nachher wieder finden, lasse ich mir den Straßennamen dort in kyrillischer Schrift notieren. So bräuchten wir nur fragend schauend den Zettel zu zeigen.

Angela bittet einstweilen den Obstverkäufer am Früchtestand, auf dem ein Fernseher die Fußball-EM überträgt, um Ergebnisse. Wir sind auf dem Riesenboulevard, an dem das älteste Gebäude der Stadt, die Georgsrotunde aus dem vierten Jahrhundert im Hof des Sheraton zu sehen ist. Dort wird der interessierte Tourist gern vom Kellner in den Hof geführt. Die Stadt ist voller Menschen. Im Park finden die Massen zum Korso, dem abendlichen Spaziergang des Südens zum Sehen und Gesehenwerden, zusammen. Eine Seltersbude hat den Schalter auf Bürgersteigniveau und nötigt dem Kunden eine Kniebeuge und damit ganz besonderen Kontakt zum Verkäufer ab. Wir finden lauschige Kneipen mit Terrassen und einer heimeligen Atmosphäre.

Nach ausgiebiger Besichtigung sind wir wieder beim Obsthändler. Er signalisiert uns den Zwischenstand 0:0 des Spiels Deutschland-Holland. Wir wollen noch heute Richtung Serbien fahren und fragen den netten Standinhaber. Der merkt, dass seine Erklärungen nie so recht verstanden würden, übergibt den Stand an seinen Kumpel und deutet uns, ihm im Auto zu folgen. Endlich an der Ausfallstraße gen Norden die Geradeausfahr-Geste unseres Piloten.

Wir sind auf dem Weg, es wird bald dunkel. Es sollte sich ein Platz für die Nacht finden lassen. An einer nagelneuen Tankstelle fahren wir vor. Der Tankwart tritt heraus. Wir bitten um Erlaubnis, auf dem Gelände im Bulli zu nächtigen. Er antwortet in bestem Englisch: Der Parkplatz ist hinterm Gebäude, dort die Toiletten. Soll ich Sie am Morgen wecken? Himmel, die Freundlichkeiten, die Hilfsbereitschaft, sie nehmen ja kein Ende! Wir bereiten in unserem rollenden Heim alles für die Nacht her. Auf der anderen Straßenseite eine nette Kneipe mit EM-Fußball im Fernseher: Die junge rumänische Bedienung freut sich über die einzigen Gäste, bringt uns gutes bulgarisches Bier und animiert uns auf Englisch zu Pommes und einem späteren Besuch ihrer Heimat, feuert mit uns unsere Elf an.

Hermann Hülder und Angela Feller

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