Name steht für soziales Engagement

Christian Mose (links) und Georg Sokoll montieren die Gedenktafel für Paul Cohn.
Christian Mose (links) und Georg Sokoll montieren die Gedenktafel für Paul Cohn.
Foto: FUNKE Foto Services

Wattenscheid..  Die Sonne scheint aufs Jugendheim, erstmals ist es richtig warm geworden in diesem Jahr. Die neue Gedenktafel, die gerade enthüllt wurde, spiegelt ein wenig. Kinder, die im Hintergrund auf dem Kunstrasen an der Berliner Straße kicken, sind deutlich zu sehen. Doch genau so lässt sich auf der Tafel nicht nur ihr Sinn und Zweck herauslesen, sondern auch bildhaft erkennen: Sie verbindet Vergangenes und Zukünftiges, steht zudem für die interkulturelle und interreligiöse Gemeinschaft innerhalb der SG 09 – ganz im Sinne des Vereinsmitbegründers Paul Cohn, dem von diesem Augenblick an das Jugendheim gewidmet ist.

Nach der Begrüßung zum offiziellen Festakt durch Vereinsvertreterin Allessia Vit oblag es Christian Mose, der per Antrag im Rahmen der bislang letzten Mitgliederversammlung die Umbenennung auf den Weg brachte, Paul Cohns Andenken und seine persönliche Motivation für die Initiative zu erläutern. „Im vergangenen Jahr kam eine Publikation über jüdische Fußballer heraus. Der DFB gedenkt darin einem Spieler meines Vereins. Wir hatten das bis dahin jedoch nicht getan und sollten das, wie ich fand, schnellstens ändern.“ Zu einem Zeitpunkt, als antisemitische Stimmen in Deutschland wieder lauter wurden, schien das Projekt „Paul-Cohn-Haus“ umso sinniger zu werden.

Zu Hause an der Hagenstraße

Mose recherchierte: Cohns Familie sei an der Hagenstraße zu Hause gewesen, Paul machte eine Ausbildung zum Installateur. 1909 gründete er den BV 09 mit, einem Vorläufer der SG 09 Wattenscheid. 1914 begann der Erste Weltkrieg, und damit stand das vorläufige Ende des Fußballers Paul Cohn fest. Hoch dekoriert, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz, kehrte er zurück in die Alte Freiheit. Mose: „Als dann allerdings die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, war es auf einmal egal, wer Paul Cohn war, wie hoch sein Ansehen in der Gesellschaft wirkte.“ Wegen seines jüdischen Glaubens musste er 25 Jahre nach der Vereinsgründung Wattenscheid verlassen, kehrte erst nach dem Krieg und nur kurz zurück. Über seinen weiteren Lebensweg ist wenig bekannt. „Informationen sind leider rar gesät“, wie Mose feststellte.

Ein Zeichen der Erinnerung soll daher nun das „Paul-Cohn-Haus“ sein, Christian Mose wollte unbedingt das Jugendheim in Verbindung mit diesem Namen bringen. „Die Jugendabteilung ist der erfolgreichste Teil dieses Vereins.“ Dies lasse sich unter anderem auch an einigen großen Namen der Fußballszene festmachen, die aus der Wattenscheider Schule stammen – darunter nicht wenige mit Migrationshintergrund.