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Totensonntag

Mysterium nach Noten in der Propstei

08.11.2011 | 17:18 Uhr
Mysterium nach Noten in der Propstei

Wattenscheid.„Der Tod ist kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt.“ So spricht Chorleiterin Gudrun Stumpf über das, was sie mit ihrer Jungen Chorgemeinschaft probt. Die 35 Sänger und Sängerinnen bringen in der Propsteikirche die moderne Totenmesse (1947) von Maurice Duruflé zu Gehör. Von Anfang an war sich der Meisterchor im Klaren darüber, dass ihn dieses technisch anspruchsvolle Stück an seine Grenzen führen würde.

Ich, als beobachtender und hörender Schreiber, habe diese Messe gern gehört. Immer wieder. Es ist Musik, die direkt in den Bauch geht. Schwierig, sie in Worten zu beschreiben. Hier ein Versuch: Es geht ums Mysterium in diesen neun Sätzen und etwa vierzig Minuten, um etwas Großes. Der zugrunde liegende lateinische Liturgietext gibt vor, dass der Tod gemeint ist. Aber das Latein versteht eh fast keiner, und an einigen Momenten sah ich eher das Raumschiff zu Galaxien aufbrechen, die noch nie ein Mensch gesehen hat.

Duruflé gräbt in der Tiefe der Zeit nach einer fremden Welt und hat dabei etwas Altes gefunden. Er hat gregorianische Themen (damals war das noch einstimmiger Männergesang ohne verbindliche Takt-Notation) zu vierstimmigen Fugen verbunden, und darunter die Orgel gelegt, die das Gesungene oft illustriert und die Stimmung verbreitert, bis kein Hörer mehr daran vorbei kommt. Sozusagen eine Gewalt göttlichen Ausmaßes.

Der Organist Heinz-Otto Kuhlemann, der dem Chor das Requiem vorschlug: „Es transportiert einen in eine andere Welt.“ An manchen Stellen widerspricht sein Orgelspiel dem Gesang auch. So berichtet Kuhlemann von rhythmischen Startschwierigkeiten: „Sobald der Chor dabei war, flog ich raus.“ Wild klingt das Gesamtergebnis nicht, sondern tief und kontemplativ.

Solche Klangabenteuer sind es, die Chorleiterin Gudrun Stumpf für sich und ihren Meisterchor sucht. „Die Skepsis der Sänger“ sei technisches Bedenken geschuldet. Frage: „Schaffen wir das?“

Nach Geschichten gefragt, die ihnen das Stück erzählt, sind Sänger und Leiterin noch sehr auf das Stück fixiert, müssen feststellen, dass sie noch stark auf das Technische schauen müssen. Dann, nach einigen Überlegen, sagt Chor-Sprecher Johannes Dries: „Es überkommt einen Wehmut. Das ist wirklich eine Totenmesse“ Gudrun Stumpf meint: „Das Stück führt nicht in eine tiefe Traurigkeit hinein.“ Es mache Hoffnung auf einen neuen Anfang, „vielleicht kann man es unter diesem Gesichtspunkt sehen: Tag des Konzerts ist der 20. November, Volkstrauertag. Mit dem Advent beginnt dann in das neue Kirchenjahr.“

Dieses vielseitig deutbare Stück spricht für sich selbst, sobald es in einen Gehörgang findet. Aber zunächst muss man die Leute in den Konzertraum bekommen. Die Junge Chorgemeinschaft brauchte selbst ein ganzes Jahr, in dem sie sich zögerlich mit der fremden Klangwelt vertraut machte. Nun hat sie Befürchtungen, dass sich zu wenige Leute ins Konzert trauen. Nach mehrfachem Hören dieser Messe und der glaubhaften Versicherung des probenden Chors, 95 Prozent der Musik würden schon sitzen, möchte ich jedem Leser, der sich gern in klanglich Fremdes entführen lässt, dieses Stück anempfehlen.

Das Requiem von Maurice Duruflé wird am Sonntag, 20. November, um 16 Uhr in der Propsteikirche gegeben, gesungen von der Jungen Chorgemeinschaft, an der Orgel begleitet von Heinz-Otto Kuhlemann. Der Eintritt ist frei.

Fabian May

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