Mulch und Gras statt bunter Blumen
22.05.2012 | 18:58 Uhr 2012-05-22T18:58:00+0200
Bis dato hat Wattenscheid die Sparbeschlüsse der Stadt Bochum mehr oder weniger hautnah mitbekommen. Kultur-WG und Bürgerbüro etwa sind nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen. Jetzt aber zeigen sich die Auswirkungen des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) – deutlich und farblos. Die Hochbeete, zum Beispiel vor dem alten Rathaus an der Freiheitsstraße, blühen nicht bunt auf. Statt Stiefmütterchen im Frühjahr oder jetzt zum nahenden Sommer Fuchsien oder Geranien, lugen Sägespäne aus den hochgemauerten Beeten.
„Wechselflor kommt nicht“, bringt es Michael Grothe, stv. Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes Bochum kurz und knapp auf den Punkt. Wechselflor, was nicht mehr und nicht weniger bedeutet als saisonale Bepflanzung, ist zu teuer. „Darauf müssen wir jetzt erst einmal verzichten. Es muss gespart werden“, sagt Grothe im Gespräch mit der WAZ. Vielleicht, so stellt er sehr vorsichtig in Aussicht, könne irgendwann einmal anderweitig bepflanzt werden. Zum Beispiel mit immergrünen Sträuchern. Hier sei aber noch nichts konkret. Doch sei eine dauerhafte Bepflanzung eventuell denkbar.
Jetzt werden die städtischen Beete, ob hoch aufgemauert oder am Boden liegend, mit Rindenmulch, Häckselgut aus Bäumen und Sträuchern, das bei den Arbeiten des Grünflächenamtes an- bzw. abfällt, oder aus ganz feinen Hobelspänen aus Sägewerken abgefüllt.
Auch die großzügigen Bodenbeete im Stadtgarten bleiben unbepflanzt bzw. sind bereits mit Gras eingesät worden. Grothe beschwichtigt: „Wer natürlich die Beete in ihrer ganzen Pracht kennt, wird sie vermissen. Aber wer demnächst nur die Grünflächen vorfindet, entdeckt eine schöne Liegewiese.“ Die Anschaffung der Pflanzen selbst sei nicht das große Problem, erklärt der Fachmann. Vielmehr gehe es hier um das Personal, das die Arbeiten verrichtet: die Anpflanzungen vornimmt, die Beete pflegt.
Es werde, so Grothe, kein Personal entlassen, jedoch Stellen sozialverträglich abgebaut. „Entweder die Leute gehen in den Ruhestand oder wechseln von sich aus die Stelle“, so Grothe. Die somit freigewordenen Arbeitsplätze würden nicht wieder besetzt. Der Amts- und Institutsleiter des Technischen Betriebs, Gerd Werdelmann, sagt, dass bis zum Jahr 2022 um 120 Stellen auf 530 von derzeit 650 gekürzt werden müsse. Der Technische Betrieb führt die Aufgaben, so auch Straßen- und Kanalbau, draußen vor Ort durch. Laut Werdelmannn seien im Bereich „Grün“ die „Standards leichter zu reduzieren.“ Die Stellenstreichungen zögen sich durch alle Bereiche, also von den Führungskräften über die Meister bis hin zu den Arbeitern.
Grothe vom Grünflächenamt nimmt Eppendorf als Beispiel: „Wenn Bürger es gern bunt haben wollen, können sie Beete bepflanzen. Müssen sie aber dann auch pflegen.“ Blumenspenden müsse das Amt ablehnen, „denn das bindet wieder Personal.“
18:48
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08:10
Ich habe selten arrogantere Äußerungen eines städtischen Mitarbeiters gelesen als diese. Hier sollte die WAZ nachhaken, ob in anderen Bochumer Stadtteilen auch so gespart wird und ob das Bochumer Rathaus und dessen Umfeld auch "dran glauben" muss.
Und wer den Sermon glaubt, dass Führungskräfte (=Verwaltungsleute) gehen müssen, der denkt bestimmt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Oder schafft sich Herr Grothe als stellvertretender Amtsleiter auch ab ?
Ach nein, er ist entweder Beamter oder als Angestellter mehr als 15 Jahre bei der Stadt und somit unkündbar...