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Mit dem Bulli durch ganz Europa

Mit neuer Kraft in ein neues Land

29.10.2010 | 14:40 Uhr
Mit neuer Kraft in ein neues Land
Auf einem Campingplatz am Ohrid-See dürfen Hermann Hülder und Angela Feller mit ihrem Bulli Strom aus den Ferienhäusern nutzen. Fotos (3): privat

Wattenscheid. Nun sind wir im Grenzgebirge zu Makedonien und machen eine Pause. Am Hang sind alte Bunker eingegraben, die Berge zeigen Erosionen. Mit neuer Kraft bringt uns unser Bulli in ein neues Land.

In Makedonien sieht man noch oft Männer mit dem traditionellen Fez.

Die Einreise nach Makedonien ist locker. Die Grenzer sind lustig drauf, sprechen Englisch und etwas Deutsch. In Strugar, der ersten Stadt, machen wir einen Bummel, tauschen einige Euros in Dinare um. Wir bekommen Cappucino mit ganz steifer Sahne und beobachten das Treiben der Innenstadt. Hier leben slawische Makedonier und eine große albanische Minderheit, deren Männer häufig den filzenen Fez auf dem Kopf tragen. Nach Unruhen und Vermittlung der EU haben sie es geschafft, über eine neue Verfassung zu einer gerechteren Beteiligung am Geschick des Landes zu kommen.

Wir schlendern durch die Straßen, probieren das auch hier bekannte, an jedem Kiosk angebotene Börek-Gebäck und kommen schließlich zu einem großen Markt. Dafür sind wir immer zu haben. Da ist das Volk. Da ist’s bunt. Ein Mann spricht uns an. Klein ist er wie von hohem Alter. In feinstem Deutsch spricht er: „Verzeihen Sie, ich höre Sie Deutsch sprechen. Darf ich Sie auf eine Tasse Kaffee einladen? So gern würde ich etwas über meine liebe alte zweite Heimat erfahren.“

Zaim Volina aus Radolista nimmt uns mit in ein Straßencafé, wo wir über Politik, die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit in Deutschland, über seinen deutschen Wohnort in Hessen und seiner Arbeit als Monteur im Opelwerk über so viele Jahre, über die Situation seiner albanischen Landsleute im heutigen Makedonien reden und wie sich die Volksgruppen begegnen. Ist das eine Art, in ein Land zu kommen!

Strugar ist die erste Stadt in Makedonien, in der die Reisenden Station machen.

Am Ohrid-See entlang in die Stadt selben Namens. Am Campingplatz laufen die Saisonvorbereitungen. Die Seeseite hat noch keinen Strom, man will uns aber nicht wegschicken. Wir sollen uns vor eines der Ferienhäuser stellen, wo wir Strom entnehmen und das Bad nutzen können. Wir waschen Kleidung und trocknen sie an der Markise in der Sonne, lesen und werden von den Arbeitern eingeladen, mit ihnen das Fußball-Europameisterschafts-Spiel in der Rezeption zu schauen.

Bei einem Spaziergang am Abend am See entlang mutet die Landschaft an wie ein Set aus einem Fantasyfilm, wenn die Heimat der „Guten“ gezeigt wird: Grüne Wiesen und Wälder am Ufer, Schilfinseln im See, die hohen Berge auf der albanischen Seite im Westen und im Süden. Die Stadt Ohrid hat eine geschäftige Fußgängerzone und schöne Häuser – aus Sandstein oder weiß verputzt. Bekannt ist der Schmuck aus Ohrid-Perlen: polierte dicke Schuppen von Fischen aus dem See, die diagonal durchbohrt zu Halsketten, Armbändern und Ohrringen verarbeitet werden und weiß und wie Perlmutt schimmern.

Westfalia Berlin
Bulli baut Brücken

Der Westfalia Berlin von Hermann Hülder und Angela Feller trug seine Besitzer in über 30 europäische Länder. Das Ehepaar, das zum Kreis der Wattenscheider Käferfreunde gehört, erlebte dabei manches Abenteuer mit seinem vierrädrigen Freund. Rund 250 000 Kilometer hat der automatikgetriebene Luftgekühlte bereits auf dem Buckel, doch er läuft und läuft und läuft. . . Im Rahmen einer WAZ-Serie nimmt der Bulli unsere Leser mit auf seine Reisen und lässt seinen Besitzer berichten. Unseren Gastautor Hermann Hülder hat tief beeindruckt, dass sein rüstiger Oldtimer über Sprachgrenzen hinweg Brücken zu Menschen in fremden Ländern gebaut hat.

Wir wollen weiter nach Griechenland und müssen fragen, es gibt keine Schilder. Wir haben keine Griechenlandkarte und bekommen auch keine Gelegenheit, eine zu kaufen. Wir fahren in Richtung Thessaloniki. Es wird dunkel, uns fehlt ein Platz für die Nacht. Auf der Ringstraße schließlich ein Schild mit Camping-Symbol und dem Namen Aigea – aber ohne weitere Angaben. An einer Tankstelle weiß man Bescheid und weist uns mit Gesten und einer Skizze zum Campingplatz. Dabei verwenden die netten Leute gar unsere Schrift.

Wir kommen in völliger Finsternis am Platz an und checken ein. Auf der Restaurantterrasse schauen wir dasEM-Spiel England : Frankreich und unterhalten uns bei kleinen Snacks mit einem Griechen aus Deutschland. Kali nichta!

Hermann Hülder

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2010-10-29 14:40
Wattenscheid