Mit den Augen eines Jägers
31.08.2009 | 17:07 Uhr 2009-08-31T17:07:00+0200
Dem nächtlichen Schattendasein eines Stadtbezirks widmet sich die fünfte Auflage des Wattenscheider Benefiz-Kalenderprojekts.
Manches, was in einer Art Dornröschenschlaf dahin zu dämmern scheint, wurde von Anette Bündgen (42) und Petra Anacker (44) mit den Augen eines Jägers und der Optik ihrer Kameras wach geküsst.
Die Fans des total lokalen Kalenders dürfen sich diesmal auf neue, teils authentische, teils experimentelle Sichtweisen freuen. Der Titel „WATmosphäre” scheint treffend gewählt, auch wenn Collage und Montage in dem ein oder anderen Fall nachhelfen mussten. Die offizielle Präsentation des Kalenders ist im Oktober, vor Beginn der Herbstferien.
Offizielle Präsentation vor den Ferien
Zu den zwölf Motiven, die Anette Bündgen und Petra Anacker diesmal ausgesucht haben, zählt beispielsweise das völlig herunter gekommene Bahnhöflein an der Fritz-Reuter-Straße. Das Gebäude, das tagsüber unübersehbar als Schandfleck wahr genommen wird, mutiert nach Einbruch der Dunkelheit zur „Augenweide”.
Um manchen Ort schleicht man herum
Anette Bündgen erläutert: „Um manchen Ort schleicht man stundenlang herum, weil wir bei jedem Motiv das Ziel verfolgen, Wattenscheid positiv darzustellen. Natürlich wissen die Menschen, die hier leben, um die Schattenseiten ihres Stadtbezirks. Dennoch vertreten sie diesen nach außen mit Leidenschaft als ihre geliebte Heimat. Ein solches Selbstbewusstsein”, finden wir, „muss sich auch in einem Kalenderprojekt wie dem unsrigen widerspiegeln.”
Am ehemaligen Standort der Synagoge
Am 9. November vergangenen Jahres, dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, fing Anette Bündgen das erste Motiv für den Kalender 2010 ein. Am Standort der ehemaligen Synagoge setzte sie das Gedenken an die Opfer der Shoa mit Hilfe von Stadtarchivar Andreas Halwer nach Einbruch der Dunkelheit in Szene. Soviel sei verraten: Das November-Motiv bietet Anschauungsmaterial, wie man ein Mahnmal am Nivellesplatz mit relativ geringem finanziellen Aufwand gestalten könnte.
Mahnmal für Opfer der Shoa liegt auf Eis
Zum Hintergrund: Das von der Antifaschistischen Bewegung angestoßene Vorhaben, mit einer gläsernen Stele an alle ermordeten Wattenscheider Mitbürger jüdischen Glaubens zu erinnern, ist wegen des städtischen Haushaltssicherungskonzeptes vorerst auf Eis gelegt. Diesen Sachverhalt bestätigte die Bezirksverwaltung der WAZ auf Anfrage.
Petra Anacker wartete für ihr erstes Motiv auf Schnee, um den Alten Markt in eine weiße Pracht zu tauchen. Anfang Januar klappte es.
Info/Kontakt: Telefon 82655
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