Mit dem Bulli durch die Toskana

Mit dem Campingbulli durch Europa - hier in der Toskana.
Mit dem Campingbulli durch Europa - hier in der Toskana.
Foto: WAZ

Wattenscheid.. Vom Treffen des Bulli-Clubs in Bad Berka ganz in der Nähe von Weimar mit der dort erstandenen Faksimile-Ausgabe der „Italienischen Reise“von Goethe an Bord geht’s also los nach Süden: In Mittenwald der Gasthof mit der Tafel, die an Goethes Übernachtung dort erinnert.

Die Abfahrt nach Innsbruck : An starkem Gefälle bringen wir den Bulli nur auf den letzten Zentimetern vor der Leitplanke zum Stehen. In der Bremsflüssigkeit sind Luftblasen. Nach Südtirol und dem italienischen Norden steuern wir nun durch offene Landschaft auf Florenz, der Hauptstadt der Toskana, unserem ersten Ziel, zu. Den gesamten Anstieg zum letzen Höhenkamm vor der Stadt über ist die Fahrbahn mit Anfeuerungen auf Teilnehmer des letzten Giro Italia – Radrennens beschrieben.

Bei Dunkelheit, die nun hereinbricht, wollen wir nicht in die Stadt einfahren und bleiben auf einem Parkplatz zwischen Anstieg und Talfahrt für die Nacht stehen. Bald müssen wir das Dach herunterlassen. Es stürmt, es kracht. Ein furchtbares Gewitter nach dem andern bricht über uns herein. Der Bulli wird durchgeschüttelt. Wir stehen ganz eng am stabilen Geländer, das den Rastplatz vom Abgrund trennt. Viel Schlaf bekommen wir nicht.

Der Morgen beschert uns eine Zauberlandschaft im sich lichtenden Nebel. Helles Florenz: aus dem Straßen- und Gassengewirr erhebt sich der riesige weiße Dom. Der Ponte Vecchio, eine bebaute Brücke, lädt mit seinen Läden zum Schlendern und Schauen. Der David von Michelangelo. In Lucca umrunden wir auf dem Wall das römische Amphietheater, dessen Ränge nun mit schönen Häusern bebaut sind. In Pisa ist natürlich der erst kürzlich wohl endgültig gerettete schiefe Turm das Ziel. Abends landen wir in Rada Etrusca auf dem Camping am Strand, den wir in aller Frühe fürs Frühstück ganz für uns allein haben.

Wir fahren durch die Bilder, die wir von der Toskana in unseren Köpfen haben: Sanfte Hügel in Pastelltönen, zwischen denen von Zypressen begleitete Wege zu den Gütern führen. Schließlich kommen wir am lauen Abend ins rot-braune Siena. Wir essen Eis aus der Gelateria der Eltern der Gianna Nanini. Wie schon der Reiseführer anrät, legen wir uns auf das warme blanke Ziegelmuster des riesigen zentralen Platzes, auf dem einmal im Jahr gar ein traditionelles Pferderennen abgehalten wird. Siena ist Genuss.

Wir verlassen die Toskana und lenken den Bulli durch Umbrien mit seinen Vulkanseen und dem Assisi des heiligen Franz ganz bis in den Osten nach Rimini an der Adria an den „Teutonen-Grill“ der 50er und 60er Jahre.

Am Abend beim Eintreffen in der Stadt erhalten wir eine SMS der Tochter zu Hause, die uns erzittern lässt: „Gesteuerter Flugzeugabsturz in New York, Kriegsgefahr“. Beim Check-in auf dem Campingplatz sehen wir auf dem Fernseher immer wieder die Bilder von den stürzenden Türmen des World Trade Centers. Es ist schwer, nach diesem Horror wieder so was wie Lebenslust zu spüren und offen zu sein für die Schönheiten und guten Erlebnisse einer Reise.

An Riminis Stränden paradieren die Liegestuhlreihen in geometrischen Mustern, und es knallen deren Farben in kräftigsten Tönen. Ein Augenschmaus in der Sonne. Wir besuchen die älteste Republik der Welt, das 12 Kilometer im Durchmesser große San Marino auf den Höhen des Berges Titano. Parkplatz Nr. 10 lädt Bulli ein, auch über Nacht für geringe Gebühr zu bleiben. Der Aufzug gegenüber bringt uns in die Hauptstadt auf den Bergzinnen. Wir genießen bei Pizza und sanmarinesischem Rotwein den atemberaubenden Blick über den gesamten Staat.

Letztes großes Ziel der Reise ist Venedig. Wir besteigen nach ausgiebigem Stadtbummel, zig Brückenüberquerungen und Kaffee an der Rialto-Brücke ein Schiff und sehen Murano, die Insel der traditionellen Glasfertigung, steigen in Burano zur Besichtigung der Insel mit ihren bunten Häusern aus, legen am Lido an. Es geht über Stunden wieder zur Piazza de San Marco zurück. Wir haben alles vom Wasser aus gesehen.