Logistik-Standort mit 70 Arbeitsplätzen schließt Ende Juni
10.04.2012 | 17:54 Uhr 2012-04-10T17:54:00+0200
Wattenscheid. Der Radici-Konzern will den Logistik-Standort der Firma Solutions im Sommer schließen. Viele der 70 Mitarbeiter stammen aus der ehemaligen Steilmann-Belegschaft. Der Betriebsrat fürchtet, dass die Vorgänge allein dafür genutzt werden, um den langjährigen Mitarbeitern zu kündigen.
Es klingt paradox: Die Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, um die Aufträge abzuarbeiten. Doch am 30. Juni soll endgültig Schluss sein: Dann will der Radici-Konzern die Firma Solutions Modelogistik GmbH, die erst seit gut zwei Monaten (wieder) in seinem Besitz ist, schließen. Die rund 70 Mitarbeiter sollen die Kündigung erhalten.
Das traditionsreiche Kapitel Steilmann in Wattenscheid – es wäre damit endgültig beendet. Dann würden die letzten „Steilmänner“ gehen. In der Logistikfirma an der Burgstraße arbeiten zahlreiche langjährige Steilmann-Mitarbeiter, die Betriebszugehörigkeit liegt im Durchschnitt bei 25 Jahren.
Ungeklärte Fragen beim Sozialplan
Die Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich stocken, noch gibt es viele ungeklärte Fragen. Fest steht: Betriebsrat, IG Metall und die Beschäftigten wollen das Feld nicht kampflos räumen. Sie sehen die gesamten Vorgänge nur als Schachzug, um auf einfache Weise langjährigen Mitarbeitern zu kündigen. „Logwin als Logistikunternehmen hätte den Beschäftigten vergleichbare Ersatzarbeitsplätze anbieten müssen. Radici als neuer Eigentümer will die Dienstleistung an ein externes Unternehmen auslagern“, so Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Theisen. Die Mitarbeiter hatten jahrelang Kompromisse mitgetragen. Unbezahlte Überstunden und Zugeständnisse beim Weihnachts- und Urlaubsgeld gehörten dazu.
Eva Kerkemeier (IG Metall): „Auf diese Weise will man die Firma schnell und billig abwickeln. Wir werden prüfen, ob es sich hier um einen Betriebsübergang handelt. Dann gelten andere Regelungen hinsichtlich der Übernahme der Arbeitnehmer und ihrer erworbenen Rechte. Die Firmenleitung behauptet, hier sei lediglich ein Austausch unter Anteilseignern erfolgt.“
Erstes Gespräch mit neuer Geschäftsführung lässt Fragen offen
Ein Fachanwalt wurde eingeschaltet, Klagen stehen im Raum.
Es hat ein erstes Gespräch mit der neuen Geschäftsführung stattgefunden. Der Fragenkatalog sei aber nur unzureichend beantwortet worden, die Verhandlungen wurden ergebnislos unterbrochen. Ende des Monats soll es einen neuen Termin geben. „Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Gründe für die Betriebsschließung darzulegen und zu beweisen. Wir werden dies genau überprüfen“, betont Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Theisen. Bisher sei die Informationsbasis weiterhin zu gering. „Es herrscht eine angespannte Stimmung unter den Beschäftigten. Trotzdem wird noch akkurat und 1a gearbeitet.“
Kurzfristig erhielt der Betriebsrat Mitte Februar die Nachricht, dass die Firma nicht mehr zu Logwin gehöre, sondern künftig zu Radici Hometextile und zum 30. Juni geschlossen werden soll. Vermieter der Gebäude an der Burgstraße ist die Steilmann Immobilien GmbH. Das benachbarte IDS-Rohwarenlager von Radici ist bereits nach Bergkamen umgezogen.
Bei der Firma im Gewerbegebiet Wattenscheid-West handelt es sich um den Versand der ehemaligen Firma Steilmann, die 2006 vom Radici-Konzern übernommen wurde. 2008 wurde der Versand outgesourct an die Logwin AG. Hauptauftraggeber blieb der Radici-Konzern.
08:23
Es war von vornherein absehbar, dass die Firma RADICI ausschließlich darauf aus war, den guten Namen und die Marke "Steilmann" zu übernehmen. Die damit verbundenen Menschen waren von Anfang an nur ein Ballast, der konsequent Stück für Stück abgeworfen wurde. Aus Sicht der Bergkamener ist daher die Schließung des Versandes in Wattenscheid nur konsequent. Wenn ich heute Nachrichten über das "Traditionsunternehmen Steilmann" lese, kommt mir die Galle hoch. Hier sonnt sich das Unternehmen Radici im Licht eines Namens, der in Wattenscheid erarbeitet wurde. Verdient ist das nicht.
Die Marke "Steilmann" wurde schon zu Klaus Steilmanns Lebzeiten demontiert. Die Label der ehemaligen Tochterfirmen überstrahlen schon seit Jahren den Namen Steilmann auf dem Markt.
Dass sich nun Radici ein zweites mal nach 2008 von der Logistik trennt, ist sogar teilweise nachvollziehbar. Einzig die unwürdige Art und Weise wie die Betriebsschließung abgewickelt werden soll, ist mehr als strittig.