Lebensmittelretter gesucht

Foto: Haenisch / Funke Foto Services

Wattenscheid..  Jeder Bundesbürger schmeißt jährlich 82 Kilogramm Lebensmittel weg. „Das ist eine ganze Mülltonne voll“, verdeutlicht Gabriele Rebbe vom Weltladen in der Friedenskirche das Problem. Und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass es auch anders geht.

Gegen die Wegwerfgesellschaft

Denn der Trend zur Wegwerfgesellschaft beruht auf Missverständnissen und Unkenntnis: So werde etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) falsch interpretiert. „Das MHD gibt an, wie lange ungeöffnete und richtig gelagerte Produkte ihre Eigenschaften wie Aussehen, Geschmack und Nährstoffe behalten. Lebensmittel, bei denen das MHD überschritten ist, sind aber nicht direkt verdorben, sondern auch danach noch genießbar“, schildert Umweltberaterin Uta Wippermann-Wegener von der Verbraucherzentrale.

Zudem sei das MHD im Handel inzwischen so angegeben, dass Frische suggeriert werde – und der Verbraucher damit getäuscht. „Es geht heute nicht mehr darum, hungrige Menschen satt zu bekommen, sondern satte Menschen hungrig zu halten“, betonen Rebbe und Wippermann-Wegener. Nicht zu verwechseln sei das MHD allerdings mit dem Verbrauchsdatum, das sich auf Produkten wie Eiern, Hackfleisch oder Fisch findet.

Der Weltladen komme ins Spiel über „Ressourcen, die dadurch in den Ländern des Südens vergeudet werden“, sagt Rebbe. „Lebensmittelvernichtung ist auch vergeblicher Einsatz von Landflächen. Ein Problem, das wir in den reichen Ländern zu verantworten haben und worunter die Menschen in den Entwicklungsländern leiden.“

Ein thematischer Abendgottesdienst mit Pfarrer Holger Dirks in der Friedenskirche an der Hochstraße wird daher am kommenden Sonntag, 28. Juni, ab 18 Uhr die Lebensmittelverschwendung inhaltlich aufgreifen. „Wert-Schätzen“ lautet das Motto. Im Anschluss plant der Weltladen dann einen „Talk an der Tonne“. Gudrun Nocke und Dagmar Steinmann stellen die Konzeption des Familienmittagstisches in Günnigfeld vor.

Für den ganzheitlichen Anspruch der Aktion startet der Weltladen damit aber auch eine Art „Foodsharing-Projekt“. Nicht nur am Sonntag können Lebensmittel, deren MHD jetzt etwa ferienbedingt überschritten würde, zu den Öffnungszeiten im Weltladen abgegeben werden. Dort können „Lebensmittelretter“, also alle Interessierten, die Waren dann abholen. Wichtig: Nur Lebensmittel bringen, die zur sachgemäßen Lagerung keine Kühlung benötigen.