Künstleraustausch im Kulturhauptstadtjahr 2015

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Wattenscheid.. Was der Pott mit Pilsen zu tun hat? Nicht viel, mag manch Betrachter zunächst denken – mal abgesehen von der Präferenz der Biersorte vielleicht. Doch verbindet die Regionen mehr: Vor fünf Jahren war das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas, seit Januar darf sich die tschechische Metropole so nennen. Und in diesem Zusammenhang obliegt es dem Eppendorfer Künstler Waldemar Mandzel, eine weitere Beziehung herzustellen.

„Bilder bauen Brücken“ lautet der Titel seiner Ausstellung, die er am kommenden Samstag, 25. April, um 18 Uhr im „CentrumCultur“ der Awo am August-Bebel-Platz 2a eröffnet (Eintritt frei, interessierte Gäste sind herzlich willkommen). Das Besondere: Für gut vier Wochen werden die rund 30 Bilder zunächst in der Hellwegstadt zu sehen sein, im Anschluss dann in Pilsen ausgestellt. Ein tschechischer Künstler wird im Gegenzug in der Alten Freiheit gastieren. Der genaue Termin dafür steht allerdings noch nicht fest, soll aber zeitlich rund um die „Interkulturelle Woche“ liegen.

„Die sozialen Institutionen aus Bochum und Pilsen stehen schon längere Zeit in Kontakt miteinander. Darüber einen Künstleraustausch zu initiieren, hat sich nun angeboten“, schildert Gabriela Osterkamp-Centeno von der Awo, die das Projekt genauso unterstützt wie das Kulturbüro der Stadt Bochum. Schließlich beziehe sich die Kooperation der Verbände nicht nur auf die Arbeit mit Roma oder einen deutsch-tschechischen Jugendaustausch, sondern eben „auch auf eine kulturelle Note“, wie Osterkamp-Centeno weiter ausführt.

Eine Note, die über Waldemar Mandzel weiteren Anklang finden soll. Seine Karikaturen beschäftigen sich mit Europa, und vor allem mit den gemeinsamen Problemen, die derzeit auf der Tagesordnung stehen: So frisst sich die Griechenland-Krise durch europäische Geldsäckel, der hellenische Premier Alexis Tsipras geht gegen das Spardiktat mit dem großen Hammer vor, der Euro zerfällt schlichtweg.

Mandzel greift mit spitzer Feder auf, was inhaltlich abfällt. Dass er hauptsächlich die negativen Seiten der Europäischen Union skizziert, liegt in der Natur des Karikaturisten. Er betont jedoch: „Ich sehe auch lieber die Vorteile der europäischen Einheit. So lange wir in der Union zusammenleben, sind diese Staaten vertraglich miteinander verbunden. Europa ist ein Projekt, das Frieden sichert.“

Doch wer gemeinsame Wege gehen will, sollte sich auch kennen. Daher freut sich Mandzel umso mehr auf die künstlerische Reise in die Kulturhauptstadt Pilsen. „Ich hoffe, ich werde überrascht sein von neuen Ideen, von der Kreativität, die von den tschechischen Organisatoren ausgeht.“ In einer noch jungen Galerie soll Mandzel gastieren, an Sprachbarrieren glaubt er nicht. „Wir werden alles locker angehen, uns mit einem Pilsglas in der Hand zur Not per Zeichensprache verständigen.“ Die Verbindung von Ruhrgebiet und Pilsen über das Bier kennt zweifelsohne also auch der Künstler. „Die tschechische Übersetzung für ,Guten Abend’, ,Auf Wiedersehen’ und ,Prost’ werde ich daher parat haben“, sagt Mandzel mit einem Schmunzeln im Gesicht.