Krepp krönt Karnevalswagen

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid..  Lieber Rosen am Montag als Asche am Mittwoch: Ein altes Sprichwort, für das die Höntroper Gänsereiter-Frauen in dieser Woche wieder ordentlich anpacken mussten. Und drehen. Rosen nämlich, in rot und weiß. Denn die Blumen aus Papier sollen erneut die Karnevalswagen des Vereins zieren, die am 16. Februar über den Hellweg rollen.

Das Rosendrehen in der Halle am Höntroper Gänsereiterweg ist dabei zur Tradition geworden, die es zu erhalten gilt, wie Robert Happe am Rande schilderte. „Was vor allem zählt, ist das Zusammenkommen. Gerade die älteren Gänsereiter-Frauen und ehemalige Königinnen schätzen die Geselligkeit zu diesem Anlass.“ Daher weiß der Adjutant des Königspaars auszuschließen, dass der Verein in naher Zukunft auf die Idee kommen könnte, gekaufte, künstliche Blumen einzusetzen.

Handwerk mit Historie

Schließlich wird bei den Gänsereitern von Hand gedreht, und das seit über 100 Jahren. Galt die Rose doch schon immer als edles Gewächs, und damit als besonders geeignet, die Festivitäten des Clubs zu schmücken, mussten größere Mengen auch erschwinglich sein. Daher begann einst die Gänsereiterkönigin, zum Drehen von Papierrosen zu bitten. Die Historie des Handwerks ist belegt durch Protokolle, aber auch durch mündliche Überlieferungen früherer Regentinnen.

Anfangs waren es Frauen aus dem engsten Bekanntenkreis, die von der amtierenden Hoheit eingeladen worden sind. Mit dem jeweiligen Ergebnis konnte dann zumindest der Königswagen geschmückt werden. Bis zum Jahr 1930 fand das Rosendrehen immer im Stammhaus Schildgen statt. „Gänserich“ Wilhelm Schildgen stellte über Jahrzehnte Räumlichkeiten zur Verfügung. Später trafen sich die Frauen in den Wohnungen verschiedener Blaukittel. Nach dem Bau der Halle am Stensberg laden die Königinnen regelmäßig dorthin ein. So auch diesmal, Hoheit Claudia „die Außergewöhnliche“ (Kassing) und rund 80 weitere Damen gestalteten einen Nachmittag und einen Abend im Zeichen der Rose. Schneiden, drehen, zwirbeln und kräuseln: Nun stehen 2500 Krepp-Blumen bereit für den Rosenmontagsumzug.

Seit einigen Jahrzehnten ist es außerdem üblich, dass besonders verdiente Gänsereiter-Damen bei dieser Gelegenheit vom Vorstand mit dem „Frauen-Verdienstorden“ des Gänsereiterclubs ausgezeichnet werden. In der aktuellen Auflage durften sich nun Uschi Roth und Agnes Deimann über die Ehrung freuen.