Kinder erleben Musik gemeinsam

JeKi in der Regenbogenschule: das Samy & Bosco Trio tritt in 2013 in der Schule auf.
JeKi in der Regenbogenschule: das Samy & Bosco Trio tritt in 2013 in der Schule auf.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
JeKi wird JeKits. Einmaliges Musikprojekt aus Bochum soll mit neuer Konzeption ganz NRW bereichern. Gründungsvater unzufrieden mit verkürzter Laufzeit

Wattenscheid/Bochum..  Es ist eine Erfolgsgeschichte, die 2003 in Bochum begann, ab 2007 explosionsartig das Ruhrgebiet eroberte und die jetzt in ganz Nordrhein-Westfalen Spuren hinterlassen soll: die Initiative „Jedem Kind ein Instrument“ – kurz JeKi.

Zum Schuljahr 2015/2016 wird das kultur- und bildungspolitische Aushängeschild der Region mit verändertem Konzept, verkürzter Laufzeit und größerem Verbreitungsradius neu an den Start gehen. JeKi läuft 2017/2018 aus. Künftig sollen Kinder nicht nur Instrumente spielen lernen, sondern wahlweise auch singen oder tanzen können. Aus JeKi wird JeKits, „Jedem Kind ein Instrument, Tanzen, Singen“. Gleich bleibt die Fördersumme: Jährlich wendet das Land NRW 10,74 Millionen Euro auf, damit jedes Kind musikalisch gefördert werden kann.

Von Anfang an musizieren

„Es gibt kein vergleichbares kulturbildungspolitisches Projekt, das in diesem Umfang agiert“, informierte Programmleiterin der JeKits-Stiftung, Birgit Walter. Ein wesentlicher Aspekt des neuen Konzepts „Jekits“ sei, dass das gemeinsame Musizieren von Beginn an die Hauptrolle spiele. Während bei JeKi, das Kunterbunt-Ensemble erst im dritten oder vierten Projektjahr dazugehörte, sollen die Kinder jetzt von Anfang an gemeinsam musizieren. „Beim Tanzen und Singen ist das etwas Natürliches“, schildert Walter den Ansatz. Um die Schwerpunkte „Singen“ und „Tanzen“ an den Schulen umzusetzen, müssten sich die Kommunen gegebenenfalls passende Kooperationspartner vor Ort suchen, erläuterte die Programmleiterin. Bisher kooperieren Musikschulen mit der Stiftung. Allerdings: „25 Prozent der Musikschulen verfügen auch über eine Tanzabteilung“, so Birgitv Walter.

Die Grundschulen werden sich für einen der drei möglichen Schwerpunkte entscheiden müssen. Bis zum 20. Februar sollen die Anträge bei der JeKits-Stiftung eingegangen sein. Bisher gibt es allein im Ruhrgebiet rund 600 JeKi-Schulen, die im Projekt Bestandsschutz genießen. An JeKits sollen insgesamt 1000 Schulen teilnehmen können. „Ein Drittel der Grundschulen in ganz NRW liegen allerdings im Ruhrgebiet“, so Birgit Walter. Außer der inhaltlichen Neuheit, ändert sich die Laufzeit des Projekts. JeKi war auf vier Jahre angelegt, JeKits läuft nur zwei Jahre. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass ohnehin nur 25 Prozent der JeKi-Kinder das dritte und vierte Jahr erreichen“, sagte die Programmleiterin. Die Verkürzung der Projektlaufzeit bedeutet auch, dass die Befreiung von Kosten für Familien, die Sozialleistungen empfangen, im dritten und vierten Jahr wegfällt.

Je-Ki-Gründungsvater und Bochumer Musikschulleiter Manfred Grunenberg sieht diesen Aspekt kritisch: „Damit sind wir nicht ganz glücklich. Wir hätten uns gewünscht, das Land hätte noch fünf Millionen drauf gelegt und das Projekt liefe weiter über vier Jahre.“ Derzeit gehe die Tendenz in den 42 Bochumer JeKi-Schulen dahin, dass die meisten wohl bei dem Instrumental-Schwerpunkt bleiben möchten. „Die Gespräche mit jeder einzelnen Schule laufen allerdings noch“, so Grunenberg. Die Musikschule überlege derzeit gemeinsam mit den Grundschulen, den Instrumentalunterricht in den Grundschulen auf eigene Faust ein drittes und auch viertes Jahr fortzuführen.

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