Kein Geld für Neuanschaffungen

Aktion des Fördervereins „LiesWAT!“: Der regelmäßige Bücherflohmarkt im Treppenhaus des Gertrudiscenters.
Aktion des Fördervereins „LiesWAT!“: Der regelmäßige Bücherflohmarkt im Treppenhaus des Gertrudiscenters.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Stadtteilbücherei-Fördervereine „Bhoch4“ haben Offenen Brief an Oberbürgermeisterin Scholz und Stadtdirektor Townsend verfasst

Wattenscheid..  Endlich Planungssicherheit für die Wattenscheider Stadtbücherei – hieß es noch im Februar: „Ein Umzug ist vom Tisch“, konnte Astrid Kern, Vorsitzende des Fördervereins „LiesWAT!“ verkünden. Der Standort im Gertrudiscenter wurde, wie die WAZ berichtete, auf einer Sitzung am 27. Januar bestätigt. Aber: Durch die neue Personalkosten-Budgetierung, beschlossen durch den Rat der Stadt Bochum, werde es keine Neueinstellungen geben, hieß es ebenfalls schon im Februar. Krankheitsbedingte Ausfälle müssten von anderen Angestellten abgefangen werden. Und Neuanschaffungen von Büchern und Medien seien ebenfalls nicht mehr möglich.

„LiesWAT!“ gehört den Fördervereinen der sechs Bochumer Stadtteilbüchereien an: genannt „Bhoch4“ („Bündnis Bochumer Bücherei-Benutzer). Dieser Verbund hat sich nun in einem Offenen Brief an Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und an den Kulturdezernenten und Stadtdirektor Michael Townsend gewandt. In dem Schreiben bringt „Bhoch4“ die Sorge über die gegenwärtige Etat-Situation der Stadtbücherei auf den Punkt. Es heißt: „Gerade Stadtteilbüchereien sind darauf angewiesen, gute Betriebszahlen zu erwirtschaften, um ihre Daseinsberechtigung vor Ort zu erhalten.“ Gute Zahlen seien aber nur mit einem aktuellen Medienbestand zu erreichen.

Bis dato seien noch keine Mittel für die Anschaffung neuer Bücher bewilligt worden. Normalerweise verfügen die Stadtteilbüchereien ab Januar eines Jahres über ein Budget, mit dem sie laufend Neuerscheinungen kaufen können. Bis jetzt, Ende Mai, sei die komplette Frühjahrsanschaffung in der Stadtbücherei ausgefallen. Es würden nicht nur die neuen Bestseller, sondern auch Medien für Kinder/Jugendliche und Lernhilfen für die Schule fehlen, die aufgrund der Zentralprüfungen stets neu aufgelegt werden. Die Stadtteilbüchereien leisteten Basisarbeit. Genauso sei die Leseförderung für Kinder und Jugendliche, in Kooperation mit z.B. Grundschulen, wichtig.

Im Brief heißt es: „Steuerzahler haben einen Anspruch darauf, dass die von ihnen finanzierten Ämter leistungsstark und effizient arbeiten. Wenn eine Bibliothek ein halbes Jahr aber über keine Mittel für Bücheranschaffungen und Leseförderung verfügt, kann sie ihren Aufgaben nicht nachkommen.“

Es könne nicht Aufgabe der Fördervereine sein, Bücher für die Stadtteilbibliotheken einzukaufen (wie schon geschehen). „Wir wollen und dürfen aber satzungsgemäß die Stadt Bochum nicht aus ihrem Aufgabenbereich entlassen“.