Jeder Handgriff sitzt
30.08.2009 | 16:03 Uhr 2009-08-30T16:03:00+0200
Beim Feiern geht's Löschzugführer Thomas Ludwig ähnlich wie im Dienst: „Wenn's läuft, spielt sich der ganz normale Automatismus ab – wie beim Einsatz.” Da kann sich der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Wattenscheid-Mitte entspannt zurück lehnen: Alles läuft wie am Schnürchen beim Tag der offenen Tür.
Ein buntes Programm haben die Feuerwehrleute an der Grünstraße zusammengestellt, um die Truppe und ihre Arbeit zum 140-jährigen Bestehen vorzustellen: mit dem simulierten Ernstfall im Brandübungs- („Flashover”-)Container, einer Einsatzübung der Jugendfeuerwehr, Übungen zu Fettbrand und Spraydosen, einer Vorführung der Höhenretter und sogar einer Feuerwehrmodenschau.
„Eine Modenschau der besonderen Art”, erklärt Ludwig. Sieben verschiedene Spezialanzüge – vom Chemikalien- bis zum Hitze-Schutzanzug – werden vorgeführt. „Feuerwehr zum Anfassen”, nennt es der Löschzugführer und ergänzt schmunzelnd: „Damit die Kinder sich nicht erschrecken, wenn sie mal einen Feuerwehrmann in Montur sehen.” Natürlich stehen für alle Jungs und Mädels, die selbst Feuerwehrmann oder -frau werden wollen, auch die Fahrzeuge zur Besichtigung parat.
„Nebenbei” läuft das normale Einsatzgeschehen weiter. „Den Tagesdienst haben wir nicht abgeschaltet”, sagt Ludwig. „Die Berufsfeuerwehr hatte auch schon ein, zwei Einsätze.” Normales Leben – das ist auch die ausgefallene Drehleiter, die gerade ersetzt werden muss. Und dazu gehören wohl auch die Frotzeleien untereinander: „Wenn's schief geht – kann ich dann deinen Pudding haben?” bekommt Lars Schierenberg zu hören, der sich für eine Vorstellung der Höhenretter fertig macht.
Seit dem Jahr 2000 wird diese Gruppe kontinuierlich aufgebaut. „Es dauert natürlich lange, bis man 30 Höhenretter ausgebildet hat”, erklärt ihr Chef Peter Sondermeier. „Wir haben seit zwei Jahren die Gruppenstärke erreicht.” Den Bedarf erkannt hatte der Löschzug vor neun Jahren, als man mangels eigener Truppe auf Höhenretter aus Frankfurt warten musste. „Wenn man sich überlegt, dass nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln auch Höhenretter zum Einsatz kamen, sieht man, dass der Bedarf da ist”, betont Sondermeier. „Die Gefahr, dass so etwas in Bochum passiert, ist doch viel größer als in Köln – mit dem ganzen Bergbau, den wir hier hatten.”
Das Abseilen einer Person vom Dach des Feuerwehr-Gebäudes an der Grünstraße führen die Höhenretter am Tag der Offenen Tür vor – um zu demonstrieren, wie man eine verletzte Person aus der Tiefe rettet. Nach dem Abseilen zum Opfer wird sie in einem sogenannten Schleifkorb festgeschnallt und vorsichtig hoch gehievt. „Wir hatten Anfang des Jahres mehrere Einsätze mit noch größeren Abseiltiefen”, erklärt Peter Sondermeier. „Zum Teil waren es bis zu 125 Meter.”
„Wir werden da tätig, wo alles andere nicht mehr geht. Wo die Drehleiter nicht mehr funktioniert wegen Sturm, da gehen wir auf die Dächer”, beschreibt der Ausbilder die drastischen Einsatzbedingungen. Da muss jeder Handgriff sitzen. So leicht und locker die Vorführung auch aussieht, Sondermeier betont: „Eine Showtruppe sind wir nicht.”
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