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Jazzer üben Doppelpass

24.06.2008 | 18:36 Uhr

In der Kunstwerkstatt am Hellweg trifft die Musik heute auf den Sport. Jona Kümper am Klavier setzt bei der "Kommentierung" des Halbfinales auf blindes Verständnis mit dem Drummer Michael Peters

Jona Kümper ist ein begnadeter Pianist und Komponist - im Jazz ebenso zuhause wie in der klassischen Musikliteratur. Zuletzt brillierte er in der Kunstwerkstatt mit Brahms-Interpretationen. Foto: WAZ, Gero Helm

OLD WATTSCHE IM FUSSBALLFIEBER VOR DEM SPIEL GEGEN DIE TÜRKEI Ein interessantes Experiment feiert heute in der Kunstwerkstatt am Wattenscheider Hellweg 9 Premiere. Wo sonst Sonaten erklingen, flimmert das EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei über die Großbildleinwand. Das Besondere: Der Ton wird abgeschaltet und die "Kommentierung" erfolgt live-musikalisch durch Schlagzeug und Flügel. Mit dem Pianisten Jona Kümper unterhielt sich WAZ-Redakteur Bernd Nickel.

Wer ist denn auf die verrückte Idee gekommen, ein Fußball-Spiel wie - im weitesten Sinne - ein Stummfilm-Kinopianist zu begleiten?

Kümper: Die Idee, es am Hellweg zu machen, kam nach meinem letzten Brahms-Konzert hier. Allerdings ist die Grundidee nicht neu. Bei der WM 2006 hatte es ein Dortmunder Kulturamtsmensch angeregt. Und wir haben es dann im Westfalenpark zum Viertelfinalspiel gegen Argentinien umgesetzt.

Wir - das waren damals auch schon Sie und der Schlagzeuger Michael Peters?

Kümper: Genau, wir sind ein eingespieltes Team, versiert im musikalischen Doppelpass.

Wie war die Veranstaltung zur WM besucht und wie ist sie angekommen?

Kümper: Sie war schlecht besucht und ist gut angekommen.

Wie darf man sich das vorstellen, was die Besucher der Kunstwerkstatt erwartet?

Kümper: Wir spielen in der Hauptsache frei je nach Spielsitution improvisierten Jazz, haben stets im Blick, was sich auf der Leinwand tut. Schön wäre es gewesen, wenn wir noch einen oder zwei türkische Musiker mit ins Boot hätten nehmen können, aber das war jetzt zu kurzfristig.

In der Klassik gibt es den einen oder anderen Türkischen Marsch, wollen Sie so etwas einfließen lassen?

Kümper: Vielleicht - auf jeden Fall werden wir einige musikalische Zitate einbauen.

Spielen Sie auch die Nationalhymnen?

Kümper: Klar, ich muss nur noch die Noten für die türkische besorgen.

Was ist Ihre Taktik?

Kümper: Ich habe mich für das 1-2-10-2-System entschieden: ein Kopf, zwei Hände, zehn Finger und zwei Füße.

Haben Sie mit ihrem Duo-Partner spezielle Spielzüge trainiert?

Kümper: Natürlich. Es ist doch wichtig, die Laufrichtung des anderen zu kennen.

Wie ist es um Ihre Kondition bestellt?

Kümper: Kein Problem, wir spielen durch, sind auf Verlängerung, notfalls auch auf Elfmeterschießen eingestellt.

Einlass 20 Uhr, Eintritt 10, ermäßigt 5 Euro.

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