In andere Welten eintauchen

Der nächste Morgen: Blick aus dem Nachtzug. Die Fahrt geht nach Ko(h) Pha Ngan im Golf von Thailand.
Der nächste Morgen: Blick aus dem Nachtzug. Die Fahrt geht nach Ko(h) Pha Ngan im Golf von Thailand.
Foto: Ronja Donsbach
Was wir bereits wissen
Vom „Land des Lächelns“ über „Down Under“ bis zum weltgrößten Inselstaat. WAT-Studenten sind ein halbes Jahr lang mit dem Rucksack unterwegs

„Backpacking“ ist längst ein geflügelter Begriff. Überall trifft man Reisende – keineswegs nur, aber größtenteils 20- bis 30-Jährige –, die für Monate oder gar Jahre dem altbekannten Leben in der Heimat den beladenen Rücken kehren; nach dem Abitur, während/nach dem Studium oder schlicht, weil ihnen danach war.

Mit dem Rucksack bricht man auf, lernt Gleichgesinnte, Einstellungen, Kulturen und Berufe kennen und eignet sich dabei selbst neue Fertigkeiten an. Uns, Ronja Donsbach (24) und WAZ-Mitarbeiter Timo Gilke (28), zieht es für knapp sechs Monate von Wattenscheid aus in die Welt (Thailand, Australien, Fidschi, Indonesien). Erfahrungen – positive wie negative – sind dabei immer subjektiv; was dem einen zusagt, treibt andere weiter. Doch fast alle Reisenden schielen mit einem Auge ab und an in die Heimat, ziehen Vergleiche und berichten Familie und Freunden von ihren Erlebnissen.

Aufbruch. Auszeit. Augen öffnen. Gründe gibt es so viele, wie Orte, die man bereisen kann. Welche dies letztlich sind, ist sekundär. Zentral sind das Neue und die Weiten, die sich langsam, erst unterwegs offenbaren.

Die Rucksäcke sind geschultert: Von Düsseldorf geht es Mitte April via Wien nach Bangkok. Nach rund 9200 Flugkilometern und 14 Stunden erreichen wir Thailands Hauptstadt, die einem Hochofen gleicht – aktuell auch in Wattenscheid sehr gut nachzuempfinden. Die sengende Sonne drückt Abgase und Hitze in die Straßenschluchten, in denen Einheimische und Touristen – gleichermaßen schwitzend – auf zigtausend Mopeds, Tuk-Tuks und Autos treffen. Manch Reisender verehrt „Krung Thep“ (thail. Name Bangkoks, zu Deutsch „Stadt der Engel“), wie die rund zwölf Millionen Einwohner das Königshaus, die Religion, Tradition und „Air-Cons“.

Auf die künstliche Kühle der omnipräsenten Klimaanlagen lassen die Thais nichts kommen. Temperaturunterschiede von gut 15 Grad zwischen Außen- und Innenwelt sind häufig Standard, ebenso Sonnenschirm und Mundschutz.

Wem der Sinn nach Ruhe steht, der macht sich per Nachtzug zur Inselwelt auf. Nach einer 15-stündigen, holprigen Fahrt – die zwei Stunden Verspätung werden in Thailand einfach kollektiv weggelächelt – geht es überraschend ausgeruht weiter. Nach insgesamt 20 Stunden (Zug, Bus, Boot, Laderampe eines Taxis) erreichen wir unser Ziel auf Ko(h) Pha Ngan im Golf von Thailand.

Die Insel ist bekannt für Entspannung (Norden) und exzessives Feiern (Süden, „Full-Moon Partys“). Der Motorenlärm weicht nächtlichen Insekten- und Gecko-Symphonien, der Ozean bietet trotz ca. 30 Grad Abkühlung, die asiatische Küche kulinarische Genüsse.

Wahrlich erweitert wird der Horizont auf der kleinen Nachbarinsel Ko Tao: Der langersehnte Tauchschein eröffnet atemberaubende Einblicke in eine Welt 18 Meter unter dem Meeresspiegel. Inmitten eines Barrakuda-Schwarms oder kritisch beäugt von einem finster dreinblickenden Drückerfisch ist man sich der Rolle des geduldeten Besuchers bewusst

Der Heimat den Rücken kehren

Während wir uns erstmals dreidimensional fortbewegen, zeigt eine majestätisch gleitende grüne Meeresschildkröte, wie es richtig geht. Festlandatmosphäre bietet zum Abschluss Prachuap Khiri Khan: Als unverkennbar westlicher Tourist zieht man interessierte Blicke auf sich. Subjektive Highlights waren die heimischen Affen: Den „Spiegelberg“ Khao Chong Krachok samt Kloster „bewachen“ freche Makaken, die man während des Aufstiegs stets im Auge behalten sollte. Brillen-Languren, die trotz aller Scheu täglich die hohen Baumwipfel der Wälder verlassen, sind hingegen die Ruhe selbst.

Doch weitere 7500 km entfernt lockt bereits Sydney ans – europäisch betrachtet – andere Ende der Welt.