Hunger gehörte zum Alltag

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Wattenscheid..  Die Vortragsreihe des Heimat- und Bürgervereins über den Ersten Weltkrieg geht am kommenden Mittwoch, 21. Januar, in die nächste und damit letzte Runde. Treffpunkt ist erneut um 19.30 Uhr im Gertrudishaus, Auf der Kirchenburg 2. Der Eintritt ist frei.

An diesem Abend spricht Dr. Jost Benfer zunächst über die damalige Versorgungslage in der Hellwegstadt: Dabei soll es nicht nur um Lebensmittel gehen, sondern auch um Verbrauchs- und Gebrauchsgüter. „Der Mangel war allumfassend, betraf Existenzielles wie Lebensmittel. Weitreichende Folgen hatte aber auch das Fehlen von Heizmaterial und Kleidung“, betont Benfer.

Benzin sei gleich zu Beginn des Krieges requiriert worden, Pferde standen der Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Das Kriegsernährungsamt, 1916 geschaffen, erließ entsprechende Verfügungen, die dann über den Landkreis Gelsenkirchen vom Amt Wattenscheid und dem hiesigen Bürgermeister auf örtliche Verhältnisse übertragen worden sind, wozu unter anderem die Auskunft gehörte, wo Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln zu bekommen seien. „Hunger war überall“, sagt Benfer.

Große Hilfsbereitschaft

Ein weiteres Thema ist die evangelische Kirche, aufbereitet von Wilhelm Neuhoff. Er hat sich mit den Protokollen der Presbyteriumssitzungen während des Ersten Weltkrieges befasst, zudem den Jahrgang 1914 der Wattenscheider Zeitung auf entsprechende Berichterstattung hin untersucht. „Womit hat sich das Presbyterium beschäftigt? Was wurde gepredigt?“, seien Leitfragen dieser Recherchen gewesen. Auf einen Dreisatz habe sich die evangelische Kirche – wie auch die katholische – seinerzeit festlegen lassen: Der Kampf gilt einer gerechten Sache, Gott ist gerecht, so stehe man auf der richtigen Seite; Gottes- und Kaisertum gehörten zusammen.

Doch wird Neuhoff auch die Diakonie, die Hilfsbereitschaft erwähnen. Zudem geht er auf einen Bericht von Pfarrer Kuhlmann ein, der den Anfang des Krieges aus Wattenscheider Sicht schildert.

Über die deutsch-französische Aussöhnung nach der Schlacht von Verdun 1916 spricht letztlich Heinz-Werner Kessler. Aus persönlichen Motiven: Zum einen habe er als Lehrer den deutsch-französischen Schüleraustausch begleitet, zum anderen häufig in Frankreich Urlaub gemacht. In einem Ort, in dem sich ein prägnantes Soldatendenkmal befindet. Und was Kessler damit genau verbindet, wie dort ein Wattenscheider Beispiel für die deutsch-französische Aussöhnung zustande kam, erklärt er am 21. Januar.

Mit der Schlacht von Verdun in Verbindung bringt er zudem das Denkmal auf dem Kommunalfriedhof, das anfangs ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal gewesen sei. Der spätere Stahlhelm habe im Felde 1916 die Pickelhaube ersetzt.