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Hilfen zur Selbstständigkeit

13.01.2009 | 18:54 Uhr

Neue Beratungsstelle des Blindenvereins will Betroffene dabei unterstützen, ihren Alltag auch ohne oder mit wenig Sehkraft zu meistern

WAZ-Mitarbeiterin Julia Seifert führt zum ersten Mal in ihrem Leben einen Blinden: Walter Menzen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Wattenscheid. Fotos: WAZ, Klaus Micke

"Die Zahl derjenigen, die im Alter erblinden, steigt an", weiß Walter Menzen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Wattenscheid. Die altersbedingte Makula-Degeneration, auch Altersblindheit genannt, oder Schädigungen der Netzhaut durch Diabetes sind maßgebliche Ursachen.

"Wenn man erblindet, weiß man oft nicht, wie es weitergeht", sagt Menzen, der selbst als Kind das Augenlicht verlor. Viele Spät-Erblindete würden sich erst einmal verstecken und ihr Leben ein Stück weit aufgeben. Hier möchte der Blindenverein entgegenwirken und eröffnet am Dienstag, 20. Januar, eine Beratungsstelle in der Innenstadt.

Zur Eröffnung des Ladenlokals an der Voedestraße 5 hat der Verein eine Hilfsmittelausstellung organisiert. Vorgestellt werden beispielsweise spezielle Computer, sprechende Waagen, taktile Uhren oder Geräte zur Farberkennung. "Alles, was Blinde und Sehbehinderte brauchen, die ihr Leben möglichst selbstbestimmt leben möchten", sagt Menzen.

Darum wird es auch in der späteren Arbeit der Beratungsstelle gehen. Betroffenen sollen "Wege aufgezeigt werden, die ihnen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen", so Menzen. "Da gibt es viele Angebote", weiß der 69-Jährige.

Rehabilitationshelfer zum Beispiel. Sie helfen, den Alltag so zu organisieren, dass er auch ohne oder mit wenig Sehkraft gemeistert werden kann. Dabei sind es vermeintlich einfache Dinge, wie die Waschmaschine bedienen oder Kaffee kochen, die wieder erlernt werden. In der Beratungsstelle können Betroffene Kontakt zu Rehabilitationshelfern in der Umgebung bekommen.

Der Blindenverein vermittelt aber auch in der Kommunikation mit Behörden, etwa wenn es um den Antrag fürs Blindengeld geht, oder darum, welche Rechte der Betroffene als Behinderter hat. "Wir wollen ein Ansprechpartner sein", sagt Menzen. Übrigens auch für die Angehörigen. Denn für sie ist die Erblindung des Partners oftmals ebenfalls sehr schwer. Wann zum Beispiel braucht ein Blinder Hilfe und wann braucht er sie nicht? Und wie kann man ihm überhaupt zu Hand gehen? Fragen, auf die die Beratungsstelle vielleicht nicht alle Antworten hat, aber für die sie kompetente Ansprechpartner vermittelt.

Immer dienstags und freitags von 10 bis 12.30 Uhr ist die Beratungsstelle besetzt. Walter Menzen wird einmal im Monat die Sprechstunden übernehmen. Der Großteil wird aber durch Elfi Zirkel, die Vorsitzende des Blindenvereins, und durch Bernhard Schröder abgedeckt. Die beiden haben sich im vergangenen Jahr zu "ehrenamtlichen Beratern" schulen lassen. Finanziert wurden diese Qualifizierungsmaßnahme, die Teil des NRW-Projekts "Wir sehen weiter" ist, vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Am Samstag, 17. Januar, erhalten Elfi Zirkel und Bernhard Schröder ihre Urkunde von Minister Karl-Josef Laumann - und wollen dann endlich mit der Beratungsarbeit beginnen.

In Gelsenkirchen gibt es bereits eine Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte. "Da wird es ganz gut angenommen", sagt Walter Menzen. Trotzdem ist der Wattenscheider Blindenverein froh, dass er mit der Vermieterin die Möglichkeit aushandeln konnte, den Pachtvertrag auch kurzfristig zu kündigen - für den Fall, dass gegen alle Erwartungen doch keiner zur Beratung kommt.

Von Julia Seifert

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