Helfer und Gäste leben sich im neuen Domizil ein

Der Mittagstisch für Wohnungslose am neuen Standort: Maria Stotzek gibt an der Essensausgabe ein Mittagessen heraus.
Der Mittagstisch für Wohnungslose am neuen Standort: Maria Stotzek gibt an der Essensausgabe ein Mittagessen heraus.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Der Betreute Mittagstisch für Wohnungslose ist an die Sommerdelle umgezogen. Die WAZ schaute sich vor Ort um und sprach mit Einrichtungsleiter Arno Mücke

Die Schilder an der Sommerdellenstraße sind ganz frisch. Seit Montag weisen sie darauf hin, dass der Betreute Mittagstisch für Wohnungslose jetzt hier ansässig ist und nicht mehr im alten Gesundheitsamt an der Swidbertstraße. Vor dem Gebäude trifft sich die Zielgruppe. Seit dieser Woche werden hier von rund zwei Dutzend Mitarbeitern Hilfen angeboten und Essen gekocht. Vergangene Woche musste das Essen an drei Tagen noch aus der Kantine des Martin-Luther-Krankenhauses herbeigeschafft und Dienstpläne mussten neu aufgestellt werden.

„Wir haben immer noch Umzugskartons auszuräumen, aber auch die zentralen Angebote stehen“, sagt Arno Mücke. Heute kommt zum zweiten Mal die Kunsttherapeutin. Der neue Arztraum ist ein richtiges Zimmer mit Liege, Schreibtisch und Telefon. Im Speisesaal ist eine Leuchttafel angebracht, die anzeigt, wenn der Arzt im Hause ist.

Insgesamt zeigt sich Arno Mücke sehr zufrieden. Von abbröckelndem Putz, aufquellenden Fußböden oder aus den Rahmen fallenden Fenstern ist hier nichts zu sehen. Die Freundlichkeit und Zweckmäßigkeit der neuen Räume, die sich der Mittagstisch mit dem DRK teilt, wirke sich übrigens sehr positiv auf die Stimmung der Gäste aus, sagt Mücke. Hier herrsche eine größere Wertschätzung, sagt er, hier lehne sich keiner mit dem Schuh gegen die Wand, hier hätten die Wohnungslosen sogar in Eigenregie mit Harke und Besen das Rondell draußen freigeräumt.

Die Erreichbarkeit ist schmal

„Wir überlegen noch, das Rondell zu überdachen“, sagt Mücke. Als Raucherbereich. Während das Rauchen in der Swidbertstraße in den Gängen geduldet wurde, ist die Sommerdelle komplett rauchfrei.

Also nur Verbesserung gegenüber dem alten Standort? „Die Erreichbarkeit ist schmal“, sagt Mücke. Werktags fährt alle halbe Stunde der 363er-Bus vorbei, sonntags erst ab Mittag. Der Mittagstisch hat deswegen die Angebotstage geändert, öffnet jetzt samstags und ruht sonntags. Das Team habe schon überlegt, ob ein Shuttleservice denkbar wäre. Doch weil nur die wenigsten der Helfer einen Führerschein haben und es nur einen Dienstwagen gibt, „sehen wir da im Moment keine Möglichkeit“.

Die Befürchtung war, dass die Zielgruppe nicht mit zur Sommerdelle umzieht. Bislang bestätigt sich das aber nicht. Zur Swidbert-straße seien pro Tag rund 30 am Monatsbeginn und rund 40 gegen Monatsende gekommen. Die Sommerdelle suchten am vergangenen Samstag 34 Gäste auf.

Wie die Nachbarn auf Dauer reagieren, muss sich noch zeigen. Die Arbeit mit Wohnungslosen errege immer erst mal Anstoß in der Nachbarschaft, sagt Arno Mücke aus Erfahrung. „In der Swidbertstraße hatten wir gute Einigungen gefunden. Hier fangen wir, was die Akzeptanz angeht, wieder von vorne an. Wir müssen jetzt um Verständnis werben und Kompromisse finden.“