Helau zur Reichspogromnacht
30.10.2008 | 11:06 Uhr 2008-10-30T11:06:00+0100Wattenscheid. Die Höntroper Gänsereiter und die Kolpingspielschar laden am 9. November zum Karnevalsauftakt. An jenem Tag jährt sich die Eskalation des Nazi-Terrors gegen jüdische Mitbürger zum 70. Mal.
Wattenscheid wartet am Sonntag, 9. November, mit einem denkwürdigen Kontrastprogramm auf: Am 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, der mit einer Gedenkveranstaltung im Rathaus begangen wird, feiern der Gänsereiterclub Höntrop und die Kolpingspielschar gemeinsam ihren Karnevalsauftakt.
Wie passt das zusammen? Für Bezirksbürgermeister Hans Balbach ist klar: „Die Karnevalisten hätten mit ihrer Terminplanung etwas sensibler umgehen müssen. Ich werde der Einladung zum närrischen Treiben in Höntrop nicht Folge leisten, weil ich der mentalen Vorbereitung auf die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht mehr Bedeutung beimesse.”
"Es ist sicher für den ein oder anderen schwierig, beide Dinge in Einklang zu bringen"
In der Brust von Balbachs Stellvertreter, Wolfgang Schick, schlagen zwei Herzen. Der Vorsitzende der Günnigfelder Karnevalsgesellschaft und SPD-Politiker räumt ein: „Es ist sicher für den ein oder anderen schwierig, beide Dinge in Einklang zu bringen. Und es mag für manchen auch sicherlich unmöglich sein. Aber ich denke, dass an einem Tag, an dem es um die Erinnerung an Terror und Gewaltherrschaft geht, auch ein Zeichen zur Hoffnung und zum Mut, Zukunft zu gestalten, gesetzt werden kann. Und solches gehört zum Selbstverständnis von Karnevalisten.” Schick fährt fort: „Ich persönlich habe mit der Duplizität der Ereignisse kein Problem. Ich werde morgens mit der Narrenkappe nach Höntrop gehen, mir dann später einen dunklen Anzug anziehen und an der Gedenkveranstaltung im Rathaus teilnehmen. Aber wie gesagt: Was ich kann, kann nicht jeder.”
Rolf Lorenz, Sprecher des Festausschusses Wattenscheider Karneval (FWK), meint: „Wir nehmen keinen Einfluss auf die Termingestaltung der Vereine. Ich denke aber, dass der neunte November nicht glücklich gewählt ist. Das passt nicht zusammen. Man hätte sensibler sein müssen.”
"Muss diese Gedankenlosigkeit einfach eingestehen"
Heinrich Strack, Oberschulte der Höntroper Gänsereiter, erklärt: „Bei uns hat kein Mensch bei der Planung des Karnevalsauftakts an den Jahrestag der Reichspogromnacht gedacht. Ich muss diese Gedankenlosigkeit einfach eingestehen, und wir würden den Termin auch umdisponieren, aber das ist leider nicht mehr möglich.”
Auch Joachim Ridder, Präsident der Kolpingspielschar, sagt: „Es war uns nicht bewusst, dass unsere Veranstaltung mit dem Gedenken an die Reichspogromnacht auf denselben Tag fällt. Und es wird sicherlich einigen schwer fallen, das gedanklich nachvollziehen zu können.”
21:16
Ferdi Dick meint nun er wäre was... lol
23:44
Ferdi Dick mag Karneval nicht.
11:24
Ich möchte wissen, wieviel Prozent aus tiefem Mitgefühl und nicht aus Zwang an der Gedenkveranstaltung teilnehmen werden.
Und diese Frage gilt auch für ähnliche Veranstaltungen.
00:14
Ich frage mich gerade was diese ganze Diskussion soll, wenn ich zurück blicke, fand vor ein paar Jahren genau an diesem Tag die gleiche Auftaktveranstaltung der beiden Clubs statt.
Da hat die WAZ am Tag drauf die Veranstaltung hoch gelobt ohne an dieses Datum dieser Menschenverachtenden Nacht erinnern.
Sollte etwa mehr dahinter stecken? z.B. ein persönliches Interesse (Bewerbung um eine Auszeichnung des Jüdischen Vereins Rhein Ruhr) hinter dieser aufputschenden Aufmachung liegen oder wie kommt auf einmal dieser negative Artikel in die Presse?
Wenn ich mir dann das Statement von Rolf Lorenz anschaue, frage ich mich auch noch ob diese Aussage wirklich ernst gemeint ist oder auch nur ein reiner PR-Gag sein soll um gut im Licht zu stehen. Aber wenigstens hat er mal was gesagt,
Ich persönlich werde morgens zu der Auftaktveranstaltung gehen und die fünfte Jahreszeit einleuten und den Toten der Reichsprogromnacht im Anschluß gebührend gedenken.
22:58
Da wird einer der Mücke ein Elefant gemacht.
Mal sehn wer denn von den Kritikern am Sonntag um 16.30 im Rathaus und um 17.30 am Nivellesplatz ist.
Nach den Erfahrungen der letzen Jahre warscheinlich keiner.
20:55
So etwas peinliches passiert nur, wenn die Intelligenz nicht über den Tellerrand der Vereinsmeierei hinausreicht!
14:29
Die Aussage von Herrn Schick Ich persönlich habe mit der Duplizität der Ereignisse kein Problem. Ich werde morgens mit der Narrenkappe nach Höntrop gehen, mir dann später einen dunklen Anzug anziehen und an der Gedenkveranstaltung im Rathaus teilnehmen.
Ist noch dümmer als die Terminwahl selbst