"Hausarrest" für Senioren
19.02.2010 | 14:21 Uhr 2010-02-19T14:21:00+0100
Wattenscheid. Wochenlang haben sie sich nicht mehr vor die Tür gewagt: Für viele Senioren bedeutete das anhaltende Winterwetter Hausarrest – zu große Angst haben die meisten alten Menschen vor Stürzen.
Eine besonders krasse Geschichte erzählt Julia Tobinski, die vor zwei Jahren den Dienst „Nachbarschaftliche Seniorenbetreuung Wattenscheid” gegründet hat: „Eine Kundin von mir hat schon mehrfach einen Zahnarzt-Termin verschoben, obwohl die Praxis direkt um die Ecke auf der anderen Straßenseite ist.” Doch selbst mit Begleitung traute sich die alte Dame nicht über die permanent vereiste Seitenstraße.
„Alte Leute machen sich da ja auch viele Gedanken”, weiß Altenpflegerin Julia Tobinski, die seit dem ersten Wintereinbruch im Dezember vermehrt um Hol- und Bringedienste gebeten wird. „Dass es nur um Dinge außer Haus geht, die die Leute wegen des Wetters nicht erledigen können, das habe ich bisher noch nicht erlebt”, sagt sie. Einkaufen, die Krankenkassenkarte beim Arzt einlesen lassen, Rezepte abholen und einlösen, Überweisungen zur Bank oder einfach nur Post wegbringen – diese Hilfsleistungen haben bei Julia Tobinski enorm zugenommen. „Bei dem Wetter ist das für alte Menschen ja auch kaum selbst zu bewerkstelligen – vor allem, wenn sie auf den Rollator angewiesen sind.”
Arzttermin mehrfach verlegt
Von verlegten Arztterminen erzählt auch Karin Lipps, Pflegedienstleiterin im Altenheim St. Elisabeth von Thüringen: „Jeder Gang, der nicht unbedingt sein musste, wurde in den vergangenen Wochen vermieden.” Sogar Angehörige, die Bewohner normalerweise zum Arzt begleiten, hätten abgesagt, weil sie sich nicht raustrauten. „Viele von ihnen sind ja selbst schon betagt”, weiß Karin Lipps. Und die Bewohner des Altenheims, die darauf achten würden, regelmäßig Bewegung zu bekommen, hätten ihre Runden wegen des Winterwetters sicherheitshalber im Haus gedreht.
Die Nase voll habe mittlerweile der Hausmeister des Altenheims an der Berliner Straße. Karin Lipps: „Er war ja seit Wochen im Dauereinsatz - und das ist trotz der Hilfe durch elektrische Geräte enorm anstrengend.” Immerhin: Solche Probleme wie manche Kommunen, die Wege von Eis und Schnee freizuhalten, hatte der Hausmeister nicht. „Wir haben einen Tag, bevor es mit dem Winter so richtig los ging, noch eine Tonne Salz bekommen.”
Gymnastikkurs startete später
Dass Senioren gut daran tun, sich bei Schnee und Eis nicht unnötig in Gefahr zu begeben und im Zweifelsfall lieber zu Hause bleiben sollten, zeigen aktuelle Zahlen aus der Orthopädie des Martin-Luther-Krankenhauses: Insgesamt 87 Knochenbrüche zählte die Klinik in diesem Jahr bis zum 15. Februar.
Zum Vergleich: Im selben Zeitraum zählte die Klinik im Vorjahr nur 69 Frakturen, wobei die Patienten im Schnitt 67 Jahre alt waren. Gegenüber 2009 verzeichnet das MLK bei den Frakturen also eine Steigerung von 26 Prozent. In Norddeutschland, wo Schnee und Glätte in diesem Winter besonders hart zugeschlagen haben, gab es in den Notaufnahmen vieler Kliniken sogar lange Wartezeiten; die Ärzte mussten teilweise die ganze Nacht durch operieren. Einige Krankenhäuser in Schleswig-Holstein zählten 50 bis 75 Prozent mehr Knochenbrüche als in den Vorjahren.
Sogar den Beginn der neuen Gymnastik-Kurse für Senioren hatte die Caritas verschoben. „Sie sollten eigentlich am 11. Januar starten”, weiß Diplom-Sozialarbeiter Johannes Bielawa, „aber an dem Tag war wirklich kein Hinkommen.” Ansonsten habe man es vor allem bei regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen wie dem Seniorencafe gemerkt, dass sich die alten Menschen nicht aus dem Haus gewagt haben. „Da wissen sie ja, dass sie auch noch eine Woche später hingehen können.” Bei besonderen Events hingegen hätten die Senioren trotz des Wetters einen Weg gefunden – oder sich in Gefahr begeben. „Einige kamen weiterhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Höntrop.”
„Die Angebote, die hier im Haus an der Voedestraße stattfinden, wurden auf jeden Fall besucht”, erklärt Gaby Fromme vom Roten Kreuz auf WAZ-Anfrage. „Die meisten Teilnehmer sind trotz des Wetters erschienen – aber ich habe gehört, dass viele, die sonst mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind, ein Taxi nehmen oder ihre Kinder und Enkel mobilisieren. Ihnen sind diese Veranstaltungen wichtig – gerade, weil sie so selten rauskommen bei dem Wetter.”
15:19
Meine Güte was für ein Elend, es ist Winter aber es wird nur genöööölllt wie schwer man es hat.
03:09
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02:15
Hat sich ja erledigt.
Übrigens: Eine schöne Werbung für die Firma Tobinski.
Das ansonsten Wohlfahrtseinrichtungen zu Wort kamen, ist völlig o.k. Die tun was.