Gutes Vorlesen ist eine Kunst

Ben Luca Thetmeyer (11) hat den Wettbewerb gewonnen.
Ben Luca Thetmeyer (11) hat den Wettbewerb gewonnen.
Foto: FUNKE Foto Services

Wattenscheid/Bochum..  Pupsen ist peinlich? Über so einen Schweinskram spricht man nicht? Keinesfalls! Beim Vorlesewettbewerb in der Stadtbücherei sind auch lästige Töne aus dem Darmbereich ein Thema. Der Schüler Ben Luca Thetmeyer liest eine Passage des herrlich komischen Romans „Doktor Proktors Pupspulver“ von Jo Nesbø und sichert sich damit die Lacher im Saal. „Das ist schon lange eines meiner Lieblingsbücher“, strahlt der elfjährige Pestalozzi-Schüler.

Wie Ben Luca nehmen noch 13 weitere Sechstklässler an dem Lesewettstreit teil. Jeder von ihnen hat den Vorlesewettbewerb seiner Schule zuvor bereits gewonnen, jetzt wartet die nächste Hürde beim Stadtentscheid.

Vor einer fachkundigen Jury und natürlich zahlreichen Angehörigen lesen die Schüler jeweils einige Minuten vor. Das heißt: Stures Ablesen kommt für sie nicht in Frage. „Es ist erstaunlich, wie hoch das Niveau ist“, findet Jurymitglied Nils Janssen von der gleichnamigen Buchhandlung.

So wie bei Mona Mummenhoff: Die Heinrich-Böll-Schülerin trägt zwei Seiten aus „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ vor – und der interessierte Zuhörer im Clubraum staunt, mit wie viel Kraft und Verve sie dies tut. Mona rattert den Text nicht runter, sie intoniert ihn vielmehr und gibt den Figuren ihre eigene Tonlage und Farbe, fast wie bei einem Hörspiel.

„Beim guten Vorlesen geht es darum, den Text zu interpretieren“, meint Kathrin Schimpke, Leiterin der Kinderbücherei. „Die Technik, die Aussprache und natürlich auch die Auswahl des Textes sollten stimmen.“ Kleinere Versprecher fallen gar nicht sonderlich ins Gewicht. Ganz wichtig: Jeder Schüler stellt sein Buch vor der Lesung vor und führt in die Passage ein. Das gelingt mal mehr, mal weniger sinnvoll. Denn obwohl der Text gut vorgelesen wurde, hat der Zuhörer bei einigen Beiträgen wenig Ahnung, worum es in der Geschichte eigentlich geht. „Darauf achtet die Jury sehr“, sagt Kathrin Schimpke. „Die Schüler sollen die Zuhörer für ihre Bücher begeistern.“

Nachdem die erste Runde noch recht locker ist, weil die Schüler sich in Ruhe drauf vorbereiten können, ist der zweite Teil weitaus heikler: Dann muss jeder ein Stück aus einem unbekannten Text lesen. „Das ist natürlich ein bisschen schwieriger“, meint Ben Luca. Als erster muss Fritz Baumbach von der Theodor-Körner-Schule ran – und er meistert den schwierigen Parcours mit vielen komplizierten Namen durchaus beachtlich. Übrigens: Ben Luca Thetmeyer geht am Ende als Sieger des Wettbewerbs hervor. Da behaupte noch einer, Pupsen sei peinlich...