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Höntroper Geschichten

Gut Ritt durch die Kindergärten

14.04.2010 | 19:46 Uhr
Gut Ritt durch die Kindergärten

Wattenscheid.Heidi, heida, die Gänsereiter, die sind heute da, hurra! Auf einem lebensgroßen Steckenpferd sind Guido Ortwein und Ines Hermbusche gestern durch ein Spalier von 70 singenden Jungen und Mädchen in den Kindergarten von St. Maria Magdalena eingezogen.

An der Vincenzstraße endete diesmal die traditionelle Tour, die das jeweils amtierende Höntroper Königspaar seit 1975 durch alle sieben Kindergärten des Ortsteils führt. Wie all ihre Vorgänger waren auch Guido und Ines nicht mit leeren Händen gekommen: 2600 Euro teilten die Regenten unter den Einrichtungen auf.

„Kinder sind unsere Zukunft“, hob Guido Ortwein hervor. „Und deshalb engagieren wir uns für sie.“ Oberschulte Heinrich Strack unterstrich den Ernst und die Glaubwürdigkeit der königlichen Worte mit Verweis auf die Satzung: „Dort steht geschrieben, dass im Falle einer Auflösung unseres Clubs das gesamte Vermögen den Kindergärten des Ortsteils vermacht wird.“

Auch wenn das von Heinrich Strack geschilderte Szenario höchst unwahrscheinlich ist, so gilt jener Passus in der Satzung durchaus als symbolisch deklarierte Verpflichtung, sich für die Schwächeren in der Gesellschaft und vor allem für Kinder einzusetzen. Guido Ortwein: „Schon unsere Gründerväter hatten sich neben der Brauchtumspflege das soziale Engagement auf die Fahne geschrieben. Das war für sie so selbstverständlich, dass es zu Beginn in den Protokollen unseres Clubs gar nicht besonders erwähnt wurde.“

Kommentar
Mehr als eine Eselei

In Höntrop und Sevinghausen wissen die meisten dort lebenden Menschen voneinander.

Der soziale Zusammenhalt in den ursprünglich ländlich geprägten Sprengeln am Hellweg ist stärker als in anderen Ortsteilen. Beide Gänsereiterclubs,1598 gegründet, haben ihren Anteil an jener generationsübergreifenden Solidarität.

Soziale Kompetenz beweist sich gerade in Krisen- und Notzeiten, und oft ist es eine kleine Tat, die große Wirkung hat.

1928 erfuhren die Gänsereiter beispielsweise, dass der Esel des Höntroper Waisenhauses eingegangen war. Noch am gleichen Tag beschlossen sie spontan, ein neues Tier zu kaufen, das den Namen Leo bekam. Von solchen „Eseleien“ kann man eigentlich nie genug bekommen.

Erst seit 1914 finden sich in der Höntroper GänsereiterChronik Hinweise darauf, beispielsweise der, dass in jenem Jahr für die Kinder des St. Elisabeth-Waisenhauses fünfzig Goldmark gesammelt worden waren.

Ute Peters, Vorsitzende des Fördervereins im Kindergarten an der Vincenzstraße, machte den Wert der langjährigen finanziellen Unterstützung durch die Gänsereiter deutlich: „Vieles, was für diese und auch die anderen Einrichtungen wünschenswert und sinnvoll ist, hätte ohne diese Hilfe nicht angeschafft werden können.“

Adjutant Markus Oskamp kam pi mal Daumen schnell auf über 70 000 Euro, die in den vergangenen 35 Jahren in den Sammelbüchsen der Höntroper Gänsereiter gelandet und an die Kindergärten weiter gereicht worden waren. „Ich weiß, dass dieses Geld hier sinnvoll investiert ist“, sagte Oskamp, der einige Schulen und Tageseinrichtungen mit Mittagessen beliefert. Deswegen war er bei den Kindern an der Vincenzstraße auch weitaus bekannter als das amtierende Königspaar. „Der Markus sorgt immer dafür, dass wir satt werden“, wusste Hannah (5) zu berichten. „Und jetzt ist er auch noch der Diener von so einem Reiter und seiner Frau.“ Nele (4) nickte zustimmend: „Der hat’s jetzt bestimmt nicht leicht.“ Raphael (6) wusste über den hohen Besuch schon recht gut Bescheid: „Die reiten auf Pferden und essen Gänse.“

Im Gefolge von Guido und Ines befand sich auch das Höntroper Kinderkönigspaar, Tobias Rumpza und Theresa Schlott. „Theresa war hier mal Kindergartenkind“, freute sich Stephanie Rösen, Leiterin der Einrichtung an der Vincenzstraße. Sie selbst war auch einmal Gänsereiter-Königin. 2001 hatte sie sie an der Seite von Martin Brimberg den Thron bestiegen, allerdings im Königreich Sevinghausen.

Ferdi Dick

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