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Gospel-Express singt für Toleranz

18.04.2008 | 18:26 Uhr

Kinderchor des Ludwig-Steil-Hauses probt fleißig für die Aufführung des Musicals im Mai und Juni.Fremde Sprachen in den Texten der Lieder bereiten den 23 Schülern keine Probleme

Der Kinderchor im Ludwig-Steil-Haus nimmt Fahrt für die anstehenden Aufführungen auf. Fotos: WAZ, Klaus Micke

Der "Gospel-Express" nimmt Fahrt auf. Der Zug entführt die Reisenden in die Südstaaten der USA. Das Dampfross stoppt im Jahr 1854, als die schwarze Bevölkerung überwiegend in Sklaverei lebt. In den Waggons sitzt auch der Kinderchor des Ludwig-Steil-Hauses (KILS), um die Wurzeln der Gospelmusik aufzuspüren. Schließlich benötigt ein Musical außer einer spannenden Handlung ebenso mitreißende Songs.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Sklaverei als Thema eines Kindermusicals geeignet ist? Die ehrenamtliche Leiterin des Chores, Anita Jüntgen, versichert jedoch: "Das Thema wurde kindgerecht aufbereitet. Im Mittelpunkt steht ja das Mädchen Lulu und seine Befreiung. Es gibt auch dunklere Seiten zu sehen, aber mit Sicherheit kein Mord und Totschlag." Vielmehr lernen die Fünf- bis Zwölfjährigen einiges über Gospelsongs. Sie erfahren von ihrem Ursprung als Arbeiterlieder oder das die Stücke mitunter Botschaften enthielten. Die Leiterin nennt als Beispiel "Wade in the water": "Das Lied wurde unter anderem gesungen, um vor Bluthunden zu warnen. Der Sklave sollte dann durch das Wasser laufen, damit sie seine Spur verlieren."

Im Verlauf der rund anderthalb Stunden heizen einige englischsprachige Beiträge den "Gospel-Express" an. Die Kinder nehmen die Hürde "Fremdsprache" mit Leichtigkeit. "Die Lieder beherrschen die Kinder fix, in dieser Hinsicht habe ich eine sehr fitte Gruppe", lobt Anita Jüntgen. "Außerdem wird überwiegend bei den Solistenparts englisch gesungen. Die werden dann von den Älteren übernommen." Auch der Wechsel zwischen Chor- und Sologesang lasse den Zug nicht ins Stocken geraten.

Als größte Schwierigkeit erweist sich deshalb die Disziplin in der 23-köpfigen Gruppe. Die Leiterin bestätigt: "Die komplizierteste Szene spielt auf einem Markt, mit viel Aktion und Handlung. Da ist immer die Frage, wer muss wohin oder welche Requisiten müssen wann eingesetzt werden?" Zum Glück kann sie auf die Unterstützung von Verena Thiem (14) bauen, die den Kindern bei den Proben hilfreich zur Seite steht.

Denn der Musical-Nachwuchs möchte überzeugen, zumal auch ihm die Geschichte am Herzen liegt. "Mir gefällt die Befreiung von Lulu am besten", meint zum Beispiel die zehnjährige Schaffnerin Laura. Der "Worker-Song" ist ebenfalls sehr beliebt im Kreise der Sänger und Anna Michal Friedrich fügt außerdem hinzu: "Das Lied "If I follow the star" ist auch sehr schön." Das Interesse ihrer Schützlinge freut Anita Jüntgen natürlich, die noch einen weiteren positiven Aspekt des "Gospel-Express" hervorhebt: "Letztlich geht es um gegenseitiges Verstehen und Toleranz zwischen den Rassen."

Von Lars Karsten

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