Genau hingucken und einhaken
21.10.2008 | 19:23 Uhr 2008-10-21T19:23:16+0200DREI FRAGEN AN Der 15-Jährige, der am Freitag bei einer Messerstecherei einen 16-Jährigen lebensgefährlich verletzt hat, war nach unseren Informationen Schüler ihrer Schule. Was tut Schule, um Gewalt vorzubeugen?
Herbstreit: Der Junge ist seit 2007 nicht mehr bei uns - in seinem Fall haben die Ordnungsmaßnahmen gegriffen, über die wir verfügen. Wir müssen unsere Schüler ja vor gewalttätigen Mitschülern schützen. Mir ist bewusst, dass das nur ein Verschieben an einen anderen Ort ist. Allerdings mit der Chance, sein Verhalten zu korrigieren.
Welche Möglichkeiten haben Sie, auf gewaltbereite Schüler einzuwirken?
Herbstreit: Wir haben den Vorteil, dass wir ein relativ überschaubares System sind. Man muss aber genau hingucken und einhaken, wenn jemand auffällig wird. Außerdem arbeiten wir eng mit Eltern und Jugendamt zusammen, haben einen Sozialarbeiter an unserer Schule und natürlich ein Streitschlichterprogramm.
Sind Hauptschulen generell Brennpunktschulen?
Herbstreit: Wir liegen zwar in einem Brennpunkt, sind aber eine sehr friedliche Schule. Bandentum und Bösartigkeit gibt es bei uns nicht. Hier findet ganz normaler Unterricht statt, die Kinder gehen gern zur Schule. Und: Gewalt entsteht oft aus Perspektivlosigkeit - aber wir versuchen, unseren Schülern eine Perspektive zu geben.
Ute Herbstreit leitet die Hauptschule Wattenscheid Mitte.
Ute Herbstreit
11:56
Nach massiven Kürzungen in der Kinder- und
Jugendarbeit, überlässt man die Jugend sich selbst.
Diese Entwicklung haben sich die verantwortlichen
Politschlafnasen selbst eingebrockt. Die Quittungen
für diese Fehlentwicklung werden teuer! Soviel ist
sicher!
07:15
Man sollte über den Tellerrand hinaussehen. Hier handelt es sich nicht um eine Ausnahme, sondern ein gesellschaftliches Problem. Dieses Ergebnis müssen wir uns alle auf unsere Fahne schreiben! Irgendwann holen einem solche Fehler wieder ein.
00:21
Ich habe den Eindruck, hier wird schöngeredet oder die Wirklichkeit nicht wahrgenommen.
Frau Herbstreit sollte ihre Schüler einmal beobachten, wenn sie das Schulgelände nach Unterrichtsschluss verlassen, welches Verhalten diese an den Tag legen.
Wir sind eine friedliche Schule. Bandentum und Bösartigkeit gibt es bei uns nicht. In einer solchen Scheinwelt zu unterrichten, macht es manchem Lehrer nur noch möglich, überhaupt zu unterrichten. Und der Rektorin möglich, überhaupt Rektorin an dieser Hauptschule zu sein.
Wie gesagt, schauen Sie sich einmal an, wie Ihre Schüler das Schulgelände verlassen bis in die angrenzenden Straßen, Frau Herbstreit. An einem ganz normalen Tag. Mit Ihren ganz normalen Schülern.