Gästebuch-Aktion erinnert an Eulenspiegel
02.05.2008 | 15:50 Uhr 2008-05-02T15:50:00+0200Der Schnitzer vom Germanenviertel, Rolf Tybussek, ist stolz auf sein Werk aus Lindenholz - und ein wenig auch auf die Pfiffigkeit, die er bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Rathauses an den Tag legte
Was Rolf Tybussek zu erzählen hat, erinnert stark an einen Streich des Till Eulenspiegel. Und wenn der Mann, den man als Schnitzer vom Germanenviertel kennt, schmunzelnd von 1984 spricht, merkt man, dass ihm auch heute der Schalk im Nacken sitzt.
"Damals standen die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Wattenscheider Rathauses an und mein Bekannter Manfred Steppart fragte, ob wir nicht etwas zum Programm beisteuern sollten."
Tybussek schnitzte ein Gästebuch. Auf der Titelseite des guten Stücks, in welches edles Papier eingespannt wurde, verewigte der Schnitzer das Rathaus - mit sicherer Hand und scharfer Klinge ins Lindenholz gegraben. Umrahmt von schönen Lettern, die von dem Ereignis künden: 100 Jahre Rathaus Wattenscheid. Steppart hatte einen Jüngling im historischen Kostüm engagiert, der die hohen Gäste der Feier einlud, sich ins Buch einzutragen. Das taten sie denn auch: Hans-Jürgen Thiemann, Dieter Bongart, Rolf Schwirtz, Heinz Eikelbeck, Karl Liedke und wie sie alle hießen.
Rolf Tybussek übrigens zählte nicht zu den Geladenen. "Ich ging am Tag nach der Feier ins Rathaus und holte das Gästebuch ab. Dort wollte man es erst gar nicht rausrücken." Der Schnitzer aber belehrte die Herren: "Ich habe stets gesagt, ich stelle das Gästebuch für die Feierstunde zur Verfügung. Von Schenken war nie die Rede." Weil natürlich keiner im Rathaus den Eigentumsnachweis führen konnte, trug Tybussek das gute Stück nach Hause, freut sich und schmunzelt seitdem, wenn er ab und zu darin blättert.
0mitdiskutieren