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Gänsereiter marschieren um die Wurst

16.02.2010 | 17:26 Uhr
Gänsereiter marschieren um die Wurst

Wattenscheid. Seit über hundert Jahren geht's am Veilchendienstag in den Königreichen Höntrop und Sevinghausen um die Wurst.

Die wird am Abend gegart, auf Sauerkraut und Kartoffel-Pü angerichtet und heißhungrig verspeist. Doch vor den Genuss der legendären Gänsereiterwurst haben die Götter den Schweiß, sprich einen langen Tagesmarsch gesetzt.

Höntrop. „Es lohnt sich”, schnalzt Manfred Molszich mit der Zunge. „Das ist eine ganz besondere Spezialität.” Der Chef der SPD-Bezirksfraktion hat sich im blauen Kittel mit zahlreichen anderen Höntroper Gänsereitern und dem neuen König Guido (I.) Ortwein auf dem Hof der Metzgerei Wingert, der ersten von insgesamt 14 Sammelstationen, eingefunden. Dort wetzt Fleischermeister Elmar Wingert die Messer, und er erzählt stolz, dass das Rezept für die Gänsereiterwurst von seinem Vater Heinrich gemeinsam mit Wilhelm Schwartmann entwickelt worden ist.

Höntroper Wurstkommandant hat Geburtstag

Wurstkommandant Benjamin Makoschey, der seinen 33. Geburtstag feiert, bläst schon kurze Zeit später zum Ausmarsch. Um 200 Kringel reicher und gut bewirtet, ziehen die wackeren Reiter weiter. Ihr Spielmannszug, geführt von Peter Hirschfelder, widmet jeder Station ein passendes Lied. Beispielsweise bekommt ein Clubkamerad, der in zwei aufeinander folgenden Jahren Vaterfreuden erlebte, „Ihr Kinderlein kommet” und „Alle Jahre wieder” zu hören. Oberschulte Heinrich Strack freut sich ganz besonders auf „In einer kleinen Konditorei”. „Es ist doch schön, wenn jeder, der von uns heute Besuch bekommt, zum Dank einen musikalischen Maßanzug verehrt bekommt.”

Ein Empfang im Elternhaus des Stadtprinzen

Sevinghausen. Mangels eigener Spielleute steht den Sevinghauser Gänsereitern beim Marsch zu dreizehn Stationen die Blaskapelle Harpen zur Seite. Die fühlt sich plötzlich wie im Westerwald. Die Blaukittel werden oberhalb des Heimatmuseums im Helfs Hof im Elternhaus des Stadtprinzen Andreas (I.) Appelbaum von Vater Paul und Mutter Gerlinde mit königlichen Ehren empfangen. Seine Tollität, die jetzt ganz hoch auf der närrischen Leiter steht, ist eben auch ein Gänsereiter. König Peter (II.) Peters und Königin Petra Krokowski werden wärmstens begrüßt, während über die schneebedeckten Höhen in den Höfen eiskalte Winde wehen.

Das Grillgut passt zum Veilchendienstag

Einen Wurstkommandanten gibt's in Sevinghausen nicht. „Dafür ist bei uns der erste Rittmeister zuständig”, sagt Heinz-Bernd Wirth zur Osten, der jenes Amt bekleidet. Sein Vorgänger, Hermann Appelbaum, Onkel seiner Prächtigkeit, ist offensichtlich froh, die Wurst einmal Wurst sein lassen zu können. Geradezu rührend achtet der tatkräftige Landwirt darauf, dass ihre Lieblichkeit, Kathrin (II.) Schick, wohlbehalten mit ihrem Ornat durch den Schnee kommt. Prinzessinenvater Wolfgang und -mutter Marion wenden derweil zu Veilchendienstag passendes Grillgut. „Es dreht sich heute eben alles um die Wurst”, sagt der Gü-Ka-Ge-Präsident. „Und aus der Nummer kommt man einfach nicht heraus.”

Ferdi Dick

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