Das aktuelle Wetter Wattenscheid 11°C
Jugendaustausch

Funke Hoffnung zündet blitzschnell

09.12.2011 | 19:00 Uhr
Funke Hoffnung zündet blitzschnell

Wattenscheid. „Der Funke ist blitzschnell übergesprungen“ – so eine Formulierung lässt gerade im Nahen Osten eine hochexplosive Gefahr vermuten. Die Pestalozzi-Realschüler haben einen Tag vor ihrer Abreise nach einem siebentägigen Aufenthalt im Rahmen des trilateralen Jugendaustausches (die WAZ berichtete) genau das Gegenteil als absolut positives Zeichen erlebt.

Die 22-köpfige Gruppe der Jugendlichen ist zu Gast in Ramallah. Die Stadt liegt im Autonomiegebiet der Palästinenser und ist nur etwa 15 Kilometer Luftlinie von Jerusalem entfernt. Aber dazwischen liegen Welten – und eine martialisch wirkende Grenze, von den Israelis gerne als „Zaun“ bezeichnet, von anderen als „Mauer“ tituliert. Diese bei der Einreise zu passieren, bedeutet für die Wattenscheider keine Probleme, in ein paar Minuten sind sie „drüben“. Und bemerken sofort die gravierenden Unterschiede: jede Menge Dreck und der ätzende Geruch von verbrennendem Müll. Das kann die zum Teil weltbekannte Graffitikunst der Palästinenser auf ihrer Seite der Mauer nicht übertünchen.

Dann sind die deutschen Jugendlichen am Ziel, dem sehr gepflegt wirkenden „Al-Ahliyyah College“. Rund 600 Schülerinnen und Schüler besuchen die Highschool, berichtet Firas Aridah, Priester und Leiter der Einrichtung. Muslime gehören auch dazu, wie seine Vertreterin Rana Quamiri. Sie ist eine Frau der ersten Stunde im Jugendaustausch mit den Deutschen.

Der berühmte „Funke“ glimmt schon bei der ersten Begegnung in der Aula auf: Jugend trifft Jugend. Über 30 Palästinenser haben sich für den Austausch beworben, sitzen mit den Wattenscheidern in einem großen Kreis und stellen sich untereinander vor. Der „zündende Gedanke“ in der Besuchsplanung ist aber der Vorschlag, die Jugendlichen in kleinen Gruppen zum Stadtbummel in Ramallah aufzufordern. „Tschüss“ – und weg sind sie. Die Geschäftswelt der Stadt wirkt mit ihren vielen kleinen Ladenlokalen so viel anheimelnder als die Einkaufsmeilen westlicher Städte. Gekauft haben die Jugendlichen kaum etwas, aber umso mehr geredet, über Gott und die Welt.

„Die sind ja so ‘was von sympathisch, locker und gut drauf“, sagen anschließend die Pestalozzis auf dem Schulhof. Da werden schon die ersten Adressen getauscht. „Ich hoffe, ich seh’ Dich wieder in Deutschland zum Gegenbesuch im nächsten Jahr“, sagen die Realschüler beim gemeinsamen Mittagessen ein ums andere Mal. Da hat der Funke längst durchgezündet. Nur haben die Deutschen bei aller Euphorie ein bisschen verdrängt, dass nur zehn Mädchen und Jungen aus Palästina ein solcher Aufenthalt angeboten werden kann. Aber das geht im Moment unter in all’ den lebhaften und intensiven Gesprächen. Die hätten noch stundenlang dauern können.

Aber die Pestalozzis müssen zurück nach Israel und Koffer packen für die Heimreise. Mit ihrem Pass haben sie’s leicht an der von israelischem Militär kontrollierten Grenze. In knapp einer Stunde sind sie durch. Ihre neuen Bekannten stehen bei Reisen nach Israel auch schon mal doppelt so lange in der Warteschlange vor dem Checkpoint, der düstere Erinnerungen an DDR-Zeiten weckt.

Vielleicht ändert sich ja auch das irgendwann zum Besseren. So ein Funke kann viel bewirken – wenn er „Hoffnung“ heißt.

Rolf Schulte



Kommentare
Aus dem Ressort
Zeche künstlerisch verpackt
Bergbau
Vor rund 30 Jahren wurde mit „Holland“ die letzte Wattenscheider Zeche geschlossen. Wie ausgeprägt noch immer die Erinnerung ist, zeigt die Resonanz auf unseren Leseraufruf.
13-jährige Internet-Freundin vergewaltigt – drei Jahre Haft
Prozess
Zwei Vergewaltigungen warf die Anklage dem 18 Jahre alten Marler vor. In Wattenscheid soll er eine 13-Jährige, die er aus dem Internet kannte, zum Sex gezwungen haben, und in Recklinghausen eine 18-Jährige. Dem Landgericht Essen reichten die Beweise nur für die Wattenscheider Tat: drei Jahre Haft.
Krawall nach Kreisligaspiel in Witten hat Konsequenzen
Kreisliga
Der Trainer des FSV Sevinghausen (Wattenscheid) hat nach der Schlägerei, die Spieler seiner Mannschaft nach der Kreisliga-B-Partie gegen TuRa Rüdinghausen angezettelt hatten, Konsequenzen angekündigt. Er selbst werde zurücktreten, zumindest einzelne Spieler müssten mit dem Rausschmiss rechnen.
Susanne Zagorni will dem „Hoffnungsaufesser“ entgegentreten
Kultur
Existenzielle Themen wie Selbstfindung, Erkenntnis, Kreativität, Hoffnung und Selbstbehauptung gehören zu den Inhalten, die Susanne Zagorni in ihren Bildern darstellt. Was sich dahinter genau verbirgt, konnten Besucher am Wochenende erfahren. Denn zum zweiten Mal öffnete die 41-Jährige ihr Atelier...
Keine Angst vor Ebola
Soziales
Noch ist die Seuche nicht in Ghana angekommen. Doch macht sich Marco Stanitzek natürlich seine Gedanken. Seit neun Jahren leistet er Entwicklungshilfe im feuchttropischen Dorf Akuapim, hat in all der Zeit dazu beigetragen, dass das Wort „Dorf“ überhaupt eine zutreffende Beschreibung darstellt. Die...
Fotos und Videos