Für Mieter bestand Lebensgefahr
20.06.2007 | 09:20 Uhr 2007-06-20T09:20:39+0200Gutachter kommen bei der Betrachtung der städtischen Immobilie an der Höntroper Straße 71 zu einem vernichtenden Urteil. Ins Haus durch einen "Löwengang"
Welch ein Zirkus! Wie Tiere müssen sich die Menschen behandelt fühlen, die ihre Wohnungen in dem eingezäunten Gebäude an der Höntroper Straße 71 nur noch über einen sogenannten "Löwengang" erreichen können. Nach Einschätzung von Experten bestand in dem MehrfamilienHaus, das der Stadt gehört, zwischenzeitlich Lebensgefahr für die Mieter.
Der Stadtverordnete Günter Gleising lässt verbal die Peitsche knallen und empört sich: "So kann man doch nicht mit Mietern umgehen. Es ist erschreckend, wie viele städtische Wohnungen inzwischen herunter gewirtschaftet und zum Teil völlig marode sind."
Was war an der Höntroper Straße 71 geschehen? Im Mai hatte die Stadt den fünf Mietparteien in ihrer hinter der ehemaligen Polizeistation Höntrop gelegenen Immobilie schriftlich mitgeteilt, das Haus müsse wegen Instabilität des Daches innerhalb von zwei Tagen geräumt werden. Die Leute mochten bei der Lektüre des amtlichen Schreibens ihren Augen nicht trauen. Wohin in der Kürze der Zeit?
Ein unabhängiger Gutachter, der von den zentralen Diensten der Stadtverwaltung mit einer Stellungnahme zum Zustand des Gebäudes beauftragt worden war, hatte ein für den Eigentümer vernichtendes Urteil gefällt. Kernaussagen der Experten: Die Dachkonstruktion einschließlich Dachlatten und Dachdeckung ist in keinem ordnungsgemäßen Zustand; die Dachfläche darf von außen nicht mehr betreten werden; der Dachraum darf von innen nicht betreten werden. Es besteht Lebensgefahr! Weiterhin warnten die Gutachter: Bei außergewöhnlichen Einwirkungen wie Sturm können auch im angrenzenden Umfeld Schäden auftreten. Es sind kurzfristig Maßnahmen zur Sicherung des Daches erforderlich, es muss vollständig erneuert werden.
Bei einem Ortstermin mit Vertretern des kommunalen Bauordnungsamtes wurden die Aussagen des Gutachters grundsätzlich bestätigt. "Es wurde jedoch einvernehmlich festgestellt, dass eine akute Einsturzgefahr für das Gebäude nicht besteht, auch dann nicht, wenn das Dach einstürzen würde", heißt es in einem Ende Mai verfassten Aktenvermerk der Verwaltung. Und weiter: Derzeit werde ermittelt, ob eine Sanierung des Gebäudes in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen realisierbar sei. Sei dieses wirtschaftlich nicht zu vertreten, werde eine Aufgabe der Immobilie in Betracht gezogen.
Solche Aussagen mag Günter Gleising nicht widerspruchslos hinnehmen: "Statt Wohnraum zu privatisieren, sollte die Stadt ihre Wohnungen funktionsfähig halten, ihr Eigentum sichern und einen kommunalen Beitrag zur sozialen Wohnungspolitik leisten", fordert der Stadtverordnete. Auch das Mehrfamilienhaus an der Höntroper Straße 71 müsse saniert und erhalten werden. Die Stadt will nach Angaben Gleisings demnächst weitere 520 Wohnungen verkaufen, darunter auch Häuser am Stadtgartenring, an der Heim- und der Hohensteinstraße sowie am Wattenscheider Hellweg.
"Es ist erschreckend, wie viele städtische Wohnungen herunter gewirtschaftet sind."
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